26. Juni 2014, 21:58 Uhr

»Höchste Priorität« für Fraunhofer-Ansiedlung

Gießen (mö). Die Stadt will bis zum Jahresende eine gesonderte Planung für die Ansiedlung einer Forschungseinrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft am Leihgesterner Weg abschließen. Zu diesem Zweck wird eine Teilfläche aus dem 40 Hektar großen Bebauungsplan »Technologie- und Gewerbepark Leihgesterner Weg« herausgelöst.
26. Juni 2014, 21:58 Uhr
Auf einer Ackerfläche auf der Nordseite des Ohlebergswegs soll Fraunhofer siedeln Die Skizze zeigt eine Ansicht vom Heinrich-Buff-Ring aus. (Foto: Red)

Dies gab der Magistrat am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung im Konzertsaal des Rathauses bekannt. Die Ansiedlung von Fraunhofer genieße für die Stadt momentan »höchste Priorität«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz vor rund 120 Zuhörern, bei denen es sich vorwiegend um Bewohner des Südviertels handelte.

Die neue Lage hatte sich tagsüber bereits abgezeichnet, als auf der Tagesordnung des parlamentarischen Bauausschusses, der am kommenden Dienstag tagt, ein Magistratsantrag zum Bebauungsplan auftauchte. Dessen südlicher Bereich, wo die Stadtwerke eine zweite TREA zur Gewinnung von Fernwärme und Strom errichten wollen und das Studentenwerk auf der Westseite des Leihgesterner Wegs ein weiteres Wohnheimprojekt verwirklichen will, wird laut Magistrat durch den Sonderplan für Fraunhofer nicht verzögert. Für Fraunhofer gehe es nur schneller, hieß es. Die Ansiedlung dieser Forschungseinrichtung »ist eine ganz große Chance für unsere Stadt«, sagte OB Grabe-Bolz. Wie berichtet, will Fraunhofer auf einem Grundstück an der Ecke Leihgesterner Weg/Ohlebergsweg bis 2018 in mehreren Abschnitten 30 Millionen Euro in die Errichtung von drei Gebäuden investieren.

Im Mittelpunkt der zweieinhalbstündigen und von Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz moderierten Veranstaltung stand danach gleichwohl erneut das von den Stadtwerken ins Auge gefasste Blockheizkraftwerk, in dem Holz verbrannt werden soll. Der technische Stadtwerke-Vorstand Reinhard Paul erklärte dazu mehrfach, dass es für die Biomasse-Verbrennung derzeit keine konkrete Planung gebe. Im Bebauungsplan sei eine solche Anlage nur genannt worden, weil die SWG von der Stadt aufgefordert worden seien, denkbare Zukunftsprojekte für das Energieerzeugungszentrum am Leihgesterner Weg zu nennen. Der SWG-Vorstand: »Dort kann alles Mögliche entstehen, was für die Energiewende richtig ist.«

Als »völlig an der Realität vorbei« bezeichnete Paul die Aussage eines Gutachters, wonach von der Lagerung des Brennstoffs Holz eine Geruchsbelästigung für die Anwohner des Oberauwegs ausgehen könnte. Der Brennstoff würde »unter Dach« und ganz bestimmt nicht im Freien gelagert, wovon der Gutachter ausgegangen sei. Im Übrigen betrieben die SWG im Stadtgebiet bereits mehrere Holzverbrennungsanlagen, ohne dass es Beschwerden von Anwohnern über Gerüche oder andere Belastungen gebe.

Stephan Henrich vom Stadtplanungsamt sprang Paul insofern bei, als Gutachten auch immer »Worst-Case-Szenarien« beschrieben: »Das wird nicht so schlimm, wie es der Gutachter sagt.« Was die Aussage eines anderen Gutachtens zur Blockade einer Frischluftschneise betrifft, falls auf der Ostseite des Leihgesterner Wegs eine Riegelbebauung entstehe, versicherte Henrich: »Der Frischluft-Korridor wird freigehalten.«

Auf die Frage einer Anwohnerin, warum solche Abfallverbrennungsanlagen überhaupt nötig seien und ob es nicht besser wäre, die auf See (Offshore) erzeugte Windenergie hier abzunehmen, legte Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich ein klares Bekenntnis zur Eigenenergieerzeugung der Stadtwerke ab. Einen regionalen Wirtschaftskreislauf mit regenerativen Energieträgern aufzubauen, sei sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll, sagte die Grünen-Politikerin auch mit Hinweis auf Widerstände gegen Windräder und Stromtrassen.

Keineswegs einer Meinung waren der Magistrat und die Stadtwerke-Spitze in der Frage, wie und wann Bürger über Planungs- und Bauvorhaben zu informieren sind. Als Stadt und SWG von einem Vertreter des Vereins Lebenswertes Gießen vorgehalten wurde, Bürger »nur reaktiv« zu beteiligen, antwortete der ob der Kritik des Vereins hörbar »angefressene« Paul: »Besser später als nie. Jetzt sind Sie ja informiert worden.« Auf diese Aussage reagierte OB Grabe-Bolz mit den Worten: »Das ist nicht unsere Kommunikationsstrategie. Die Stadtwerke sind ein Tochterunternehmen der Stadt. Seine Töchter muss man ein bisschen erziehen.«

Teil dieser Erziehung ist offenbar auch die Ankündigung des Magistrats, dass im Fall der Errichtung auch eines kleineren Biomasse-Heizwerks vorab eine umfassende Bürgerbeteiligung durchgeführt wird. Dazu will die Stadt die SWG vertraglich verpflichten.

30-Millionen-Investition für Fraunhofer Weichen für Wohnen und Forschen gestellt Südviertel-Anwohnern könnte es stinken Holzverbrennung nicht vor 2020

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