12. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Sicherheit im Verkehr

Flacher Bordstein statt Stolper-Kante in Gießen

Neue Normen sehen getrennte Bereiche für Seh- und Gehbehinderte vor. Daraus hat die Stadt Gießen jetzt Konsequenzen gezogen.
12. Dezember 2017, 05:00 Uhr
Ein flacher Bereich und einer mit Sechs-Zentimeter-Bordstein, der sich mit dem Blindenstock gut ertasten lässt: So wie hier an der Neuen Bäue stattet die Stadt bei Baumaßnahmen mittlerweile fast alle Fußgängerüberwege aus. (Foto: Schepp)

»Wenigstens hier komme ich jetzt problemlos über die Straße. An vielen Stellen bleibe ich an den scharfen Kanten hängen und habe meine liebe Not, auf den Bürgersteig zu gelangen.« Zufrieden schiebt die ältere Dame ihren Rollator über die Neuen Bäue. An den Fußgängerüberwegen vor der Post und vor McDonald’s hat die Stadt bei der jüngsten Sanierung die moderne Norm umgesetzt, die Gehbehinderten das Leben erleichtert – und zugleich die Interessen von Blinden und Sehbehinderten berücksichtigt.

Wer schlecht oder gar nicht sehen kann, ist angewiesen auf Bordsteine, die sich mit dem Stock tasten lassen. Deshalb wurde etwa zehn Jahre lang eine durchgehende Drei-Zentimeter-Kante gebaut. Immer einmal wieder beschwerten sich darüber Bürger, die beispielsweise einen Rollstuhl durch die Stadt schieben.

Geänderte Vorschriften

Mittlerweile finden alle Beräderten an vielen Stellen komplett abgeflachte Bereiche. Quer geriffelte Platten davor sollen Sehbehinderten einen Stopp signalisieren; zugleich führen für sie Leitstreifen zum Abschnitt, in dem die Granitkanten sechs Zentimeter hoch, also gut zu ertasten sind.

Die maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften für die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum hätten sich geändert, erläutert Magistratssprecherin Claudia Boje. Angepasst wurden in den Jahren 2014 und 2015 dann auch die städtischen Ausführungsstandards für Fußgängerquerungsstellen und Bushaltestellen. Ziel war eine »Verbesserung für beide Behindertengruppen«, zumal immer mehr Mobilitätseingeschränkte mit Rollator unterwegs sind.

Wie schon beim Drei-Zentimeter-Kompromiss waren Behindertenvertreter an der Überarbeitung der Vorschriften beteiligt. Seit rund drei Jahren werden die neuen Standards berücksichtigt bei in allen Tiefbauplanungen und Ausführungen, die Fußgängerüberwege, Bushaltestellen und Blindenleitsysteme berühren. In Einzelfällen reicht der Platz nicht. Auch dann werden bei der Suche nach Lösungen der Behindertenbeauftragte der Stadt und der Vorsitzende des örtlichen Blindenbundes einbezogen.

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