29. Dezember 2018, 09:00 Uhr

Pflege

Gießener Start-up bietet digitale Pflege-Recherche

Welche ambulanten Dienste haben Kapazitäten, wie komme ich an ein Pflegebett? Auf solche Fragen will das Gießener Start-up-Unternehmen »1ACare« Antworten mit digitalen Konzepten geben.
29. Dezember 2018, 09:00 Uhr
Madita Hornig, Martin Przewloka und Ronja Müller sind überzeugt vom »1ACare«-Konzept. (Foto: Schepp)

Die alte Dame soll aus dem Krankenhaus entlassen werden. Nach einer Herz-OP darf sie nach Hause. Dort braucht sie aber Unterstützung: Ein ambulanter Pflegedienst soll einmal täglich kommen, eine Haushaltshilfe muss engagiert, ein Pflegebett und ein Rollator müssen besorgt werden. Der soziale Dienst der Klinik (der für die Überleitung verantwortlich ist) sowie die Tochter der Seniorin telefonieren sich die Finger wund, um diese Voraussetzungen zu schaffen. Das Beispiel zeigt, wie kompliziert die Situation derzeit ist. Bald könnte das anders aussehen, denn das Start-Up-Unternehmen »1ACare« gibt mit seinem Pflegeportal digitale Hilfestellungen.

Der geschäftsführende Gesellschafter Prof. Martin Przewloka hat die gesamte Technologie und Softwarearchitektur entwickelt. Der Wissenschaftler lehrt an den Universitäten Gießen und Marburg sowie an der THM. Mit einem jungen Team aus Wirtschaftswissenschaftlern, Marketingexperten und Informatikern setzte er die Idee um, eine ganz neue Art der Dienstleistung im Bereich des Pflegesektors zu schaffen. Ausgangspunkt für die Firmengründer waren eigene Erfahrungen im familiären Umfeld: Die digitale Recherche war mühsam bis unmöglich. Das wollten sie ändern.

 

Ein Jahr an Ideen getüftelt

Bevor »1ACare« im Herbst an den Start ging, haben die Initiatoren ein Jahr lang an Ideen getüftelt. Sie sehen ihr Portal als Vermittler zwischen den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen einerseits und den Sanitätshäusern, Industriepartnern, Pflegeeinrichtungen, karitativen Verbänden und Pflegediensten andererseits. Es werden Leistungen und Produkte aller Art auf dem digitalen Marktplatz angeboten und vom Endverbraucher per Mausklick gekauft oder gebucht – das Ganze funktioniert wie ein klassischer Onlineshop. Das Besondere ist, dass die Pflegebranche komplett abgebildet wird, und dass sich um die Vernetzung, Aktualisierung, Verwaltung und Abrechnung sämtlicher Leistungen »1ACare« kümmert. Für den Endverbraucher, der ein Hilfsmittel wie einen Rollstuhl (mit oder ohne Rezept) mietet oder kauft, entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Neutralität und Vertrauen sind die wichtigsten Voraussetzungen

Martin Przewloka

Finanziert wird das Portal über die Beiträge der Kooperationspartner. Diese wiederum profitieren, weil ihnen Arbeit abgenommen wird und sie größere Kundenkreise erreichen. Die Voraussetzung dafür, dass das Ganze funktioniert, sind Neutralität und Vertrauen, sagt Przewloka. Das Vertrauen müsse im Laufe der Zeit erworben werden, insbesondere auf einem so konservativen Markt. »Diesen Prozess werden wir behutsam vorantreiben, sagt er. Die Firmengründer haben klare Ziele vor Augen, sie wissen, dass ihr deutschlandweit einzigartiges Projekt Zukunft hat. Sie wissen aber auch, dass sie ihre Klientel nicht überfordern dürfen. »Unser digitales Angebot ist unkompliziert und transparent«, erklärt der Geschäftsführer. Dennoch geht man Schritt für Schritt vor, noch sind längst nicht alle geplanten Leistungen online.

 

Enorme Erleichterung

Derzeit werden Kontakte zu möglichen Kunden geknüpft. Ebenso wie die Endverbraucher müssen auch sie erst noch davon überzeugt werden, dass die Digitalisierung keine weitere Hürde, sondern eine enorme Erleichterung sein kann. Ein Beispiel: Heute kann man auf der Homepage der Beko (Beratungs- und Koordinierungsstelle) Listen mit Pflegeheimen oder ambulanten Diensten herunterladen. Ob die jeweiligen Anbieter fachlich und zeitlich in Frage kommen, bekommt man aber nur heraus, indem man alle anruft. Die von »1ACare« erarbeiteten Programme machen diese Arbeit überflüssig: Man sieht auf einen Blick, welcher der Kooperationspartner Kapazitäten hat.

Auf Existenzgründertagen oder regionalen Konferenzen bekommt »1A Care« viel Lob und Anerkennung. Die Fachwelt und alle, die schon einmal im Dschungel der Pflegebürokratie unterwegs waren, sind optimistisch: »Darauf haben wir lange gewartet«. In den kommenden Jahren folgt der Praxistest. Wenn alles gut geht, weiß man künftig schon nach ein paar Mausklicks, wie es weiter geht nach der OP im Krankenhaus.

Info

»1ACare« gibt Hilfestellung

Über das Pflegeportal »1A Care« werden Sanitätshäuser, Pflegedienstleister und Endkunden digital zusammen gebracht. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Kerkrader Straße 9 im Europaviertel. Es hat derzeit zehn Mitarbeiter. Kontakt und Info: www.1ACare.de. Telefon: 0641/94437343. Email: info@1acare.de.

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