12. Mai 2015, 09:10 Uhr

Gießener Philosoph Odo Marquard gestorben

Gießen (gaz). Die Justus-Liebig-Universität Gießen trauert um den Philosophen Prof. Odo Marquard, der am vergangenen Samstag in Celle im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Der renommierte Wissenschaftler lehrte von 1965 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993 Philosophie an der JLU und galt als einer der bedeutendsten deutsche Philosophen der Gegenwart.
12. Mai 2015, 09:10 Uhr
Odo Marquard. (Foto: red (Archivfoto))

Marquard verstand sich als Berufsskeptiker, er misstraute Absolutheitsgedanken und Alleinvertretungsansprüchen für eine bessere Welt. Im Mittelpunkt seiner philosophischen Position stand der Begriff »Kompensation«: Der Mensch sei primär ein Mängelwesen, aber befähigt, die eigenen Unzulänglichkeiten durch Kultur auszugleichen.

Der Gießener veröffentlichte zahlreiche Schriften, überwiegend Essays. Er zählt zu den meistübersetzten deutschen Philosophen der Gegenwart. So wurde er in den Medien auch als »Literat unter den Philosophen« oder »Meister der kleinen Formen« bezeichnet. Zu seinen Veröffentlichungen zählen »Abschied vom Prinzipiellen«, »Skepsis und Zustimmung«, »Philosophie des Stattdessen«, »Zukunft braucht Herkunft« und »Endlichkeitsphilosophisches. Über das Altern«.

Ehrenamtlich engagiert war der bekennende Christ über viele Jahre in der Paulusgemeinde in der Nordstadt.

Odo Marquard wurde 1928 in Stolp im Pommern geboren. Er kam nach seiner Promotion in Freiburg und Habilitation in Münster im Jahr 1965 als ordentlicher Professor für Philosophie an die JLU. Er war Dekan der damaligen Philosophischen Fakultät und Gründungssprecher des Zentrums für Philosophie sowie Mitglied in zahlreichen Gremien und Institutionen, darunter der renommierten Forschergruppe »Poetik und Hermeneutik«, der Kommission für die geisteswissenschaftlichen Zentren des Wissenschaftsrats und der Gründungsgremien der Universitäten Bielefeld und Erfurt.

1985 bis 1987 war er Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland (heute Deutsche Gesellschaft für Philosophie), 1991/92 Mitglied der Thüringer Hochschulstrukturkommission und Vorsitzender ihrer Kommission für Philosophie. Ein Jahr nach der Emeritierung erhielt er 1994 die Ehrendoktorwürde der Universität Jena. Er war Mitglied der wissenschaftlichen Beiräte, unter anderem der Werner-Reimers-Stiftung Bad Homburg, der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel sowie des Heinz-Nixdorf-Instituts für Informatik und Technologie Paderborn sowie ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt.

Odo Marquard wurde vielfach ausgezeichnet: Er erhielt den Siegmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (1984), den Erwin-Stein-Preis (1992), den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik (1996) sowie den Hessischen Kulturpreis für Wissenschaft (1997), den Hessischen Verdienstorden (1990), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1995) sowie das Große Bundesverdienstkreuz (2008).

»Prof. Odo Marquard hat weit über die Universität hinaus in die Mitte der Gesellschaft gewirkt«, so JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee, »die Justus-Liebig-Universität Gießen wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.«

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