23. Dezember 2013, 20:48 Uhr

Gießener Mediziner hilft Urstammbewohnern in Äthiopien

Gießen (ür). Der pensionierte Gießener Oberarzt Prof. Heiner Laube hat eine dreiwöchige Reise zurück in die Steinzeit hinter sich.
23. Dezember 2013, 20:48 Uhr
Der ehemalige Klinikums-Oberarzt Prof. Heiner Laube untersucht einen Patienten im afrikanischen Äthiopien. (Foto: pv)

Ende November/Anfang Dezember reiste der Ruheständler mit dem humedica-Ärzteteam in einen der letzten Urstämme in Äthiopien im Nordosten Afrikas. Ziel war das Gebiet der Karas am Omo-Fluss in der Nähe zur sudanesischen und kenianischen Grenze.

Auf Einladung eines deutschen Missionsehepaares ist das siebenköpfige Team, darunter die Wetzlarer Krankenschwester Esther Waßmuth, zu der kleinen Volksgruppe gereist, die abgeschieden und noch weitgehend unberührt im Südwesten Äthiopiens lebt. Die Männer sind als Hirten für die Kuh- und Ziegenherden zuständig. Zudem passen sie auf die Kinder auf, während die Frauen zur Feldarbeit unterwegs sind, berichtet Laube. »Die Kühe und Ziegen sind so etwas wie der Mercedes vor der Haustür eines Deutschen«, erzählt der Gießener Mediziner über die Statussymbole der Karas.

Als das Ärzteteam bei dem Volksstamm ankam, waren die drei Dörfer leer. In diesen Monaten ist Sommerzeit in Afrika. Die Menschen arbeiten und leben zugleich auf ihren Feldern. Deshalb hat sich das Ärzteteam zu den Urstammbewohnern mit Autos, zu Fuß oder mit dem Boot aufgemacht. Rund 800 Patienten haben die deutschen Helfer untersucht und behandelt. Es war nach 2012 der zweite Besuch eines humedica-Ärzteteams bei den Kara, die noch uralte Rituale durchführen und moderne Dinge der Zivilisation kaum kennen.

Die Menschen sind nur spärlich bekleidet. Die Frauen unter den rund 2000 Karas tragen keine Oberbekleidung, wie man es aus dem Fernsehen von Naturvölkern kennt. Die Behausungen der Eingeborenen bestehen aus runden Hütten, für die Holzstöcke aneinander gebunden werden. Ein Strohdach schützt vor der Sonne. Auch um das Dorf ist ein Zaun aus Holzstöcken gezogen.

Während die Frauen Mais und andere Pflanzen auf dem Feld bearbeiten, sitzen die Männer meist unter einem schattigen Baum, haben die Kinder um sich und die Herden in der Nähe. Um zu den Feldern am Fluss zu gelangen, fuhren die Helfer mit dem Auto durch Hecken. Als es nicht mehr weiter ging, bewältigten sie den Weg zu den Feldern zu Fuß durch das Gestrüpp. Ging gar nichts mehr, dann sattelten sie auf ein kleines Motorboot um. »Beim Aussteigen mussten wir darauf achten, dass keine Krokodile in der Nähe waren«, schildert der Gießener seine abenteuerlichen Erlebnisse. Denn Alligatoren gibt es in dem Fluss reichlich.

Weil es keine Klinik, auch kein Haus in der Nähe der Felder gibt, nahmen die Ärzte und Pflegekräfte ihre Arbeit direkt bei den Patienten auf. Ein Baumstamm diente den Ärzten als Stuhl. Die Karas kauerten entweder im Gras oder auf einer Matte vor ihnen. Die Eingeborenen litten auffällig vermehrt an Malaria, aber auch an Bronchialinfekten sowie an Rückenschmerzen von der Feldarbeit. Während des Aufenthaltes verstarben zwei Kinder, weil die Erkrankungen bereits zu weit fortgeschritten war. Ein drittes Kind konnte gerettet und mit Hilfe der Schweizer Heli-Mission per Hubschrauber in ein Krankenhaus transportiert werden.

Die Missionare hatten das Ärzteteam gebeten, Schulungen im Bereich Hygiene durchzuführen. Um den Eingeborenen das Thema näher zu bringen, war Erfindungsreichtum gefragt. Die deutschen Helfer konnten ja ihre Empfehlungen nicht an eine Tafel schreiben. Deshalb schlüpften sie kurzerhand in Rollen und spielten in Szenen vor, was passiert, wenn eine frische Bisswunde nicht versorgt wird. Wenig später dann zeigte sie auf, wie durch medizische Hilfe etwa der Tod oder eine schwere Schädigung verhindert werden kann.

Ein Patient kam mit einem Beinleiden. Er hatte einen Nagel im Knie, das nach hinten stand. Die Ärzte versuchten, das Leiden zu lindern. Um dem Kara langfristig zu helfen, ist eine Operation notwendig. Dafür sammelt humedica nun Geld, denn von Ackerbau und Viehzucht kann sich ein Mann dieses Stammes keinen Klinikaufenthalt leisten.

Für Laube war dies nicht der erste Einsatz mit dem humedica-Ärzteteam. Er hat bereits im Libanon über Weihnachten 2012 Flüchtlinge aus Syrien behandelt, zwei Monate lang im Jahr 2011 an der äthiopisch-somalischen Grenze Flüchtlinge und 2012 Opfern der Überschwemmungskatastrophe auf den Philippinen geholfen. Kaum zurück von den Karas in Äthiopien, brach er zu den Taifun-Opfern in Tacloban auf den Philippinen auf.

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