01. Juli 2011, 19:55 Uhr

»FLUGHAFEN GIESSEN« wird zur Beute der Natur

Gießen (mö). Im Rahmen eines gemeinsamen Seminar-Projekts des Studiengangs Fachjournalistik Geschichte und der Gießener Allgemeinen Zeitung hat sich die Studentin Alisa Schmitz auf die Suche nach den Spuren der Gießener Luftfahrtgeschichte begeben.
01. Juli 2011, 19:55 Uhr
Das Empfangsgebäude von hinten.

Hätte man Alisa Schmitz vor ein paar Wochen gefragt, wer oder was »Tante Ju« ist, hätte sie vielleicht auf eine Band oder ein Gießener Szenelokal getippt. Mittlerweile weiß die 20-jährige Journalistik-Studentin aus Kassel, dass »Tante Ju« der Kosename für das Arbeitspferd der Lufthansa in den Anfangsjahren der Zivilluftfahrt in Deutschland war. Vor 80 Jahren starteten und landeten die Junkers 52 mit ihrer charakeristischen Wellblechverkleidung auch am Gießener Flughafen am Rand der Wieseckaue.

Die junge Frau kam schon weiter als viele andere, die sich in den vergangenen Jahren für den Gießener Flughafen interessiert hatten, denn der liegt bekanntlich hinter den hohen Zäunen des früheren US-Depots. Schmitz stieß mit ihrer Bitte, sich das Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gebaute Empfangsgebäude einmal anschauen zu dürfen, bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) auf offene Ohren, unterschrieb einen Haftungsausschluss und durfte das geheimnisumwitterte Areal am Donnerstag in Begleitung eines Redakteurs der GAZ und eines Hausmeisters betreten.

Wer das bekannte historische Foto von dem freistehenden, weißen Empfangsgebäude im Kopf hat, den wird der heutige Anblick des Kulturdenkmals erschrecken. Die elegante Bauhaus-Architektur lässt sich nur noch erahnen, überall weist das Gemäuer schwere witterungsbedingte Schäden auf. Längst ist die Natur dabei, sich das Gebäude, um das mittlerweile Bäume gewachsen sind, zu erobern. Aus der Freiterrasse, auf der die Gießener einst Kaffee und Kuchen zu sich nahmen, um dabei den Flugbetrieb zu beobachten, ist ein kleiner Hain geworden. Die Treppe, die zum Rollfeld führte, ist überwuchert. Der Blick von der Anhöhe, auf der das Empfangsgebäude gebaut wurde, geht Richtung Osten, wo die Start- und Landebahn gewesen sein muss. Heute erstrecken sich in diesen Bereich die weitläufigen Anlagen des Güterumschlagszentrums der AAFES.

In das Gebäude gelangt man nicht. Dies sei zu gefährlich, erklärt Hausmeister Bernd Zinnkann, der das US-Depot aus jahrzehntelanger beruflicher Tätigkeit kennt und jetzt für die BIMA auf dem Gelände nach dem Rechten sieht. Das Empfangsgebäude des Flughafens, mit dem Gießen bis 1933 Anschluss an die weite Welt hielt, sei noch bis in die 90er Jahre hinein von der Militärpolizei genutzt worden, erzählt Zinnkann. Irgendwann haben die Amerikaner jedenfalls neue Fenster und Türen eingebaut, ohne dabei Rücksicht auf den Charaker des vom Land Hessen unter Schutz gestellten Gebäudes zu nehmen. Zinnkann weiß (fast) alles, nur einmal muss er passen, als Schmitz fragt, wo die schönen großen Buchstaben geblieben sind, die einst auf der Vorderseite den Schriftzug »FLUGHAFEN GIESSEN« bildeten.

Am einstigen Airport ist Ruhe eingekehrt - die des Verfalls. Der Sommerwind streicht über das hohe Gras auf der Terrasse. Die Besucher drehen einige Runden um das Haus, werfen neugierige Blicke in Fenster und Kellerlöcher, machen einige Fotos. Nach gut einer Stunde schließt sich das Depot-Haupttor an der Rödgener Straße hinter ihnen.

Serie über Gießener Gebäude

Was Alisa Schmitz und ihre Mitstudierenden über den Flughafen, die Gail'schen Werke, die Petruskirche, die Goetheschule und andere Gießener Gebäude herausgefunden haben, wird im Laufe des Sommers in der GAZ zu lesen sein. Die Serie entsteht in Zusammenarbeit mit Dozent Florian Schnürer vom Historischen Institut, Abteilung Fachjournalistik.

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