03. August 2014, 20:28 Uhr

Historischer Aussichtspunkt ist wieder geöffnet

Gießen (rha). 15 Meter ragt der Bismarckturm in der Nähe des Evangelischen Krankenhauses in die Höhe. Von keinem anderen Punkt der Stadt aus hat man eine so gute Aussicht auf Gießen und das Umland. Bis 19. Oktober ist der Turm jetzt jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr (im Oktober bis 17 Uhr) geöffnet.
03. August 2014, 20:28 Uhr
Erstmals seit über 40 Jahren durften am Sonntag wieder Besucher auf den Bismarckturm steigen. (Foto: rha)

Die Luft ist zwar ein wenig diesig am gestrigen Sonntag, deswegen erkennt man nicht alle Aussichtspunkte. Dennoch lässt sich der Feldberg ausmachen, schemenhaft ist auch der Hoherodskopf im Vogelsberg zu erkennen. Lange mussten die Gießener auf diesen Aussichtspunkt verzichten, über 40 Jahre war der Bismarckturm wegen erheblicher Bau- und Vandalismusschäden gesperrt. Erst durch die Initiative des Fördervereins Bismarcktum Gießen wurden Renovierungsarbeiten in Gang gesetzt, nach denen der Turm jetzt wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.

»Diese Rundumsicht hat es schon in sich«, meint Dr. Bernhard Höpfner, der Vorsitzende des Fördervereins. Besonders spannend ist für Einheimische auch die Aussicht auf die Universitätsstadt. »Hast Du gewusst, dass der Wiesecker Brauereiturm so weit links steht?«, fragt einer der Besucher beim Blick über die Dächer der Stadt. Aus diesem Blickwinkel wird das eigentliche Ausmaß Gießens erst deutlich. Sogar mancher Gebäudeklotz, der vom Boden aus betrachtet wenig Charme besitzt, gewinnt aus der Vogelperspektive eine ganz neue Bedeutung als Landmarke.

Viele Besucher an diesem ersten Öffnungstag waren schon als Kinder hier. »Der erste Schulausflug führte immer hierher«, erzählt Ulrike Rinn, Vorstandsmitglied im Förderverein und langjährige Leiterin der Grundschule Gießen-West. Dennoch ist der Aufstieg die 63 Stufen im Halbdunkeln hinauf für viele eine Premiere. »Ich gehe heute zum ersten Mal auf den Turm«, meint ein weiterer Besucher. »Als Kind stand ich hier nur vor verschlossenen Türen.« Auch Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz, der einen kleinen Scheck an den Förderverein übergibt, freut sich über den wiedergewonnenen Aussichtspunkt: »Es ist schön, dass doch einige zu diesem kernigen, urigen Bauwerk gekommen sind.« Vom Bismarckturm aus gebe es eine schöne Blickverbindung zu Gießen.

Dabei war der Turm 1906 nicht hauptsächlich der guten Aussicht wegen, sondern als Denkmal für den verstorbenen Reichskanzler Otto von Bismarck durch die Gießener Studentenschaft errichtet worden. Die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs überstand das Bauwerk ohne Schäden. Dennoch verfiel der Turm ab Mitte der 1950er Jahre zusehends, so dass er 1972 geschlossen werden musste. »Es hat uns wehgetan«, berichtet Höpfner, »ein durch den Krieg unversehrtes historisches Gebäude verfallen zu sehen.« Mit Unterstützung der Stadt, des Landes, heimischer Unternehmen und zahlreicher privater Spender begannen er und einige Gleichgesinnte vor etwa fünf Jahren mit der Rettung des Bismarckturms.

Die Gießener haben mit dessen Wiedereröffnung nicht nur einen Aussichtspunkt und ein historisches Denkmal wiedergewonnen, sondern auch einen Ort, mit dem viele ganz persönliche Geschichten verbinden. So schreibt einer der Besucher ins Gästebuch: »War 1937 zum ersten Mal hier.« Damals half er der Familie auf dem benachbarten Kartoffelacker bei der Ernte. Auch von amourösen Abenteuern bekomme er immer wieder erzählt, meint Erich Jakob, Schatzmeister des Fördervereins. »Hier haben schon so manche Leute ihre magischen Momente erlebt.«

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