23. März 2018, 21:42 Uhr

Hilferuf an Politik und Wirtschaft

23. März 2018, 21:42 Uhr
Auch an der Willy-Brandt-Schule werden junge Flüchtlinge aus unterschiedlichen Herkunftsländern in Intensivklassen unterrichtet. (Foto: Schepp)

Seit 2014 gibt es an einer Reihe hessischer Schulen das Konzept InteA (Integration durch Abschluss und Anschluss). In Intensivklassen sollen junge Flüchtlinge, Spätaussiedler und Zuwanderer vor allem in Sachen Spracherwerb gefördert werden. Das Projekt ist jeweils auf zwei Jahre angelegt, zum InteA-Konzept gehört zudem ein zweimonatiges Praktikum, das die jungen Menschen auf eine Ausbildungsstelle vorbereiten soll. Dass die seinerzeit festgelegten Regeln für viele Absolventen zu starr sind und zum Scheitern führen, darin waren sich vor Kurzem die Teilnehmer eines Informationsgesprächs an der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten (WSO) weitgehend einig.

Als »Hilferuf an Politik und Wirtschaft« bezeichnete Annette Greilich die von der WSO initiierte Veranstaltung, an der Vertreter aus InteA-Schulen, Handwerk, IHK, Jobcenter, Schulamt und Landtag – gekommen waren Wolfgang Greilich (FDP) und Gerhard Merz (SPD) – teilnahmen. 80 bis 100 Praktikumsplätze werden Anfang Mai für die InteA-Absolventen von WSO, Theodor-Litt- und Willy-Brandt-Schule gebraucht, kalkulierte die Schulleiterin. »Wir suchen händeringend nach Betrieben, die passend für unsere Schüler etwas anbieten«, verdeutlichte ein Berufsschulvertreter und sprach damit ein weiteres Problem an. Viele der jungen Flüchtlinge aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, Syrien oder dem Irak hätten bei ihrer Ankunft in Deutschland »nicht allzu viel Schulbildung im Gepäck«. Manche seien noch nicht einmal in ihrer Muttersprache alphabetisiert, sagte Dr. Ralf Siebert. Für viele sei das Absolvieren eines Langzeitpraktikums deshalb mit Frustration und Enttäuschungen verbunden. Der InteA-Koordinator an der WSO forderte ebenso wie seine Kollegen eine Verlängerung des Sprachunterrichts um 12 oder 24 Monate. Selbst wer am Ende der zweijährigen Schulzeit das Deutsche Sprachdiplom (DSD) erfolgreich absolviert, »ist nicht automatisch ausbildungsfähig«, gaben die Fachleute zu bedenken. Oft kämen die jungen Leute auf der Baustelle noch gut zurecht. »Aber spätestens in der Berufsschule scheitern viele, weil sie an ihre Grenzen stoßen«, berichtete Astrid Metzger vom Jobcenter. Und wenn dann das fünfte Praktikum abgebrochen werden müsse, weil man an Sprachbarrieren scheitert, »stößt man auch an Motivationsgrenzen«.

Für das Handwerk signalisierte Uwe Bock Hilfsbereitschaft. »Wir stehen zur Verfügung, wenn es irgendwie geht«, stellte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft klar. Für die Betriebe sei es jedoch wichtig, »dass die jungen Leute der deutschen Sprache mächtig sind«.

Da für viele InteA-Schüler nach zwei Jahren Sprachunterricht Praktikum und Ausbildung zu früh kämen, plädierten die Diskussionsteilnehmer für eine längere Schulausbildung. »Das Curriculum sollte auf zwei bis vier Jahre angelegt sein«, forderte Merz. »Aber bis zum 30. April kriegen wir das nicht hin«, vermochte der Landtagsabgeordnete nicht viel Hoffnung auf eine Änderung zum nächsten Praktikumstermin zu machen. Auch Wolfgang Greilich kritisierte die »starren Regeln aus Wiesbaden«, die auch die Dauer des Praktikums betreffen. Thomas Deutschmann von der WSO fasste das Problem so zusammen: »Es gibt die Realität, mit der wir arbeiten müssen und es gibt das, was sinnvoll wäre.«

Eine flexiblere Handhabung im Bereich der Praktikumszeiten forderte beispielsweise Till Mühlhaus von der Theodor-Litt-Schule. Er hält es für sinnvoll, mehrere kurze Praktika statt eines langen Praktikums anzubieten, um so den Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, unterschiedliche Berufsbilder kennenzulernen. In Sachen Berufswunsch seien die jungen Leute nämlich stark von den üblichen Erwerbsmöglichkeiten ihrer Heimatländer geprägt und weniger von den in Deutschland gefragten Berufen.

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