Unwetterbilanz

Gießen nach dem Unwetter: Entwicklungen, Bilder, Schäden

Der Spuk dauerte 90 Minuten. Die Folgen sind nicht gänzlich bekannt. Starkregen und Hagel haben am Dienstag im Stadtgebiet Bilder der Verwüstung hinterlassen. Aktuelle Entwicklungen und Bilder.
30. Mai 2018, 08:02 Uhr
Am Klingelbach. (Foto: pm)

+++ Update: Hier finden Sie die erste Bilanz nach dem Unwetter

Für viele Gießener waren es 90 Minuten wie aus einem Horrorfilm. Mitfiebern. Entsetzen. Schockstarre. Vermeintlich Entwarnung. Und dann nahm das Unheil noch einmal seinen Lauf. Der deutsche Wetterdienst hatte schon am Vormittag vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen und Hagel in der Region gewarnt. Um 18.30 Uhr traf es Gießen.

 
Fotostrecke: 29. Mai: Unwetter trifft Gießen am Dienstag

Starkregen und Hagelkörner überfluteten Straßen und Keller im gesamten Stadtgebiet. Bei der Feuerwehr gingen Hilferufe aus allen Ecken der Stadt ein. »Wir haben aktuell 22 laufende Einsätze und noch 150 offene«, sagte Feuerwehrchefin Martina Klee um 21 Uhr. Eine gute Stunde später stellten sich einige Einsätze als »Erledigt« heraus, da das Wasser teilweise zurückgegangen war. »Unter einer Wasserhöhe von zehn Zentimetern können wir heute eigentlich nicht tätig werden. Da ist man mit einem Lappen wahrscheinlich schneller«, sagte Klee angesichts des großen Einsatzaufkommens. Mehr als 200 Feuerwehrkräfte u.a. aus Gießen, Buseck, Pohlheim und Langgöns waren im Einsatz. Auch Katastrophenschutz, THW und die Mittelhessichen Wasserbetriebe waren unterwegs. »Wir haben priorisiert und bitten um Geduld«, erklärte Klee. Mehr blieb ihr und ihren Feuerwehrleuten auch gar nicht übrig.

Ein Schwerpunkt der Überschwemmungen war einmal mehr das Ostpreußenviertel. »So schlimm war es noch nie«, klagte ein Anwohner. Im Restaurant Aspendos im Alten Steinbacher Weg stand der Keller unter Wasser. Die Wirtsleute versorgten die Einsatzkräfte dennoch nach Kräften und verteilten auf der Straße Wasser und Apfelschorle. Die Gärten in der Friedenstraße und der Licher Straße standen komplett unter Wasser. Auch in der Friedensstraße hieß es: »Solch eine Überschwemmung gab es bisher nicht«. Böse zugeschlagen haben die Wassermassen auch in der Vitosklinik in der Licher Straße. »Das ist ein Schwerpunkt unserer Einsätze«, bestätigte Klee. Große Teile des Klinikgeländes standen unter Wasser. Vor der Einfahrt hatte sich ein See gebildet. Die Licher Straße musste am Abend daher stadtauswärts gesperrt werden. In der Klinik selbst ist der Strom ausgefallen. Die Situation sei unter Kontrolle, aber der Stromkreislauf noch nicht wieder hergestellt, hieß es von der Feuerwehr.

 
Fotostrecke: Nach dem Unwetter: Aufräumarbeiten in Gießen

Auch im Uniklinikum kam es zu einem Wassereinbruch im Untergeschoss mit Schäden in mehreren Bereichen. Feuerwehr, Ärzte, Pflegekräfte und viele andere Mitarbeiter seien nach Lage der Dinge die gesamte Nacht im Einsatz, hieß es. Die Patienten seien gut versorgt. Eine Evakuierung war nicht nötig.

Großen Schaden hinterließ der starke Regen, der sich mit Höhen und Tiefen über 90 Minuten gezogen hatte, an der Ostschule. Dort drang das Wasser sogar über ein Flachdach in die Räumlichkeiten ein. Der Hausmeister konnte beim Anblick des Szenarios nur den Kopf schütteln. »Das ist eine Katastrophe«, sagte er. Weit über die Ufer getreten war auch der Klingelbach. Während die Atmosphäre bei Vitos gespenstisch war, glich sie dort einer verwunschenen Seenlandschaft. »Das habe ich noch nie gesehen«, staunte ein Passant. Die Rathenaustraße war nicht befahrbar. Vom Heegstrauchweg bis zur Uni-Bibliothek hat der Klingelbach die Wiesen in eine riesengroße Plattform verwandelt. Von dort wird das Wasser noch einmal in die Innenstadt fließen. Denn der Klingelbach mündet in die Wieseck.

Auch in der Innenstadt stand das Wasser auf den Straßen. An der Kreuzung Ludwigstraße/Gartenstraße ging phasenweise nichts mehr. Es waren kaum mehr Straßenzüge zu erkennen. Unter der Eisenbahnbrücke am Haltepunkt Oswaldsgarten stand die Fahrbahn unter Wasser. An der Lahn wurden Anwesen überflutet. Vor dem Fina-Parkhaus in der Südanlage mussten sich die Autofahrer bis zum Elefantenklo durch Wassermassen kämpfen. Auch im Seltersweg, Neuenweg und in der Plockstraße schlugen Regen und Hagel zu. Zeitweise sah es aus wie im Winter. Auch dort und an vielen anderen Stellen sind reihenweise Keller vollgelaufen.

Doch es gab auch eine gute Nachricht: »Ich will zwar keine Entwarnung geben. Bisher wissen wir aber nicht von Verletzten«, erklärte Klee um 21 Uhr. Diese Aussage hatte auch gegen 22.30 Uhr Gültigkeit. »Die Schäden sind allerdings immens«, sagte sie. »So weit – wie ich vermute – kann ich jetzt gar nicht rechnen.« Erst am heutigen Mittwoch wird das ganze Ausmaß dieses Horrorfilms in der Stadt bekannt werden.

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