28. Januar 2015, 22:43 Uhr

Griechischer Außenminister hat in Gießen studiert

Gießen/Athen (mö). Vielleicht sind sie sich Mitte der 70er Jahre in Gießen über den Weg gelaufen, womöglich haben sie sogar beim Schoppen in der Licher Bierstube in der Grünberger Straße zusammengesessen und über Politik diskutiert. Fest steht jedenfalls, dass es nun in Europa zwei Außenminister mit Gießener Wurzeln gibt.
28. Januar 2015, 22:43 Uhr
Der neue griechische Außenminister Nikos Kotzias studierte vor 40 Jahren an der Gießener Universität. (Foto: dpa)

Der eine ist bekanntlich der Deutsche Frank-Walter Steinmeier, der zweite wurde zu Beginn dieser Woche ins neue griechische Kabinett berufen und heißt Nikos Kotzias.

Dass der Politik-Professor aus Piräus neuer griechischer Außenamtschef geworden ist, machte am Mittwoch in Gießen schnell die Runde. Einige alte Kämpen aus der Linksszene erinnerten sich an den »Nikos«, der vor den »Obristen« der griechischen Militärdiktatur in die Bundesrepublik geflüchtet war. An der Justus-Liebig-Universität studierte Kotzias in der ersten Hälfte der 70er Jahre Volkswirtschaft sowie Politik und mischte in der kommunistischen Hochschulszene kräftig mit. Für seine gleichermaßen langen wie temperamentenvollen Vorträge bei den diversen »Teach-Ins« sei Kotzias in den sogenannten K-Gruppen regelrecht berüchtigt gewesen, erinnert sich der heutige Stadtrat Prof. Heinrich Brinkmann. Der Grünen-Politiker war damals Dozent am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften. In seiner Gießener Zeit habe er sich auch eine der hübschesten Studentinnen des Fachbereichs geangelt und später geheiratet.

+++ Fragen und Antworten: Darum blickt die Welt nach Griechenland

Dass sich Steinmeier, der sein Studium 1976 in Gießen begann, und Kotzias in der mittelhessischen Universitätsstadt damals begegnet sind, schließt Brinkmann nicht aus. Falls nicht, können die beiden ihre Gießener Erinnerungen beim Außenminister-Treffen der EU am Donnerstag austauschen. Brinkmann vermutet, dass Kotzias, der perfekt Deutsch spricht, vor allem wegen seiner deutschen Vergangenheit vom neuen Regierungschef Alexis Tsipras ins Kabinett berufen wurde.

Denn Kotzias studierte nicht nur in Gießen, sondern lehrte später an der Marburger Philipps-Universität, wo er auch Präsident der Forschungsgruppe Europäische Gemeinschaften war. Weitere Unistationen waren Harvard, Oxford und zuletzt Piräus. Zwischen 1993 und 2008 war er bereits im diplomatischen Dienst tätig. Die Berliner Tageszeitung nennt Kotzias einen »Kenner und Kritiker Deutschlands«. Der Titel seines neuesten Buchs sage über den »linken Denker« eigentlich alles: »Griechenland, eine Schuldenkolonie. Europäisches Imperium und deutscher Vorsitz«.

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