10. Juni 2011, 15:05 Uhr

Erste Gießener Kopfhörerparty ein rockender Spaß

Gießen. Die Party beginnt mit Skepsis und endet mit Begeisterung: Bei der ersten »Kopfhörerparty« herrscht Stille in der Diskothek »Monkeys«, richtig gerockt wird aber trotzdem.
10. Juni 2011, 15:05 Uhr
Premiere im »Monkeys«: Gießens erste Kopfhörerparty war ein Erfolg. (Foto: sag)

(mac). Ein wenig seltsam dürfte es den neuen Gästen schon vorgekommen sein. Sie standen auf den letzten Stufen der Treppe, die hinunter ins »Monkeys« führt, blickten auf die Tanzfläche und machten große Augen. Die Menge vor ihnen tanzte und sang, doch Musik war nicht zu hören. Erst als ihnen auch Kopfhörer überreicht wurden und sie sich diese auf die Ohren schoben, wurde die Stille durchbrochen. Das Bild war nicht mehr ganz so befremdlich. Plötzlich waren sie mittendrin und konnten verstehen, was am Mittwochabend auf Gießens erster Kopfhörerparty in der Diskothek in der Liebigstraße vor sich ging.

Die Partypeople waren von dem neuen Konzept, das DJ Demian (Chris Wagner) und »Monkeys«-Inhaber Marian Radovcic nach Gießen geholt hatten, begeistert. »Anfangs war ich skeptisch, ob man mit Kopfhörern auf den Ohren in Feierlaune kommt, aber es ist einfach super«, schwärmte die 24-Jährige Lisa Wagner, während ihre Freundin Cora Rothenbächer grinste und sagte: »Man hört zwar alleine Musik, aber man tanzt zusammen, singt zusammen und feiert zusammen.« Schnell hatten sich die beiden Studentinnen an die unbekannten Umstände gewöhnt. Während die beiden Frauen anfangs noch die Kopfhörer immer wieder in den Nacken rutschen ließen, um miteinander zu reden, hatten sie sich bald auf eine Zeichensprache verständigt. Noch etwas zu trinken? Klar! Dafür benötigt man doch keine Worte.

200 Funkkopfhörer hatte sich Radovcic geliehen. Gut 150 Gäste waren zur Premiere erschienen. Diese konnten auf zwei Kanälen zwischen insgesamt vier DJs und deren unterschiedlichen Musikrichtungen wählen, in dem sie direkt am Kopfhörer hin und her zappen konnten. Selbst die Lautstärke war so individuell zu regeln.

Indie, deutscher Hip-Hop, Electroswing und Funk gab es wahlweise per Funk auf die Ohren. Kein Wunder also, dass sich die Tanzenden nicht gerade rhythmussynchron bewegten. Bizarr, aber spaßig wurden die Szenen für den kopfhörerlosen Beobachter als sich zu den unterschiedlichen Tanzvarianten auch noch unterschiedliche mitgesungene Refrains gesellten, die von den Kopfhörerträgern inbrünstig intoniert wurden. Offenbar vergaßen die Feiernden immer wieder, dass die Musik ausschließlich aus dem Kopfhörer kam und es totenstill war im Club. Zwei Jungs wurden sozusagen überführt, als sie sich ihre Bewunderung für eine junge Frau in die Ohren brüllten. Die hatte aber in diesem Moment den Kopfhörer im Nacken.

»Die Stimmung war unglaublich. Es gab viele Gäste, die nur mal kurz reinschauen wollten. Sie sind alle geblieben«, freute sich DJ Demian am Ende einer gelungenen Premiere. »Nach diesem Abend steht außer Frage, dass wir Kopfhörerpartys regelmäßig anbieten werden«, sagte er, wohl wissend, dass dieses Ereignis bei allen Gästen Eindruck gemacht hatte.

Geboren wurde die Idee der »leisen Diskothek« vor 15 Jahren in einem finnischen Spielfilm und dann von einem Engländer aufgegriffen. Weit verbreitet ist die Idee der Kopfhörerparty im indischen Bundesstaat Goa, wo man am Strand nur bis 22 Uhr laute Musik hören darf. Um länger feiern zu dürfen, griffen die Partypeople dort auf die Kopfhörer zurück. In Deutschland steht die Idee noch am Anfang, aber ihr wird eine gute Zukunft vorausgesagt. Selbst Barkeeper Daniel Abshagen war begeistert. »Es ist total angenehm. Ich musste den ganzen Abend nicht einmal schreien, nur die Kopfhörer ab und zu von den Ohren nehmen«, sagte er und blickte auf die Menge, die in der Stille tanzte. Befremdlich war das nur für die, die keine Kopfhörer trugen.

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