06. Mai 2012, 20:58 Uhr

Ernährungswissenschaftler fordern TÜV für Schulkantinen

Gießen (srs). Mittagessen: sechs. Ein vernichtendes Zeugnis erhielten Schulkantinen in einer Anfang des Jahres veröffentlichten ernährungswissenschaftlichen Studie der Hochschule Niederrhein. 90 Prozent aller deutschen Schulmensen wiesen danach Qualitätsmängel auf, das Essen sei »ungesund« und »unhygienisch.«
06. Mai 2012, 20:58 Uhr
Auf dem Podium der UGB-Tagung diskutierten unter anderen (v.r.) der Ökotrophologe Dr. Markus Keller, Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und die Leiterin der Vernetzungsstelle »Schulverpflegung Hessen«, Katja Schneider. Prof. Dr. Claus Leitzmann (l.) moderierte. (Foto: srs)

Die Herausforderung einer nahr- und gleichsam schmackhaften Verpflegung von Schülern beschäftigte am Wochenende eine Tagung des Verbands für Unabhängige Gesundheitsberatung in der Uni-Aula. Ernährungswissenschaftler forderten in Vorträgen einen TÜV für Schulkantinen.

»Ein TÜV wäre sehr hilfreich«, betonte während eines Podiumgesprächs Dr. Uta Meier-Gräwe, Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität. Die Gesellschaft müsse sich fragen, »wie wichtig ihr die Ernährung ihrer Kinder ist.« Es gehe »nicht nur um ein warmes Mittagessen in der Schule, sondern um Geschmacksbildung als Teil des schulischen Bildungsauftrags.« Die Zahl der Ganztagsschulen solle in den kommenden Jahren bundesweit auf 40000 steigen. Milliarden an Geldern habe man bereits in den Ausbau von Mensen investiert. »Allerdings nur in die Hardware.«

Meier-Gräwe berichtete, aufgrund finanzieller Engpässe beauftragten Schulleiter oftmals Hausmeister mit der Organisation des Kantinenessens.

Richtlinien für Schulkantinen habe die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereits erarbeitet, hob die Leiterin der von Kultus- und Umweltministerium getragenen Vernetzungsstelle »Schulverpflegung Hessen«, Katja Schneider, hervor. Die Standards, die beispielsweise maximal achtmal im Monat Fleisch im Mittagessen vorsehen, seien indes noch nicht verbindlich. Und auf ein weiteres Problem wies Schneider hin: »Es gibt wenige Kantinenköche, die ein gutes vegetarisches Essen zubereiten können.« Von Bedeutung sei auch, die Kantine einladend zu einem »Raum der Begegnung« zu gestalten.

Auf die Schwierigkeit, Jugendliche für ein gesundes Essen zu gewinnen, wies der Rektor der Aliceschule, Karl-Heinz Bremer, hin. Im kommenden Monat weiht die Schule eine selbst bewirtschaftete Cafeteria ein. Im Vorfeld habe man unter den Schülern eine Umfrage durchgeführt, berichtete Bremer. Ergebniss unter anderem: »Zwei Drittel frühstücken nicht zuhause. Ein Viertel will Süßigkeiten als Pausenverpflegung.«

81 000 Tonnen Lebensmittelabfälle

Einen höheren Anteil an Bio-Lebensmitteln in Schulmensen forderte der Diplom-Ökotrophologe Dr. Markus Keller. »Nur 14 Prozent der Ganztagsschulen bieten täglich oder fast täglich ein vegetarisches Gericht an«, fügte er hinzu. Die Schulen in Deutschland verursachten außerdem 81 000 Tonnen Müll aus Lebensmitteln im Jahr.

Während der Tagung berichteten auch Lehrer, die mit ihren Schülern gemeinsam kochen, von ihren Erfahrungen. »Der Chefkoch muss ein guter Pädagoge sein«, erklärte der am Luisengymnasium in München unterrichtende Peter Ruch.

Renate Kräft aus Rehburg-Loccum betonte: »Ziel muss sein, Kindern und Jugendlichen die Freude am Kochen zu vermitteln.« Beim gemeinsam Kochen habe ihr ein Achtklässler einmal gesagt: »Obst und Gemüse rühre ich nicht an. Das habe ich als Mann nicht nötig.« Wenige Wochen später habe er daheim seiner Mutter beigebracht, wie man Kartoffeln kocht.

280 Menschen tagten am Freitag und am Samstag in der Aula der Justus-Liebig-Universität auf Einladung des Verbands für Unabhängige Gesundheitsberatung. Weitere Themen der Zusammenkunft waren die Gesundheitsförderung in den Unternehmen, nachhaltige Ernährung, aktuelle Erkenntnisse zu Vitamin D in der Präventionsforschung sowie der Nutzen und der Schaden von Biosprit.

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