08. November 2018, 10:13 Uhr

Elektro-Taxis

Erste Elektro-Taxis fahren durch Gießen

Fast 150 000 Kraftfahrzeuge sind im Landkreis zugelassen, aber nur 154 fahren mit Strom. Jetzt sind in Gießen zwei erste Taxis dazugekommen. Für die Stadt hat das Vorbildcharakter.
08. November 2018, 10:13 Uhr
Zwei VW Golf mit blauem »e« sollen ein Vorbild für andere Transportunternehmen sein. Taxi-Blitz-Chef Uwe Müller im Gespräch mit Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich. (Foto: mö)

Uwe Müller fährt den weißen VW-Golf auf die Foto-Position, dann den schwarzen, aber es ist nahezu still auf dem Hof des Unternehmens Taxi-Blitz an der Margaretenhütte. »Die sind so leise, das ist fast gefährlich, weil die Fußgänger die Autos nicht hören«, sagt Geschäftsführer Müller. Würden auf Gießens Straßen nur Kraftfahrzeuge mit Elektroantrieb verkehren, würde auch im Berufsverkehr fast himmlische Ruhe herrschen. Aber an diese Zukunft glaubt Müller nicht: »Das kann ich mir nicht vorstellen«.

Gut vorstellen konnte er sich aber für seinen Betrieb die Anschaffung der beiden E-Golf, im kommenden Frühjahr sollen sich zwei E-Caddys, ebenfalls von VW hinzugesellen.

 

Bald noch mehr E-Taxis

Wir wollen den technischen Anschluss nicht verpassen«, sagt Müller. 11 500 Euro gab ihm der vom Diesel-Skandal gebeutelte VW-Konzern pro Fahrzeug und nahm zwei Diesel aus der Emissionsgruppe vier in Zahlung. Hinzu kamen – für beide E-Pkw – 13000 Euro aus dem Förderprogramm »Elektromobilität« des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Stadt stellte Taxi-Blitz dafür quasi eine Bescheinigung aus, dass Gießen zu den rund 60 deutschen Städten mit erhöhter Stickoxidbelastung zählt. Nur gezahlt hat die Bundesregierung bis jetzt nicht. Müller: »Ich habe noch keinen Cent gesehen.«

Für die Stadt hat der Schritt Müllers jedenfalls Vorbildcharakter. »Das können wir nur unterstützen und hoffen auf Nachahmer«, erklärt Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich. Denn die Grünen-Stadträtin ist nach den jüngsten Gerichtsurteilen, die zu Diesel-Fahrverboten unter anderem in Frankfurt führen könnten, nicht mehr so sicher, dass dieser Kelch an Gießen vorübergeht.

»Die Einschläge kommen langsam näher«, sagt Weigel-Greilich. Daher sei jede auch noch so kleine Maßnahme zur Schadstoffreduzierung wichtig, zumal wenn sie Signalcharakter haben soll. »Irgendwo muss man ja anfangen«, erklärt der städtische Klimaschutzmanager Jonas Rentrop.

 

Maximal 200 Kilometer Reichweite

Die Zahlen des Kraftfahrbundesamts zu den Zulassungen sind nämlich ernüchternd. Nur 154 E-Kfz sind im Kreis Gießen unterwegs, in den Kreisen, aus denen Arbeitnehmer nach Gießen einpendeln sieht es nicht besser aus. Im Lahn-Dill-Kreis sind es 133 Stromer, im Vogelsberg 52 und im Landkreis Marburg-Biedenkopf 158. Dagegen sind in den fünf mittelhessischen Landkreisen über 200 000 Diesel-Kfz zugelassen, allein im Kreis Gießen wären fast 40 000 Autos von einem Diesel-Fahrverbot für die Gießener Innenstadt betroffen.

Die Nachteile der E-Autos sind bekannt: Die geringe Reichweite, gepaart mit einer unzureichenden Ladeinfrastruktur, machen die Stromer für viele Autofahrer unattraktiv. Die beiden E-Golf mit ihren 136 Pferdestärken müssen nach maximal 200 Kilometern für drei bis vier Stunden an die firmeneigene Ladesäule, erläutert Müller. Deshalb sind die beiden Golf nur im innerstädtischen Kurierdienst und bei Schülerfahrten auf der Kurzstrecke im Einsatz. Eine normale Schicht mit bis zu 1000 Kilometern sei mit den E-Pkw nicht zu schaffen. Mit zwölf Ladesäulen an sieben Standorten ist die öffentliche Gießener E-Infrastruktur zudem nicht üppig ausgestattet. Das Fahrverhalten ist dagegen kein Grund, den Kauf nicht in Erwägung zu ziehen. Im Gegenteil. »Es macht richtig Spaß, so ein Elektroauto zu fahren«, sagt Müller.

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