28. November 2018, 22:11 Uhr

Für alle Freunde der Antike

Bereits zum fünften Mal konnte der Verein Freunde der Antikensammlung Rezitator Rudolf Guckelsberger sowie den Klassischen Philologen Prof. Peter von Möllendorff für eine kommentierte Lesung gewinnen. Die niveauvolle Veranstaltung ruft nach baldiger Fortsetzung.
28. November 2018, 22:11 Uhr
Rudolf Guckelsberger (r.) und Peter von Möllendorff im Rathaus. (Foto: jou)

Bei seiner Begrüßung der zahlreichen Besucher der kommentierten Lesung im Rathaus warb Vorsitzender Wolfgang Bergenthum um neue Mitglieder für die Freunde der Antikensammlung. Rezitator Rudolf Guckelsberger und Kommentator Peter von Möllendorff knüpften geschickt an die letzte Veranstaltung zu Ovids »Metamorphosen« an, geht es doch auch in Apuleius’ Roman »Der goldene Esel« aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus um Verwandlung.

Möllendorff stellte Apuleius als lateinischen Vertreter der sophistischen Bildungskultur vor. In dem Roman begibt sich ein junger Mann namens Lucius auf Geschäftsreise nach Thessalien. Am Ziel angelangt, bahnt sich Unheilvolles an: Lucius wird des dreifachen Mordes bezichtigt und landet vor Gericht. Dort verteidigt er sich wortgewandt. Als er gezwungen wird, die Leichen zu enthüllen, stellt sich heraus, dass ihm jemand einen üblen Streich gespielt hat.

Möllendorffs Ausführungen zufolge sind Autor, Erzähler und Held miteinander eins. Tatsächlich trage der Roman autobiografische Züge, ließe sich indes auch allegorisch oder satirisch deuten. Die präsentierte Passage belege, welch begabte Redner Apuleius und Lucius seien. Im folgenden Kapitel wird Lucius durch Zauberei in einen Esel verwandelt. Die Neugier wird, wie Möllendorff anmerkte, dem Protagonisten zum Verhängnis. Neugier berge in dem Roman indes noch einen anderen, die Handlung vorantreibenden Aspekt. Nicht vorenthalten wollten der Literaturwissenschaftler und Rezitator dem Auditorium das berühmte, breiten Raum einnehmende Märchen von Amor und Psyche. Königstochter Psyche gelangt darin zu einem luxuriösen Palast und bekommt einen Gatten, den sie nicht sehen darf: Liebesgott Amor. Die bewegte Geschichte geht gut aus – Psyche wird am Ende unsterblich und darf für immer mit Amor zusammenbleiben. Göttliche Gnade widerfährt auch Lucius, der zurückverwandelt wird und sich nach der Erlösung dem Priesteramt zuwendet.

Möllendorff beleuchtete anregend die autobiografische, allegorische, ethische sowie satirische Dimension. Wie bei einem »gewebten Teppich« zeigten sich bei dem sprachlich anspruchsvollen Roman immer neue Muster. Zum Genuss machte die Lesung wieder einmal Guckelsbergers nuancierte Vortragsweise; bestechend seine Ader für Details hinsichtlich Tonfall, Sprachrhythmus und Pausensetzung. Bis hin zum Zittern und Beben der Stimme bei dramatischen Höhepunkten mutete sein Rezitationsstil ausgefeilt an.

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