18. Mai 2009, 20:40 Uhr

Flughafengelände soll Ausflugsziel werden

Gießen-Wieseck (fd). In 30 Minuten vom Gießener Norden in die Frankfurter Innenstadt - das zeugt heute von rigorosem Fahrstil. 1927 hingegen wurde den Bürgern diese Reisezeit von der Lufthansa auf einem Flugplan garantiert, der am damaligen Flughafengebäude auf dem Gelände des zwischenzeitlichen US-Depots an der Rödgener Straße aushing
18. Mai 2009, 20:40 Uhr
Das etwa um 1930 entstandene Foto zeigt das Flughafen-Café. Der Heimatverein Wieseck wünscht sich, dass auf dem Gelände wieder Besucher bewirtet werden. (Fotos: fd)

Gießen-Wieseck (fd). In 30 Minuten vom Gießener Norden in die Frankfurter Innenstadt - das zeugt heute von rigorosem Fahrstil. 1927 hingegen wurde den Bürgern diese Reisezeit von der Lufthansa auf einem Flugplan garantiert, der am damaligen Flughafengebäude auf dem Gelände des zwischenzeitlichen US-Depots an der Rödgener Straße aushing. Nach wechselhafter Geschichte steht der Bau seit 1990 leer. Nun hat ihn der Heimatverein Wieseck wieder auf die Agenda gesetzt hat: Ursula Schroeter, Vorsitzende des Vereins, fordert die Restaurierung des einsturzgefährdeten Gebäudes und die Einrichtung eines Ausflugsorts mit Café und Heimatmuseum. Die Stadt soll helfen.

Während das Gebäude im wuchernden Gestrüpp zu versinken droht, zeugen von der Zeitgeschichte nur noch die Stiefel: Sie waren Teil eines Rituals der US Soldaten, die sie über die Oberleitungen warfen, als sie die Kaserne in Richtung Heimat verlassen durften. Dort hängen einige von ihnen noch immer und trotzen Wetter und Zeit, während am Gebäude der abblätternde Putz noch das geringste Problem ist. »Es ist Wasser eingedrungen und entsprechend wird der Bau einstürzen, wenn man dem nicht entgegenwirkt«, warnte Architekt Paul-Martin Lied, der für den Heimatverein einen Vortrag zum Thema im Wiesecker Bürgerhaus hielt. Er forderte, das ehemalige Flughafengebäude zu erhalten, denn Denkmalschutz allein rette nicht vor dem drohenden Zerfall: »Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.«

Den Willen hat Ursula Schroeter vom Verein, nach einem Weg sucht sie noch. Sie träumt von der Einrichtung eines Ausflugsorts samt Café. Ein solches gab es schon Ende der 1920er Jahre, als der Flugverkehr in Gießen noch bessere Zeiten durchlebte. »Die große Terrasse und der einzigartige Ausblick - das war ja damals nötig für ein Flughafengebäude - schreien förmlich nach einer entsprechenden Nutzung«, begrüßte auch Lieb die ehrgeizigen Pläne. Und ehemalige Räume der Flugsicherheit oder Gästezimmer könnten für Ausstellungen rund um die mittelhessischen Pioniere der Luftfahrt genutzt werden. »Es gibt genug Material«, stimmte auch Horst Jeckel zu, der im Rahmen der Informationsveranstaltung von der zwischenzeitlichen militärischen Nutzung des Geländes erzählte und in den vergangenen Jahren viel im Stadtarchiv geforscht und zutage gefördert hat.

Doch gibt es auf Schroeters Weg hin zu einem Ausflugsort samt Heimatmuseum auch Stolpersteine, welche das Vorhaben verhindern könnten - und natürlich muss an dieser Stelle von Geldern gesprochen werden: »Der Kauf von Gebäude und Gelände ist für die Stadt eigentlich nicht zu teuer«, vermutete die Wieseckerin. Der stünde zunächst nämlich an, denn bisher verwaltet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das 200 Hektar große Depotgelände quasi träuhändlerisch. Finanziell aufwändig werde es erst bei den dann anstehenden Herrichtungsarbeiten.

Während der Heimatverein noch nach einer geeigneten Form sucht, um bei der Stadt Zuspruch zu gewinnen - eine Bürgerinitiative als Stiftung wie beim Bismarckturm oder ein eigener Verein werden diskutiert -, verspricht Dietlind Grabe-Bolz, Kandidatin für die angestehende Oberbürgermeister-Wahl: »Es muss jetzt Schwung in die Sache kommen, wenn wir das Kapitel wieder aufschlagen wollen. Ich würde mich dafür einsetzen.«

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