06. April 2018, 13:05 Uhr

Gastroszene

Familie Parise gibt Gießener Gastronomie »Adria« ab

Es war eine der ersten Gaststätten, in denen die Gießener Pizza und Co. kennen lernten. Jetzt endet für die »Adria« eine Ära: Die Familie Parise gibt den Betrieb ab. Viel ändern soll sich indes nicht.
06. April 2018, 13:05 Uhr

Von Karen Werner , 2 Kommentare
Der mediterrane Wintergarten ist ein besonderes Schmuckstück des Restaurants »Adria«, das Assunta Parise und ihr Partner Tonio Strafagi nun an eine türkischstämmige Familie übergeben. (Foto: kw)

"Drei Pizzen haben wir am ersten Tag verkauft. Keine Lasagne, keine Canneloni. Aber Schnitzel, Sauerbraten, Schweinshaxe, das ist gut gelaufen.« Francesco Parise erinnert sich mit gemischten Gefühlen an die Eröffnung seines Restaurants »Adria« im Herbst 1973. Damals war noch nicht abzusehen, dass er dort »das große Glück« finden würde.

 

Türkischer Name, italienische Küche

Nach 45 Jahren Erfolgsgeschichte endet in zwei Wochen eine Ära: Assunta Parise, die Tochter des Gründers, gibt die Gaststätte an der Ecke Frankfurter Straße/Alter Wetzlarer Weg auf. Ein Trost für die Stammgäste: Die neuen Inhaber wollen fast nichts verändern. Die Familie des türkischstämmigen Ekrem Korkutata betreibt seit 26 Jahren ein italienisches Restaurant in Frankenberg.

Vom 16. bis 19. April ist das Restaurant wegen Renovierung geschlossen. Außer neuen Farben »bleibt alles beim Alten, das Personal wie die Speisekarte«, erklärt Assunta Parise. Die 51-Jährige wird die neuen Inhaber noch einige Wochen lang begleiten. Dann will sie – ebenso wie ihr Lebensgefährte Tonio Strafagi – in ein neues Leben mit mehr Zeit für die Familie starten. Was sie beruflich tun werden, ist offen.

Was ist denn das? Wir dachten, Pizza ist Kuchen

Pizzeria-Gäste vor 45 Jahren

Francesco Parise kam 1962 aus Kalabrien nach Gießen. Er betrieb zunächst ein Lebensmittelgeschäft in der Bleichstraße und wurde 1971 Gastwirt, zunächst im »Dortmunder Eck« an der Westanlage. Schon da stieß er mit italienischer Küche mitunter auf Unkenntnis und Misstrauen. »Einmal bestellten einige ältere Damen Kaffee und Pizza. Als der Kellner das Essen brachte, fragten sie entsetzt: ›Was ist denn das? Wir dachten, Pizza ist Kuchen.‹ Gegessen haben sie sie dann aber doch«, erinnert sich der Senior.

 

Urlaubsziel stand Pate

Immerhin, immer mehr Deutsche verbrachten den Urlaub in Italien. Als Francesco Parise 1973 die alteingesessene Gaststätte und Metzgerei Senkler übernahm, benannte er sie folgerichtig nach dem Sehnsuchtsziel. In der »Adria« sollten die Gießener in kulinarischen Ferienerinnerungen schwelgen. Daneben standen lange auch noch gutbürgerliche Gerichte auf der Speisekarte.

Etwa ein halbes Jahr dauerte es, bis mehr italienische als deutsche Gerichte bestellt wurden. Unter anderem für Studierende, Klinikumsmitarbeiter und Nachtschwärmer wurde die »Adria« eine beliebte Anlaufstelle in einer gastronomisch belebten Gegend der Stadt.

Francesco Parise kaufte das Gebäude 1977 und betrieb jahrelang mehrere Gaststätten parallel, unter anderem den »Deutschen Michel« in der Troppauer Straße, die Pizzeria Ost, die Disco »Red Brick« in den ehemaligen Senkler-Schlachträumen sowie Pizzerien in Wetzlar und Bad Nauheim. »Das waren eben gute Zeiten« – anders als heute, da »an jeder Ecke ein Motorroller steht, der den Leuten Pizza nach Hause bringt«.

 

Anrührender Kontakt zu Gästen

Mit 19 Jahren stieg Assunta Parise in den elterlichen Betrieb ein, zeitweise führte sie mit ihrer Schwester zudem das »Bistro Cappuccino«. Da ihre beiden Töchter, 26 und 20 Jahre alt, sich beruflich anders orientiert haben, griff sie kurzerhand zu, als die Korkutatas sie auf der Suche nach einer Gaststätte in Gießen ansprachen.

»32 Jahre in der Gastronomie sind genug, auch wenn ich es jederzeit wieder machen würde«, sagt die gebürtige Gießenerin. Besonders schön sei der familiäre Kontakt zu den Stammgästen. »Man teilt wichtige Momente mit ihnen, zum Beispiel bei Familienfeiern, und sieht die Kinder aufwachsen.« Auch mit Gästen, die in den umliegenden Krankenhäusern Angehörige begleiten, entstehe anrührender Kontakt. »Man sieht mal frohe Gesichter, mal Tränen.«

 

Das Leben genießen

Ihre Eltern kommen derzeit noch täglich in der »Adria« auf einen Espresso vorbei. »Das werde ich vermissen«, sagt Francesco Parise. »Aber ich finde es gut, dass meine Tochter künftig mehr Freizeit hat, um das Leben zu genießen.« So wie er selbst es tut. Nach zehn Minuten beendet er das Telefongespräch freundlich, aber bestimmt: »Ich bin auf dem Golfplatz und muss jetzt weiterspielen.«

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