27. September 2018, 22:05 Uhr

Heiterer Sinn für Schönheit

Diese Vernissage war eine besonders lebhafte, war auf Künstlerseite vom Begrüßen von Familie und Freunden geprägt. Für Gießener galt es auch, einen weiteren Kunstort im Uniklinikum Gießen in Augenschein zu nehmen: Flure und Wartezimmer in der Tagesklinik für Hämatologie. Die liegt vom Haupteingang aus geradeaus, vorbei an Cafeteria und Aufzügen. Gezeigt wird Fotokunst von Birgit von Ritter-Zahony und Dirk Leisenberg.
27. September 2018, 22:05 Uhr
Aus Einzelaufnahmen kreiert Dirk Leisenberg Panoramen aus der Luftperspektive.

Der Leiter der Tagesklinik für Hämatologie, Prof. Mathias Rummel, hat schon in seiner Frankfurter Zeit dafür gesorgt, dass seine Abteilung mit Kunstwerken ausgestattet wurde. In Gießen hat er damit begonnen, von ihm selbst gekaufte Bilder rahmen und hängen zu lassen. Dann traf es sich, dass eine Patientin sich als Künstlerin entpuppte und ihm nach einiger Zeit anbot, ihre Bilder an den weißen Klinikswänden zu zeigen. Sie selbst habe in den Zimmern und Fluren unter dem ewigen Weiß gelitten, sagt Birgit von Ritter-Zahony. Prof. Rummel reagierte sofort, kontaktierte die Kunstbeauftragte des Uniklinikums, Dr. Susanne Ließegang, und innerhalb kurzer Zeit wurde der Plan umgesetzt. Wozu auch gehörte, dass die Künstlerin einen langjährigen Freund einlud, sich zu beteiligen: Dr. Dirk Leisenberg.

Zwei fotokünstlerische Oeuvres

Auf diese Weise besteht nun die Möglichkeit zwei fotokünstlerische Oeuvres direkt nebeneinander zu betrachten. Gemeinsam ist den beiden das Umgehen mit digitaler Fotografie und der Gestaltung durch Fotoprogramme am PC, was sie sich eine Zeitlang gemeinsam erarbeiteten. Die Ergebnisse sind denkbar unterschiedlich.

Birgit von Ritter-Zahony (Jahrgang 1942) durchlief in den Siebzigerjahren die Ausbildung zur Fotolaborantin und Fotografin. Sie war (und blieb) immer neugierig auf Neues, lebte fast ein Jahr in Kanada, arbeitete in der Medizinfotografie. Zurück in Deutschland war sie im Bereich Technik- und Motorsport tätig. Sie schaffte es, selbst Schrauben im Foto eine gewisse Lebendigkeit zu geben; was ihre besondere Stärke sei, so Einführungsrednerin Ließegang. Erst spät kam sie zur Porträtfotografie. 1978 zog sie mit Ehemann nach Mittelhessen, von der Großstadt ins ländliche Ambiente.

Und dann kam die Digitalfotografie, die neue Möglichkeiten eröffnete. »Plötzlich konnte ich malen, sogar meine eigenen Farben herstellen«, sagt sie und die Begeisterung ist immer noch zu spüren. Sie machte mit Architekturfotografie weiter, verschönerte aber so manches, wie sie sagt. Hausfassaden und die historischen Türme der Frankfurter Innenstadt wurden von ihr farblich aufgepeppt. Dann wurde sie zunehmend abstrakt, schuf Bilder, die wie große Pinselschwünge aussehen. Sind es aber nicht.

Der andere Fotokünstler, Dirk Leisenberg (Jahrgang 1971), ist von Beruf Zahnarzt. Eigentlich wollte er immer Filmer werden. Lange Jahre bot sich die Fotografie als Ausgleich an. Die Möglichkeit der digitalen Überarbeitung von Fotos schuf einen großen Freiraum, der noch getoppt wurde von Drohnen, an die sich Fotoapparate hängen lassen. Um solche Aufnahmen zu machen, muss er im Vorfeld viele Anträge stellen, auch plant er genau, wo der beste Standort und wann die besten Lichtbedingungen sind. Aus 50 bis 70 Einzelaufnahmen kreiert er Panoramen aus der Luftperspektive, die unglaublich sind. So detailreich, so umfassend kann man die Strukturen der historischen Städte sonst nicht sehen. Vor allem nicht, wenn er sie zu Globen formt. Er geht fast spielerisch mit dem Bild um, auch bei ihm vermittelt sich der heitere Sinn für Schönheit.

Zur Vernissage am Dienstagabend hatte er noch ein besonderes Highlight geschaffen: Aus den Bildern der Ausstellung machte er ein dreiminütiges, mit Musik unterlegtes Video. Die Gäste applaudierten begeistert. Die Werke bleiben etwa ein halbes Jahr hängen, also bis Ende März 2019.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aufzüge
  • Cafes und Cafeterias
  • Fotokunst
  • Gießen
  • Hämatologie
  • Schönheit
  • Tageskliniken
  • Universitätsklinikum Gießen und Marburg
  • Dagmar Klein
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.