06. September 2018, 22:00 Uhr

Helfen auch ohne »Hafen«

Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen? Für die Mitglieder der Seebrücke Gießen keine Option. Am Donnerstag haben sie daher Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz einen Brief überreicht. Die Forderung: Gießen soll aus Seenot gerettete Flüchtlinge direkt aufnehmen und Druck auf die Bundesregierung ausüben.
06. September 2018, 22:00 Uhr
Dietlind Grabe-Bolz nimmt den offenen Brief des Seebrücke-Trios entgegen. (Foto: Schepp)

Das Trio der Seebrücke Gießen steht auf dem Rathausvorplatz. Noch sind ein paar Minuten Zeit, bis Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die Aktivisten empfängt. »Köln ist dabei, Düsseldorf, Bonn und Bremen auch, seit gestern zudem Rostock«, sagt Vera Bonica. »Vielleicht rennen wir bei Frau Grabe-Bolz ja offene Türen ein.« Die Mitglieder wollen der OB einen offenen Brief überreichen und sie auffordern, dass sich Gießen in einem symbolischen Akt als sicheren Hafen für aus Seenot gerettete Flüchtlinge deklariert. Außerdem soll die Stadt Druck auf die Bundesregierung ausüben, damit die Seenotrettung im Mittelmeer wieder vorangetrieben wird. »Dann mal los«, sagt Vera Bonica und schreitet mit ihren beiden Mitstreitern Anja Holler-Loock und Luca Savastano durch die Drehtür des Rathauses.

Um es vorweg zu nehmen: Die Stadt Gießen wird sich nicht in die Liste jener Städte einreihen, die offensiv für die Aufnahme weiterer Bootsflüchtlinge wirbt. Aber im Gespräch mit den Aktivisten machte die Oberbürgermeisterin deutlich, dass sie nicht nur ihr Engagement, sondern auch ihre Ziele schätze. »Wir plädieren für eine europäische Lösung. Es muss klare Regelungen bei der Aufnahme, Integration und Rückführung geben. Bis dahin muss aber verhindert werden, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken.« Gießen sei eine tolerante Stadt, die schon seit Jahrzehnten ihren Anteil leiste und Menschen in Not aufnehme. »Das werden wir selbstverständlich auch weiterhin tun.« Aber in einem symbolischen Akt zu verkünden, man werde eine feste Zahl an Bootsflüchtlingen aufnehmen, davon hielt die Oberbürgermeisterin nichts. In diesem Zusammenhang betonte sie auch, dass sich Gießen bei der Aufnahme von Flüchtlingen bisher deutlich stärker hervorgetan habe als die meisten anderen Städte der Liste.

Anja Holler-Loock nutze das Gespräch mit der OB auch, um sich gegen die Kriminalisierung der privaten Seenotretter auszusprechen. Außerdem betonte sie, dass die Seebrücke nicht dafür eintrete, alle Flüchtling in Deutschland bedingungslos aufzunehmen. »Aber unabhängig davon ist es unsere Pflicht, in Seenot geratene Menschen nicht ertrinken zu lassen.« Das sah auch die Oberbürgermeisterin so. Sie verwies jedoch darauf, dass die Kommunen hier keine Entscheidungsgewalt hätten. »Das muss auf europäischer Ebene geregelt werden.«

Gießen wird also nicht das Label »sicherer Hafen für Flüchtlinge« tragen. Helfen will die Stadt laut Grabe-Bolz aber weiterhin.

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