24. November 2017, 06:00 Uhr

Gelbe Tonne

Gelbe Tonnen in Gießen werden mit Chip ausgeliefert

Die gelben Säcke haben ausgedient, sie werden durch Tonnen ersetzt. Kein leichtes Unterfangen für die Arbeiter, schließlich müssen sie 30 000 Exemplare verteilen. Dabei gibt es einige Hürden.
24. November 2017, 06:00 Uhr
Marcus Lange schleppt die Tonnen zu den Häusern. Sein Kollege Olaf Schröer hat sie zuvor auf dem LKW zusammengesetzt. (Foto: Schepp)

Marcus Lange kratzt sich am Kopf. Wo bitteschön ist die Hausnummer 16? Mit vier Mülltonnen in den Händen irrt er durch das Labyrinth der Neubauten am alten Schlachthof. Auf seinem Plan steht als Zielort »Henriette-Hezel-Straße«, doch das Navigationsgerät kennt die Adresse nicht, und Straßenschilder sucht man hier ebenfalls vergeblich. Erst als Lange einen Baggerfahrer fragt, wird er fündig. Er stellt die vier Tonnen vor die Haustüre und kehrt zum Lastwagen zurück. Ab zur nächsten Adresse.


Leerung ab Januar im Zwei-Wochen-Rhythmus
 

Die Gießener werden Lange in den kommenden Tagen häufiger zu sehen bekommen. Er arbeitet für die c-trace GmbH, die vom Entsorgungsunternehmen Remondis mit der Verteilung der gelben Tonnen im Landkreis beauftragt worden ist. Rund 30 000 der Behälter werden in den kommenden Tagen an Haushalte verteilt, die bisher noch keine gelbe Tonne hatten, sondern den Verpackungsmüll in gelben Säcken sammelten. Diese werden komplett aus dem Verkehr gezogen. Geleert werden die Tonnen – es gibt Modelle mit 120 und 240 Litern Fassungsvermögen – ab dem 1. Januar im Zwei-Wochen-Rhythmus, der Abfuhrturnus halbiert sich also. Doch bis es soweit ist, haben die Arbeiter noch einiges zu tun.


Bis 20. Dezember sollen alle Tonnen verteilt sein

Donnerstagmorgen, 6.45 Uhr: Die Mitarbeiter des Dienstleisters haben sich auf einer Betriebsstätte im Industriegebiet von Garbenteich getroffen. Hinter den Lastwagen, mit dem die vier Zweier-Teams gleich ausrücken, schält sich ein Tonnen-Meer aus der Dunkelheit. »Pro Tag und Team werden rund 240 Behälter ausgefahren«, sagt Projektleiter Ralf Thiel. »Bis zum 20. Dezember müssen wir durch sein.« Dann setzt er sich in den Lkw. Auch die anderen Teams besteigen die Laster. Los geht’s.


Rollen müssen noch dran
 

Lange und sein Kollege Olaf Schröer schlängeln sich durch den Gießener Berufsverkehr. Als sie in der Gießener Hammstraße ankommen, ist die Sonne gerade aufgegangen. Vor der Hausnummer 2 stellen sie ihren Laster ab und öffnen die Ladefläche. »Die Tonnen müssen erst noch zusammengesetzt werden, da sie aus Platzgründen gestapelt angeliefert werden«, sagt Schröer. Dann steckt er Räder und Querstange an die Tonne und verklebt den Deckel mit einem Versiegelungs-Band.


9 und 12 Kilo schwer
 

Lange hievt den Behälter anschließend von der Ladefläche und klebt einen Aufkleber mit Anschrift an die Seite. Dann zückt er ein kleines elektronisches Gerät. »Die Tonne ist mit einem Chip ausgestattet«, sagt Lange und hält das Gerät abwechselnd an Chip und Aufkleber. Es piept. »Dadurch wird der Chip mit der Adresse verbunden. Wir sprechen dabei von Verheiratung.« So geht das noch eine ganze Weile weiter: Tonne zusammenstecken, verheiraten, zum Zielort bringen. Acht Stunden lang 250 Tonnen, die je nach Größe zwischen neun und zwölf Kilo wiegen, aus dem Laster heben und an die Zielorte schleppen: Am Abend wird Lange spüren, was er den ganzen Tag gemacht hat.

 

Daten auf Chip gespeichert

 

Doch an Feierabend ist noch nicht zu denken. Auf dem Weg zur zweiten Station wird deutlich, mit welchen Hürden die Arbeiter noch zu kämpfen haben. Wegen der Sperrung in der Schlachthofstraße müssen sie einen Umweg fahren, die zugeparkten Gehwege erschweren die Parkplatzsuche. Und dann die fehlenden Straßenschilder im neuen Schlachthof-Viertel. Reaktionen von Bewohnern haben Lange und Schröer dafür noch nicht erhalten. »In der Stadt geht es anonymer zu. Auf dem Land ist das anders, da haben die Bewohner häufig Fragen.«

Dann sollten Lange und Schröer für die kommenden Wochen etwas mehr Zeit einplanen. Denn dann geht’s in die Dörfer.

Info

Diese Orte folgen

Seit Mittwoch werden die Tonnen in der Stadt Gießen verteilt. In der kommenden Woche sind Kleinlinden, Rödgen, Wieseck, Lützellinden und Allendorf an der Reihe. In dieser Zeit erhalten auch die Haushalte in Heuchelheim, Langgöns und Linden ihre Tonnen. Vom 4. bis zum 9. Dezember werden sie in Fernwald, Hungen, Laubach, Lich, Pohlheim und Reiskirchen ausgegeben. Allendorf/Lumda, Buseck, Grünberg, Lollar, Staufenberg und Rabenau folgen vom 11. bis 15. Dezember. Zuletzt werden Biebertal und Wettenberg zwischen dem 18. und 20. Dezember bedient.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeiter
  • Chips
  • Die Tonne
  • Gelbe Tonne
  • Remondis
  • Gießen
  • Christoph Hoffmann
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.