13. November 2018, 21:47 Uhr

In der Tiermedizin beruflichen Traum erfüllt

13. November 2018, 21:47 Uhr
Gießen ist für ihn vor allem Familie: Ahmed Abdellatif mit Tochter Nada. (Foto: Schepp)

Die Behauptung, er sei durch den Umzug nach Gießen vor gut sechs Jahren in seine Traumstadt gekommen, würde der Wahrheit nicht entsprechen. Dass Ahmed Abdellatif von Ägypten nach Mittelhessen gewechselt ist, hatte vor allem berufliche Gründe. Der junge Tierarzt war damals Dozent und Chirurg an der Universität Assiut – mit bescheidener Perspektive. »Ich konnte vielen Tieren nicht helfen, weil dort das Know-how gefehlt hat.« Zum Glück lernte er damals Prof. Martin Kramer kennen. Der Dekan des Gießener Fachbereichs Veterinärmedizin riet ihm, sich um ein Stipendium beim Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD zu bewerben. Das tat der Wissenschaftler – mit Erfolg.

Der Wunsch, Tieren zu helfen war früh in Ahmed Abdellatif geweckt worden. Der junge Mann aus dem südägyptischen Minia wollte deshalb nach dem Abitur Veterinärmedizin studieren. Doch in Südägypten lag der Schwerpunkt eher in der Erforschung und Behandlung von Kamel, Kuh, Büffel und Pferd. »Ich habe mich aber schon immer für Kleintiere wie Hunde und Katzen interessiert.« Schweren Herzens verließ er seine Familie, um im 300 Kilometer entfernten Assiut ein Studium aufzunehmen. Jahr für Jahr gehörte er zur Spitze seines Jahrgangs, sodass die Universität ihm nach bestandener Prüfung eine feste Stelle anbot. Doch nach fünf Jahren merkte er, dass er sich dort wissenschaftlich nicht weiterentwickeln konnte. Da kam der Kontakt zu Prof. Kramer aus Gießen gerade recht.

Wissenschaftlicher Hunger

Erste Station in Deutschland war 2011 allerdings Marburg, wo er einen mehrmonatigen Sprachkurs absolvierte. Anfang 2012 trat er eine Stelle als Doktorand in der Gießener Veterinärmedizin an. Schnell merkte er, dass er sich mit seinen Deutschkenntnissen im Alltag mühelos zurechtfand, sobald es um wissenschaftliche Fachbegriffe ging, wurde es jedoch schwierig. Nicht nur auf diesem Sektor fand sich Abdellatif dank seines »wissenschaftlichen Hungers« schnell zurecht, er merkte auch, dass sich sein Interesse mit der Zeit von der Kleintierchirurgie in Richtung Radiologie entwickelte. Nach dem Abschluss seiner Doktorarbeit 2016 – magna cum laude – steht 2020 in Zürich die nächste Prüfung an, diesmal mit radiologischem Schwerpunkt.

Bei so viel beruflicher Dynamik bekommt man leicht das Gefühl, dass die Familie ins Hintertreffen gerät. Das ist aber nicht so. »Ohne meine Frau und meine Familie hätte ich das nicht geschafft«, sagt der 34-Jährige und blickt zu seiner Tochter Nada, die ihm zum Gespräch begleitet hat. Seit 2007 ist er mit seiner Frau Hanaa verheiratet, das Paar hat drei Kinder.

Wie ihm Gießen gefällt? Da hat der Tierarzt nicht viele Vergleiche. Er hat an Kongressen in Köln, Berlin und München teilgenommen, aber einen richtigen Vergleich hat er nicht. »Ich war nie woanders«, sagt er ohne ein Wort des Bedauerns, denn in Mittelhessen hat er sich von Anfang an »nie fremd gefühlt«. Das lag zum Einen an den vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die er hier kennengelernt hat, aber auch daran, dass er sehr schnell Kontakt bekommen hat. »Mein Ziel war immer, mich gut zu integrieren«, sagt der Tierarzt und berichtet, wie er im Kindergarten oder in der Schule seiner Sprösslinge Aufgaben übernommen hat.

Nur mit seinem sportlichen Hobby hat der Mann, der seit einigen Monaten die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, noch nicht so richtig Anschluss gefunden. In Ägypten hat er regelmäßig Fußball gespielt, in Gießen musste er sich bisher aufs Zuschauen beschränken. Weil ihm Jürgen Klopp imponiert, schaut er sich gern die Spiele des FC Liverpool an, nachdem er nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst BVB-Fan war.

Ägypten besuchen die Abdellatifs fast jedes Jahr. »Natürlich haben wir Heimweh«, bekräftigt der Tiermediziner, dass er Freunde und Familie vermisst. Zugleich freut er sich, wie sich seine Kinder in Gießen entwickeln und wohlfühlen. Auch das ist ein Grund dafür, warum er sich in Gießen mehr und mehr heimisch fühlt. »Meine Familie ist meine Heimat.«

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