16. November 2018, 22:11 Uhr

Gießen klingt wie Autobahn

16. November 2018, 22:11 Uhr
SAK
Fabrizio Costantino, Patrick Pahner und Philipe Zenz verbinden Musik mit Bildern.

Wie klingt Gießen? Diese Frage zieht am Donnerstagabend rund 40 Interessierte der neuen, experimentellen Musik an. In dem gut gefüllten Pausenraum des Rathauses erleben sie die Uraufführung des Stückes »Gießen sounds like«.

Das Projekt ist ambitioniert. Wie lassen sich alle Facetten einer Stadt klanglich aufgreifen? Entgegen der Erwartung wird sich dieser Frage nicht in ihrer Gänze gestellt. Vielmehr ist nur eine Perspektive auf die Stadt hörbar, die der Komponisten Fabrizio Costantino, Patrick Pahner und Philipe Zenz. Für die Absolventen der Justus-Liebig-Universität besteht Gießen hauptsächlich aus den Gegensätzen lärmender Stadtverkehr und entspanntes Naturidyll. Ihr inoffizieller Arbeitstitel lautete »Gießen sounds like Autobahn«.

Ein Jahr lang haben die drei, die als Kollektiv AVEV auftreten, Audio- und Bildmaterial rund um Gießen gesammelt. Für die Aufführung zum Auftakt der neuen Reihe »Musik im Pausenraum« bringen sie diese Aufnahmen mit live eingespielter Musik an Gitarre, Keyboard und Computer gekonnt zusammen. Der Eindruck entsteht, bei der Produktion eines Filmsoundtracks dabei zu sein. Die Instrumentierung, beeinflusst durch Blues, Jazz, Kirchen- und elektronische Musik, erzeugt zusätzlich Emotionen.

Stücke über die Natur, wie etwa das »Lied auf die Lahn«, wirken meditativ: Regentropfen, die sanft aufs Wasser prasseln, vermischen sich mit schön fotografierten Bildern und einer bluesigen Gitarre. Songs über die Stadt stellen in der Regel einen audiovisuellen Gegenpol dar: Umschaltende Ampeln, anfahrende Autos, Einkaufswütige auf dem Seltersweg werden mal mit elektronisch treibenden Beats, mal mit überdrehtem Orgelspiel untermalt.

Die Menschen der Stadt kommen in den rund anderthalb Stunden nicht zu Wort – kein Stimmengewirr aus dem Dönerdreieck oder vom Wochenmarkt. Am Ende entsteht ein Bild von einem grauen Gießen, das sich laut der Komponisten auf die Natur zurückbesinnen sollte. (Foto: sak)

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