31. Januar 2017, 20:48 Uhr

Glück mit dem 6er-Pasch

»Gemeinsam statt einsam« ist das Leitmotto der Gießener Fünfziger-Vereinigungen. Wer mitmacht, tut das aus innerer Überzeugung. Besonders viel davon bringen offenbar die Damen vom Jahrgang 1966 mit. Schon im ersten Jahr hat sich der 6er-Pasch zu einer besonders großen und engagierten Gruppe zusammengefunden.
31. Januar 2017, 20:48 Uhr
Typisch 6er-Pasch: Die Fünfzigerinnen vom Jahrgang 1966/2016 bei einem Besuch des ZDF-Fernsehgartens im vergangenen Mai. (Foto: pm)

Bei der ungewöhnlich gut besuchten Gründungsversammlung des Damen-Jahrgangs 1966/2016 im November 2015 kam Gesamtvorsitzender Otto Suckfüll aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Die Wahl eines Vorstands – normalerweise ein zähes und zeitraubendes Unterfangen, das viel Überredungskraft erfordert – war binnen einer guten Viertelstunde abgehakt.

Nach diesem furiosen Start sorgte der 6er-Pasch, wie sich der neue Jahrgang alsbald taufte, beim Fünfziger-Wäldchesfest im letzten September für Aufsehen, als er als Mitausrichter das traditionelle Programm aus eigener Initiative und mit eigenen Kräften erweiterte: Erstmals wurde auch vegetarisches Essen angeboten, erstmals gab es eine Sektbar, bei der auch selbst gemachte Liköre probiert werden konnten, und erstmals wurde zu unterhaltsamen Spielen (Torwandschießen, Nagelschlagen, Büchsenwerfen) eingeladen.

Aber auch sonst legten die 66erinnen gleich im ersten Jahr ihres Bestehens richtig los: Die beiden Stadtführungen »Auf den Spuren der Amerikaner« etwa erlebten gleich 60 Teilnehmerinnen. Zum Stammtisch – abwechselnd am ersten Mittwoch und am zweiten Dienstag im Monat – kommen im Schnitt 40 der 102 Mitglieder. Hier gilt die Devise: Keine Grüppchenbildung, es wird immer aufgerückt beim Kommen und Gehen. Unter den Gießener Fünfzigern eher ungewöhnlich auch: Bei der Weihnachtsfeier wurde eifrig getanzt.

Normal ist hingegen, dass die Damen unter sich bleiben. Beim Stammtisch sowieso, aber auch bei Ausflügen, Wanderungen und anderen Unternehmungen sind die Ehepartner meistens nicht willkommen. Nicht nur aus Platzgründen, sondern auch, »weil Frauen unter Frauen sich anders geben«. Das hat jedenfalls Vorsitzende Anna Casteletto beobachtet. Dass der 6er-Pasch so gut funktioniert, liegt natürlich auch am harten Kern des elfköpfigen Vorstands. Die Macherinnen verstehen sich privat bestens, verständigen sich meistens flugs per WhatsApp und erledigen die anstehenden Organisationsaufgaben zuverlässig.

Für die Wieseckerin Marion Stürmer war schon lange vor dem Gründungstermin klar, dass sie mitmachen wird: »Mit 50 beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Die Kinder sind erwachsen, man hat mehr Zeit für sich selbst und kann Freundinnen finden, die einen tragen.« Ähnlich ging es Petra Symanczyk, die über ihren Vater mit dem Fünfziger-Wesen vertraut war und wusste: »Ich werde alte Freundinnen wiederfinden, die ich nach der Schulzeit aus den Augen verloren hatte.«

Die Rechtenbacherin Anja Römer hingegen kannte niemanden, als sie zur Gründungsversammlung ging. Sie hatte bereits ein wenig bei den 63erinnen hinein geschnuppert, entschied sich aber dann doch für ihren eigenen Jahrgang. Die Reiseverkehrskauffrau fühlte sich sofort wohl und ist froh, durch die 66erinnen auch Gießen besser kennengelernt zu haben. Aus Sicht von Anna Casteletto wichtig ist der Aspekt, dass die Fünfziger generell eine Gemeinschaft sind, in der sich Alleinstehende geborgen und nicht etwa ausgegrenzt fühlen sollen.

Freundinnen fürs Leben

Einen Teil ihrer Freizeit opfern die Vorstandsfrauen gern für den 6er-Pasch, auch wenn beim Stammtisch manchmal ein wenig über Nebensächlichkeiten gemeckert wird. Typischer für den 6er-Pasch ist aber die Wortmeldung der 2. Schriftführerin Karen Werner: »Dafür, dass viele sich vorher gar nicht kannten, ist ein erstaunlicher Zusammenhalt entstanden.«

Sie jedenfalls sei glücklich, auf diesem Weg ein paar Freundinnen fürs Leben gefunden zu haben.

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