04. September 2018, 10:57 Uhr

Alte Post

Gießen: Alte-Post-Deal in Gefahr

28 Tage vor Ablauf der Rücktrittsoption im Kaufvertrag über die Alte Post steht das Projekt vor einer unklaren Zukunft. Ein neues Gutachten wirft die bisherigen Pläne über den Haufen.
04. September 2018, 10:57 Uhr

Von Marc Schäfer , 1 Kommentar
Die Statik macht Probleme. (Foto: Schepp)

Die Zukunft der Alten Post ist unklarer denn je. 28 Tage bevor am 30. September die Rücktrittsoption im Kaufvertrag über das Kulturdenkmal zwischen den Besitzern Karim Shobeiri und Silvia Würtele sowie dem Frankfurter Unternehmen aktiengesellschaft allgemeine anlageverwaltung a.a.a. ausläuft, ist von einem Durchbruch bei der Rettung der Gebäude keine Rede mehr.

Ganz im Gegenteil. Bei der genauen Untersuchung der Alten Post und des zu dem Areal gehörenden Telegraphenamts, die die Frankfurter unter anderem bei den Gießener Ingenieuren Sachmann & Lange in Auftrag gegeben hatten, ist offenbar herausgekommen, dass die Statik der beiden Gebäude große Probleme macht.

 
Fotostrecke: 20 Jahre Verfall: Alte Post in Händen der Familie Shobeiri

So soll nach den mehr als 100 Gebäudeöffnungen, die die Experten vorgenommen haben, um die Bausubstanz im Detail zu überprüfen, nun klar sein, dass die zunächst geplante Hotelnutzung zwar nicht ausgeschlossen ist, allerdings aufgrund der für diese Nutzung unzureichenden Tragfähigkeit der Decken in der Alten Post und – vor allem – im Telegraphenamt nur mit einem erheblichem finanziellen Mehraufwand zu realisieren sei.

 

Alte Post: Hotelnutzung kaum zu realisieren

Eine Hotelkette als langfristiger Mieter war jedoch eine der Säulen der Frankfurter, um die Rettung des Kulturdenkmals auch wirtschaftlich darzustellen. Dem Vernehmen nach soll a.a.a. der interessierten Hotelkette bereits abgesagt haben. Auch die ins Feld geführte Idee eines modernen Chemie-Museums als Erweiterung des Liebig-Museums ist mittlerweile vom Tisch.

In einem Schreiben an die Anwälte der beiden Besitzer soll a.a.a. zudem bereits mitgeteilt haben, dass der Kaufvertrag nur zustande komme, falls sich der zuvor festgesetzte Kaufpreis von 4,5 Millionen Euro drastisch reduzieren ließe. Eine Bestätigung dieser neuen Entwicklungen war von a.a.a. am Montag nicht zu erhalten. Auch Karim Shobeiri war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine Schwester Silvia Würtele war zu keiner Aussage bereit und verwies auf eine Verschwiegenheitsklausel im Kaufvertrag.

 

Alte Post: a.a.a. fordert geringeren Kaufpreis

Verloren ist die Alte Post aber noch nicht – zumindest dann nicht, wenn die Besitzer aufgrund des Zustands der Gebäude Verhandlungsspielraum zeigen und den Kaufpreis reduzieren würden. Die ebenfalls bereits angedachte Nutzung als Büroräume kommt weiterhin für beide Gebäude infrage. Da dafür deutlich geringere Ansprüche an die Tragfähigkeit der Decken gestellt werden müssen, wäre diese Nutzung unproblematisch.

Mitte Februar hatte a.a.a. den Kaufvertrag mit den Geschwistern Shobeiri/Würtele über 4,5 Millionen Euro beurkundet. Die Rücktrittsoption galt zunächst bis Mitte Juni, wurde von beiden Parteien dann aber bis Ende September verlängert. Die Käufer in spe mussten den Besitzern für diese Option eine monatliche Gebühr im vierstelligen Bereich zahlen.

Schon nach ersten Untersuchungen hatte a.a.a. ausgeschlossen, dass die in einem städtischen Gutachten veranschlagten 4,9 Millionen Euro ausreichen würden, um das Gebäude wieder in Betrieb nehmen zu können. Von Anfang an waren verschiedene Nutzungskonzepte aus Hotel, Behörde, Museum und Gastronomie im Gespräch. Schon im Februar hatte a.a.a. darauf hingewiesen, dass die Optionsfrist aufgrund der Komplexität des Projekts möglicherweise zu knapp sein könnte.

Info

Und dann?

Falls a.a.a. die Rücktrittsklausel im Kaufvertrag zieht und es keinen anderen Käufer gibt, der bereitsteht, ist die Stadt wieder gefordert. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Besitzergeschwister Shobeiri/Würtele mit den notwendigen Baumaßnahmen beginnen werden, dürfte die Stadt die Arbeiten als Ersatzvornahme veranlassen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Durchbruch
  • Euro
  • Gießen
  • Gutachten
  • Ingenieure
  • Komplexität
  • Kulturdenkmäler
  • Mieter
  • Museen und Galerien
  • Mängel
  • Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
  • Schwestern
  • Gießen
  • Marc Schäfer
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


1
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.