14. September 2018, 06:00 Uhr

TSG Wieseck

Gießen: Shisha-Lounge im Vereinsheim der TSG-Wieseck

Die Gaststätte im Vereinsheim der TSG Wieseck wird umgebaut. Der Pächter stellt das Restaurant-Konzept auf Shisha-Bar um. Das gefällt offenbar nicht jedem Mitglied.
14. September 2018, 06:00 Uhr

Von Marc Schäfer , 1 Kommentar
Aus dem Restaurant Simpatico im Vereinsheim der TSG Wieseck ist ein Bistro mit Shisha-Bar geworden. (Foto: Schepp)

Abdurrazzak Damar hat es sich nicht ausgesucht. Seit Wochen steht der Pächter des Vereinsheims der TSG Wieseck in seiner Gaststätte und baut sie um. Schon von außen ist zu erkennen, dass aus dem Restaurant »Simpatico« eine Art Shisha-Bar geworden ist. Die Eröffnung steht in den nächsten Tagen an. Damar hat die Speisekarte drastisch zusammengestrichen. Statt mediterraner Küche gibt es jetzt nur noch Burger und Spare Ribs, auf den Bildschirmen läuft Fußball im Bezahlsender Sky.

Die Attraktion ist der Raucherraum, hier dampfen die Wasserpfeifen. »Ich habe in den vergangenen Jahren viel Zeit und viel Geld in das Restaurant investiert. Wir haben uns große Mühe gegeben, aber es sind viel zu wenig Gäste gekommen«, sagt Damar. Aus wirtschaftlicher Sicht sei die Änderung des Konzepts alternativlos gewesen. Er verspricht sich davon, dass das Lokal besonders für junge fußballinteressierte Erwachsene wieder interessant wird.

»Es gab nur zwei Möglichkeiten, dieses Konzept oder die Kündigung des Pachtvertrags«, sagt der Gastronom. Er hatte die zuvor lange leerstehende Vereinskneipe mit Herzblut und eigenem Geld im September 2017 als Speiselokal eröffnet, doch die Gäste blieben aus.

Ich habe schweren Herzens zugestimmt, weil es nicht anders machbar war

E. Knappik, TSG Wieseck

Dass der Vorstand der TSG zugestimmt hat, in unmittelbarer Nähe zum Sportplatz, auf dem sich täglich Dutzende Kinder und Jugendliche aufhalten, eine Shisha-Bar zu errichten, gefällt in Gießens größtem Stadtteil indes nicht jedem. In Wieseck erzählt man sich, dass einige alteingesessene Mitglieder aus diesem Grund bereits aus dem Sportverein ausgetreten seien oder dies tun wollten, andere Bürger zeigten sich entsetzt. Gerade Eltern seien nicht begeistert. Uwe Blecker, Vorsitzender der TSG, kann das nicht bestätigen: »Mir liegen keine Kündigungen vor. Ich kann nicht mal sagen, dass sich bei mir ein Mitglied beschwert hat.«

Außerdem ist sich Blecker keiner Schuld bewusst. Er betont, dass der Verein ohnehin keine andere Wahl gehabt hätte. »Das Konzept Vereinsheim hat sich überholt. Unsere Sportler nutzen unsere Kneipe nicht mehr, sondern fahren häufig genau in solche Lokale, wie wir sie nun in Zukunft im Vereinsheim anbieten«, sagt der Vorsitzende. Für die TSG sei die monatliche Pacht aus dem Sportheim außerdem »überlebenswichtig«. »Wir sind überzeugt, dass das neue Konzept dazu führt, dass das Vereinsheim wieder ins Laufen kommt, und dass wir auch in Zukunft unsere Pacht bekommen.« Die monatlichen Einnahmen seien kein unwichtiges Standbein, betont Blecker.

 

Shisha-Trend ist ungebrochen

Vorstandskollege Elmar Knappik wird in seinem Fazit deutlicher. »Das Restaurant ist nicht gelaufen, obwohl das Essen gut war. Der Wirt war zu diesem Schritt gezwungen, weil die Wiesecker nicht hingegangen sind. Das ist ein klarer Vorwurf«, sagt Knappik. Auch wenn er noch keine Beschwerden vernommen habe, könne er den möglichen Ärger über die Entscheidung dennoch ein wenig nachvollziehen. »Ich war auch dagegen, habe aber schweren Herzens zugestimmt, weil es nicht anders machbar war.«

Der Shisha-Trend ist ungebrochen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz berichtet, dass mehr als 27 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren schon einmal an einer Shisha gezogen haben. Bei jungen Erwachsenen über 18 Jahren dürfte die Zahl bedeutend höher liegen. In Gießen gibt es mehr als 20 Shisha-Bars. Auch hier geht die Entwicklung immer weiter. Shisha-Rauchen ist ab 18 Jahren erlaubt, kontrolliert wird dies allerdings nur selten.

Zusatzinfo

Traurige Geschichte

Seit der langjährige Wirt Oliver Becker die Vereinskneipe der TSG nach 14 Jahren vor gut sieben Jahren verlassen hat, reißen die schlechten Nachrichten über das Wiesecker Sportheim nicht ab. Besonders düster war die Zeit ab 2015: Der damalige Pächter von Gaststätte und Wohnung stellte seine Pachtzahlungen ein. Anfang 2016 kündigte die TSG dem Mann, der blieb allerdings im Haus wohnen und verhinderte so bis zum Ende eines langen Rechtsstreits im Oktober 2016 eine Nachfolgeregelung. Dies kostete den ohnehin verschuldeten Verein viel Geld. Im Dezember 2016 stellte der Vorstand die Mitglieder vor die Frage, ob das Vereinsheim samt Grundstücke veräußert werden soll. Dagegen sprach damals unter anderem, dass in dem Anfang der 1950er Jahre mit viel Eigenleistung errichteten Gebäude viel Herzblut älterer Wiesecker steckt. Im August 2017 rief der Verein die Mitglieder auf, Geld zu spenden, um die TSG aus einer Notlage zu befreien, in die man auch durch den langen Leerstand des Sportheims geraten war. Der aktuelle Pächter, Abdurrazzak Damar, zahlte im August 2017 die erste Pacht. Im September 2017 eröffnete er das Restaurant Simpatico. Nun steht die Eröffnung des Shisha-Bistros Mon Ami an.

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