01. April 2019, 22:06 Uhr

Hegende Hände gesucht

01. April 2019, 22:06 Uhr

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Langzeitprojekts botanoadopt® präsentieren Haike Rausch und Torsten Grosch ihren Bildband »Urban Plants – Bio-Biographies« im Gießkannenmuseum. Die bildreiche Publikation erscheint an diesem Tag im Distanz Verlag. Die Künstler stellen das Buch, dessen Herzstück 100 Fotografien und Biografien von vermittelten Pflanzen sind, im Rahmen einer Lesung vor. Die Präsentation des Buches »Urban Plants« samt Lesung von botanoadopt® finden am Donnerstag, 4. April, 19 Uhr, im Gießkannenmuseum (Sonnenstraße 4) statt.

Seit Frühjahr 2012 kooperiert das Gießkannenmuseum mit dem interdisziplinären Kunstprojekt. Dahinter steht das Künstlerduo Haike Rausch und Torsten Grosch (431art). Beide leben und arbeiten in Frankfurt.

Mit Pflanzenadoptionen und einer dazugehörigen Pflanzenklappe bemüht sich botanoadopt® um die Vergabe vernachlässigter oder misshandelter Pflanzen in hegende und pflegende Hände. Bisher vermittelten Grosch und Rausch Pflanzen in 9 europäische Länder. Für die Adoptionen über das Internet wurde ein bundesweites Adoptionsnetzwerk aufgebaut (www.botanoadopt.org). Darüber hinaus wurden Pflanzen in Adoptionsbüros in Berlin, Frankfurt, Köln, London oder Sittard (NL) vermittelt. Auf diese Weise finden die Pflanzen, denen ihre Pflegebedürftigkeit oft anzusehen ist, verantwortungsvolle Adoptiveltern.

Im Vorfeld erhält jede Pflanze einen Namen und eine Biografie. Geldbaum »Lehman«, Sukkulente »Emily Sensorship« oder Orchidee »Technical Influence« sind drei von 100 pflanzlichen Persönlichkeiten und stehen stellvertretend für Schicksale städtischer Zimmerpflanzen, auf die das Buch als künstlerisches Plädoyer mit Humor und Poesie einen ganz neuen Blickwinkel vermittelt. Die Personifizierung von Pflanzen ist dabei keine Verniedlichung, sondern Teil der künstlerischen Utopie botanoadopts, die Pflanzen als gleichberechtigte Lebewesen definiert. Das selbst gesteckte Ziel, mit dem Projekt die Sichtweise von pflanzlichem Leben befragbar zu machen, wird mit den Stilmitteln des Humors und der Kontextverschiebung umgesetzt.

Schon 1000 Pflanzen vermittelt

Bisher haben schon weit über 1000 Pflanzen ein neues zu Hause gefunden. Im Gießkannenmuseum ist dauerhaft eine Außenstelle des Projekts eingerichtet, die Zimmerpflanzen zur Adoption anbietet. Seit Bestehen der Zusammenarbeit wurden hier bereits 202 Pfleglinge vermittelt (Stand März 2019).

Das partizipative Kunstprojekt erhielt einige Auszeichnungen, darunter das Qualitätssiegel Projekt N 2017 des deutschen Nachhaltigkeitsrates sowie Einladungen zu internationalen Konferenzen (ISEA Istanbul, SPVH im Museum of Modern Art Zagreb, DRHA London). Zweimal war 431art mit dem Projekt für den MO Kunstpreis des Museum Ostwall nominiert.

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