07. Februar 2016, 12:00 Uhr

Hauptportal der Johanneskirche wird restauriert

Die Johanneskirche hat seit Freitag kein Hauptportal mehr. Das handwerkliche Meisterstück aus dem Jahr 1864, das lange hinter Kupfer verborgen war, wird jetzt originalgetreu restauriert. Auch das gehört zu der grundlegenden Renovierung des Gotteshauses, das an Palmsonntag feierlich wieder eingeweiht wird.
07. Februar 2016, 12:00 Uhr
Das vordere der hölzernen Seitenportale ist von Schreinermeister Karl-Heinz Merte (r.) originalgetreu restauriert worden. Nun ist das Hauptportal in seiner Werkstatt. (Foto: Schepp)

Seit fast einem Jahr ist an der Johanneskirche die Zeit stehen geblieben. Jedenfalls was die große Uhr auf dem Kirchturm angeht, deren Zeiger ständig 8.38 Uhr verkündet. Im Innern freilich wird seit März 2015 eifrig gewerkelt. Bis Mitte März und damit rechtzeitig vor dem Osterfest soll der zweite Bauabschnitt beendet sein.
Der erste Teil der Innenrenovierung war im zweiten Halbjahr 2013 vonstattengegangen Für 470 000 Euro waren damals die Heizungsanlage und die Elektroinstallation komplett erneuert worden. Der zweite Bauabschnitt unter dem Motto »Neuer Glanz fürs Gloria« ist auf 1,6 Millionen Euro veranschlagt. Die Johannes- und die Lukasgemeinde als Eigentümer müssen davon rund 500 000 Euro aus Rücklagen und Spenden aufbringen, das Gros zahlt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau.

 »Wir sind im Kostenrahmen geblieben und liegen auch voll im Zeitplan«, freut sich Klaus Busch, der als ehrenamtlicher Bauleiter der Johannesgemeinde fast täglich auf der Baustelle zu finden ist. Gottesdienst und Festakt zur Wiedereinweihung der Kirche, zu der auch Ministerpräsident Volker Bouffier erwartet wird, sind auf Palmsonntag (20. März) terminiert. Busch rechnet damit, dass danach das momentan bei 140 000 Euro stagnierende Spendenkonto weiter anwächst.

Unter Regie des Gießener Architekten Heiner Schmees wurde der Innenraum der Kirche heller gestaltet und ein Teil der Umbauten aus den 60er Jahren rückgängig gemacht. Der Innenraum ist anders aufgeteilt, der Altarbereich mit Taufbecken, Kanzel, Kreuz und Osterleuchter wird in Kürze komplett neu gestaltet. Die alten Wandbemalungen wurden vorübergehend freigelegt und dokumentiert, sind nun aber wieder hinter dem Putz verschwunden. Die Sitzplatzanordnung im Seitenschiff ist jetzt flexibler. Auch Beleuchtung und Beschallung wurden auf den neuesten Stand gebracht.

»Das war schon eine spannende Anforderung«, beschreibt Heiner Schmees seine Aufgabe. Der Innenraum habe nun einen ganz neuen Charakter und ein anderes Erscheinungsbild, auch durch die hellere Farbe, versichert er. Das werde den Kirchenbesuchern besonders auffallen, wenn das Sonnenlicht durch die farbigen Fenster ins Innere fällt.

Ein wesentliches Element der »neuen« Johanneskirche ist die Restaurierung der drei großen hölzernen Portale. Die waren 1968 mit Kupfer verkleidet worden. Dabei waren die Handwerker ziemlich brutal vorgegangen: Überstehende Profile und Ornamente wurden einfach abgeschliffen, um glatte Oberflächen zu bekommen. Damals mögen die Kirchenvorstände die hellen Kupferbeschläge attraktiv gefunden haben, aus heutiger Sicht würde man von einer »Bausünde« sprechen.

Mit deren Korrektur wurde Schreinermeister Reinhold Merte beauftragt. Der hat sich auf solche Holzrestaurierungen in Altbauten spezialisiert und war auch beteiligt an der Sanierung des Wetzlarer Museums »Palais Papius« 2012 oder gerade am Wiederaufblühen der Villa Grün in Hungen (siehe GAZ vom Dienstag, Seite 39). Beim Ausbau der Originalportale nach dem Entfernen der Kupferbeschläge war Merte überrascht. Fassungen und Türen bestehen im Kern aus Nadelholz, das sonst gebräuchliche Eichenholz war nur aufgesetzt worden. Dass die Kollegen damals »technisch schon so weit waren und einen sehr guten Leim zur Verfügung hatten«, erstaunt den Fachmann.
 
Bausünde wird korrigiert
 
Inzwischen ist das vordere der beiden 4,50 Meter hohen und 2,50 Meter breiten Seitenportale in seiner Werkstatt in Gladenbach-Frohnhausen restauriert und mit Farbe auf Leinölbasis gestrichen worden, ehe es in Gießen wieder eingebaut wurde. Es fehlt nur noch die Bleiverglasung im Oberlicht. Das noch etwas breitere Hauptportal an der Front zur Goethestraße wurde am Freitag ausgebaut. Die durch die Patina dunkel gewordene Kupferverkleidung, die fast 50 Jahre lang den Anblick der Portale geprägt hatte, ist jetzt nur noch am hinteren Seiteneingang zu sehen. Guido Tamme

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