18. Juni 2013, 19:08 Uhr

Erstmals Helge-Agnes-Pross-Förderpreis vergeben

Gießen (si). Dr. Annette Cremer, Akademische Rätin am Historischen Institut, und Mirjam Horn, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Anglistik, haben am Dienstag den erstmals vergebenen Helge-Agnes-Pross-Förderpreis der Justus-Liebig-Universität erhalten.
18. Juni 2013, 19:08 Uhr
Annette Cremer (2.v.r.) und Mirjam Horn (2.v.l.) – hier mit JLU-Präsident Joybrato Mukherjee und der Frauenbeauftragten Marion Oberschelp – sind gestern mit dem Helge-Agnes-Pross-Förderpreis der Justus-Liebig-Universität ausgezeichnet worden. (Foto: Schepp)

Mit dem fachbereichsübergreifenden Preis zeichnet die Hochschule zwei Dissertationsprojekte aus, die ein Thema aus der Frauen- und Geschlechterforschung aufgreifen und dabei auch die »Gender-Perspektive« einnehmen (danach hat das Geschlecht nicht nur eine biologische Komponente, sondern konstituiert sich auch »sozial«, etwa über Umwelt und Erziehung). Die Preise sind mit je 2500 Euro dotiert. Das Geld kommt aus dem »Professorinnen-Programm«, mit dem Bund und Land Frauen im Wissenschaftsbereich fördern wollen.

Die Universität bekenne sich mit dem Preis zum Erbe der Soziologin Helge Agnes Pross, sagte JLU-Präsidenten Prof. Joybrato Mukherjee bei der Feier im Rektorenzimmer. Pross lehrte von 1965 bis 1976 als Professorin an der Justus-Liebig-Universität (anschließend wechselte sie nach Siegen, sie starb 1984, mit 57 Jahren). Dieses Erbe bestehe zum einen aus der wissenschaftlichen Arbeit von Pross, die als Pionierin der Frauen- und Geschlechterforschung gilt. Zum anderen habe es eine hochschulpolitische Komponente, sagte Mukherjee. So habe die Soziologin Reformen als Daueraufgabe gesehen, und sich innerhalb der Universität für Öffnung, Selbstkorrektur und Pluralität eingesetzt.

»Keine andere Wissenschaftlerin ihrer Zeit hat sich mit dieser Konsequenz und Nachhaltigkeit so stark für die Frauen in Wissenschaft und Gesellschaft eingesetzt«, würdigte die zentrale JLU-Frauenbeauftragte, Marion Oberschelp, das Werk der Forscherin. Daran und dass die Stadt Gießen Helge Pross vor dem Alten Schloss mit einer Bronzebüste ehrt, erinnerte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Annette Cremer (41) bekam den Preis für ihre Dissertation mit dem Titel »Mon Plaisir. Die Puppenstadt der Herzogin von Schwarzburg-Arnstadt (1666-1751) im Spannungsfeld zwischen weiblicher Selbstdarstellung und Kammerstück« (Betreuer waren die Professoren Horst Carl und Hubertus Büschel). Thema ist die schon bei Zeitgenossen berühmte »Puppenstadt« der Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg, die sie in ihrer Residenz Arnstadt in Thüringen in lebenslanger Arbeit zusammentrug und die sie teilweise auch selbst herstellte – sie ist bis heute in großen Teilen erhalten geblieben. Cremer interpretiert die Puppenstadt als »weibliches Kunstkammerstück« und zugleich einzigartiges »Selbstzeugnis« einer Hochadeligen der frühen Neuzeit. Durch intensive Archivstudien gelang es ihr, Biografie und Lebensumstände der Fürstin zu rekonstruieren.

Mirjam Horn (31) bekam den Förderpreis für ihre Dissertation mit dem Titel »Postmodern Plagiarisms: Cultural Agenda and Aesthetic Strategies of Appropriation in US-American Literature (1970-2010)«. Betreut wurde sie von den Professoren Ansgar Nünning und Greta Olson. In ihrer Arbeit untersucht Horn Praktiken der Textaneignung in postmoderner Literatur von 1970 bis 2010. »Im Zentrum steht die Analyse von ästhetischen Strategien des literarischen Plagiats und ihren kulturellen und politischen Implikationen«, schreibt die Hochschule. Die Arbeit sei auch für die feministische Kritik sehr wichtig.

Grundsätzlich sollen mit dem Helge-Agnes-Pross-Förderpreis auch Master- und Staatsexamensarbeiten ausgezeichnet werden. Aus diesem Bereich lag jetzt jedoch nur eine Bewerbung vor, so dass die Hochschule hier auf eine Preisverleihung verzichtete.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anglistik
  • Dietlind Grabe-Bolz
  • Fürstinnen und Fürsten
  • Geschlechterforschung
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
  • Soziologinnen und Soziologen
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.