06. Juni 2012, 13:58 Uhr

Facebook-Partys bereiten der Feuerwehr Sorge

Gießen (mö). Massenpartys wie die in einem Privathaus in der Westanlage in der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag bereiten den Gefahrenabwehrbehörden zunehmend Sorge.
06. Juni 2012, 13:58 Uhr

Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass Feuerwehr und Rettungsdienste über Massenveranstaltungen, die »grundsätzlich genehmigungspflichtig« seien, im Vorfeld nicht informiert würden, erklärte das städtische Brandschutzamt am Dienstag auf Anfrage der GAZ. In Wohnhäusern wie jenem in der Westanlage dürften Veranstaltungen in der Größenordnung vom Wochenende gar nicht stattfinden, betonte Frank Mathes, Sprecher der Berufsfeuerwehr.

Auf der Party, für die auch im sozialen Netzwerk Facebook geworben wurde, sollen sich zeitgleich bis zu 1000 Menschen in dem Haus und auf dem Gelände aufgehalten haben. Ein Teilnehmer aus Hungen berichtete am Dienstag, dass es in den Fluren und im Hof zeitweise zu einem Gedränge »wie in Duisburg« gekommen sei, womit der Partygast auf die Love-Parade-Katastrophe anspielte. Der Einsatz eines Rollkommandos, das die Party angeblich auf Bitten der Hausverwalterin auflösen sollte, habe dann eine »Panik« ausgelöst.

Unabhängig davon, was bei den polizeilichen Ermittlungen hinsichtlich des auch gestern von etlichen Zeugen bestätigten Einsatzes des Schlägertrupps herauskommt, machte Brandschützer Mathes deutlich, dass Massenveranstaltungen in Wohnhäusern illegal sind. Denn in solchen Gebäuden fehlten die erforderlichen Flucht- und Rettungswege für eine solche Besucherzahl gänzlich, ebenso gebe es keine brandschutztechnischen Einrichtungen. Möglicherweise sei auch die Tragfähigkeit von Wohngebäuden für solche Besuchermassen nicht ausgelegt. Mathes: »Im Gefahrenfall sind dann eine Eigenrettung der Besucher oder deren Rettung durch die Feuerwehr nicht mehr möglich.«

Im städtischen Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz lägen schon länger Merkblätter und Checklisten zur Erstellung von Sicherheitskonzepten und Gefährdungsanalysen für Großveranstaltungen vor, die von Veranstaltern auch gerne genutzt würden. Dies sei »seit Jahren gelebte Praxis in Gießen«. Leider seien Veranstaltern von Privatpartys die rechtlichen Vorgaben und Richtlinien nicht bekannt, was Feuerwehren und Rettungsdienste im Ernstfall dann vor große Herausforderungen stelle. »Da Facebook-Partys immer mehr im Kommen sind, ist von einer Entspannung der Problematik nicht auszugehen«, befürchtet Mathes. Ein Einschreiten der Behörden, zumal diese Events immer häufiger eskalierten, ist aus seiner Sicht »unumgänglich«.

Reagieren will auch der Gießener Hauseigentümerverein Haus und Grund, der das Thema Facebook-Partys auf seiner nächsten Vorstandssitzung behandeln und den Landesverband einschalten will. Vorsitzende Christine G. Wagener auf Anfrage: »Was da am Wochenende passiert ist, ist doch für jeden Hauseigentümer ein Alptraum.«

Zu der Party in der Westanlage hatten die Mieter eingeladen. Die, behauptet der Vermieter, seien in den letzten Jahren mehrfach wegen der Durchführung solcher Großveranstaltungen abgemahnt worden.

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