08. August 2018, 18:23 Uhr

Outlet-Center

Gießener Kampagne gegen Outlet-»Kunstwelt«

Die Stadt Gießen bläst zum Angriff. Mit einer Kampagne soll das in Garbenteich geplante Outlet-Center verhindert werden.
08. August 2018, 18:23 Uhr

Von Christoph Hoffmann , 5 Kommentare
Neben Plakaten, wie hier an der Fassade des Rathauses, will die Stadt auch mit Flyern gegen das Outlet-Center vorgehen. (Foto: chh)

Die Wolken spiegeln sich in der Glasfassade des Gießener Rathauses. Außer an dieser einen Stelle. Hier prangt in dicken Lettern ein Slogan. Die knalligen Farben und die Sternchen erinnern an die Werbung einer Elektronik-Kette. Geiz ist geil? Ich bin doch nicht blöd? Nein. »Jetzt zum Outletpreis: Lebensqualität stark reduziert«, ist auf dem überdimensionalen Aufkleber zu lesen. Es ist der buchstäblich plakativste Mosaikstein einer neuen Kampagne der Stadt. Das Ziel: Die Ansiedlung des in Garbenteich geplanten Outlet-Centers soll verhindert werden.

Es geht um unsere Lebensqualität

OB Grabe-Bolz

Wie wichtig der Stadt das Anliegen ist, zeigt auch die Prominenz, die sich zum Auftakt der Aktion am Rathaus versammelt hat: Neben Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Stadtrat Peter Neidel sind Heinz-Jörg Ebert (BID Seltersweg), Tilman Bucher (Gießen Marketing) sowie Kai Hodenius (BID Theaterpark) gekommen. »Wir haben die Kampagne ins Leben gerufen, um Fakten statt Legenden zum geplanten Outlet-Center zu liefern«, sagt Grabe-Bolz. Denn entgegen der Versprechungen der Investoren von einer »bunten Kunstwelt« würde solch eine Verkaufsform die Region nicht stärken, sondern schwächen. Allen voran das Oberzentrum Gießen. »Es geht nicht nur um den Einzelhandel und den Verlust von Arbeitsplätzen. Es geht um unsere Lebensqualität. Die gesamte Infrastruktur würde leiden«, sagt die Oberbürgermeisterin und zählt als Beispiele die Gastronomie, Sport-, Kultur- und Freizeitangebote auf. Mit der Kampagne wolle man den Gießener diese Folgen verdeutlichen.

Wir hoffen natürlich, mit der Kampagne auch viele Pohlheimer zu erreichen

Stadtrat Neidel

Und nicht nur denen. Denn schon in neun Tagen könnten die Pohlheimer Bürger dem Vorhaben beim Bürgerentscheid einen Strich durch die Rechnung machen. »Wir hoffen natürlich, mit der Kampagne auch viele Pohl-heimer zu erreichen«, sagt Neidel daher. Vor allem das Stadtfest habe man dabei im Blick, bei dem auch viele Bürger der Nachbarkommune in der Innenstadt unterwegs seien.

Es ist positiv, dass die Stadt sich so klar positioniert

Kai Hodenius (BID Theaterpark)

Neben dem Slogan am Rathaus sollen noch weitere Plakate aufgehängt werden, auch jede Menge Flyer wurden gedruckt. Auf der eigens eingerichteten Internetseite www.kein-outlet.de werden zusätzliche Informationen geliefert. Das freut auch Ebert vom BID Seltersweg: »Das Thema ist zu komplex, um es auf ein Statement zu reduzieren.« Und es betreffe beileibe nicht nur Gießen: »Oberzentren erfüllen Aufgaben weit über Stadtgrenzen hinaus. Wird ihnen die Luft abgeschnürt, können sie diese nicht mehr wahrnehmen. Die ganze Region würde leiden.« Ein Grund, warum auch Hodenius vom BID Theaterpark die Kampagne unterstützt. »Es ist positiv, dass die Stadt sich so klar positioniert und gemeinsam ein Ziel verfolgt.«

Sollte der Bürgerentscheid im Sinne der Stadt ausfallen, wird die Kampagne enden. Falls nicht, soll sie mit weiteren Aktionen fortgesetzt werden. Auch im Hinblick auf die im Oktober anstehende Landtagswahl. Damit aus den FOC-Plänen auch Realität wird, müssten die Politiker in Wiesbaden schließlich weitreichende Änderungen im Regionalplan vornehmen. Doch so weit soll es nach Meinung von Grabe-Bolz erst gar nicht kommen. »Wir hoffen, dass die Angelegenheit bis dahin vom Tisch ist.« Die Gießener wollen der Schnäppchenjagd also schon vorher ein Schnippchen schlagen.

 

Entscheidung

Bürgerentscheid am 19. August

Am 19. August haben die Pohlheimer die Wahl. Bei dem Bürgerentscheid sind alle 13 889 Wahlberechtigten aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. 25 Prozent von ihnen und damit rund 3500 Pohlheimer müssten mit »Ja« stimmen, um ein Outlet-Center zu verhindern. Das Ergebnis wäre verpflichtend, drei Jahre dürften die Stadtverordneten dann zum selben Thema keinen Beschluss fassen. Somit wären die Outletpläne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Tisch.

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