27. November 2013, 20:08 Uhr

Free School wird gut angenommen

Gießen (fd). Zusammengewürfeltes Teeservice. Warmes Licht. Selbstgemachter Kuchen. Der Treffpunkt ist fast schon ein Statement.
27. November 2013, 20:08 Uhr
Alexandra Böckel, Jesse Jacovini und Charlott Bodenschatz (v.l.) laden auch ältere Leute zu ihren Veranstaltungen ein. (Foto: atr)

»Wenn man einen Raum und eine Kaffeemaschine hat, dann hat man ein Café«, sagt Anna Rubach als Betreiberin der »Küché« an der Moltkestraße. Es ist eine Philosophie, die auch Charlott Bodenschatz, Alexandra Böckel und Jesse Jacovini gefallen dürfte. Vor einigen Monaten hoben die drei die Free School Gießen aus dem Boden.

»Wir sind aber nicht die Betreiber. Alle sind die Betreiber«, erklärt Jacovini die Idee. Konkret bedeutet das: Die drei bringen Leute zusammen, die Kurse oder einmalige Veranstaltungen anbieten wollen, und veröffentlichen entsprechende Termine auf der Website der Free School Gießen. »Ohne Internet wäre unsere Art der Vernetzung nicht möglich«, sagt Bodenschatz und erklärt: »Jeder kann alles anbieten. Einzige Bedingungen ist, dass es umsonst und frei zugänglich ist. Würden wir das über Postkarten bekanntmachen, wären wir schon längst pleite. «

Auch ältere Leute gesucht

Tatsächlich ist das Angebot bunt, reicht von einer Fahrradwerkstatt über Sprachkurse bis zu Flamenco für Männer. Zu einer Veranstaltung zum eher sperrigen Thema Permakultur kamen 20 Leute. Am Wochenende organisierten sie mit dem Café Amélie, dem Umweltamt und dem Textilbündnis eine Kleidertauschparty. Und füllten das Haus. »Richtig toll wäre, wenn wir eine Art Repaircafé auf die Beine stellen könnten«, meint Böckel. In anderen Städten reparieren hier ehrenamtliche Tüftler zusammen mit den Besitzern zum Beispiel elektronische Geräte. In Frankfurt oder Wiesbaden feiern entsprechende Angebote bereits Erfolge. Sie sind die Antwort des kleinen Mannes auf die Vermutung, Hersteller konstruierten ihre Produkte absichtlich so, dass deren Lebensdauer begrenzt ist, damit Besitzer ihre Geräte häufiger wegwerfen und neue kaufen. »Um ein Repaircafé umzusetzen, brauchen wir allerdings noch mehr Leute, die das Fachwissen haben«, verrät Böckel und will damit auch ältere Leute ansprechen. »Sogar in Altersheimen schläft Potenzial. Die Leute haben es nicht verdient, ausgeschlossen zu werden.«

Den Anfang machte die Free School Gießen vor einigen Monaten mit einem Näh- und Strickcafé. »Da läuft es bereits so, dass Schülerinnen mitmachen, aber auch ältere Damen. Für die jüngeren ist es häufig auch eine tolle Erfahrung, dass sie das Endergebnis ihrer Arbeit sehen. Das ist heute ja nicht mehr selbstverständlich«, sagt Bodenschatz. Auch sie treffen sich regelmäßig in der »Küché« an der Moltkestraße. »In Kalifornien, wo die Idee herkommt, machen Free Schools auch viel draußen oder in Wohnzimmern«, erzählt Jacovini von seiner Heimat. Die Free School Gießen arbeitet derweil vor allem mit der Kümmerei zusammen oder jener Gruppe, die in der Schanzenstraße 1 seit einiger Zeit kulturelle Veranstaltungen organisiert.

»Die Idee ist vielen Leuten vielleicht noch etwas fremd, weil man Zeit und Muse investiert, aber nichts zählbares zurückbekommt. Aber es findet ein gegenseitiges Befruchten statt. Viele, die an einem Kurs teilnehmen, bieten dann irgendwann auch etwas eigenes an«, meint Böckel. Was entsteht, ist die Free School Gießen. Genauso wie der Treffpunkt: zusammengewürfelt, warm, selbstgemacht.

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