04. Juli 2018, 21:54 Uhr

Erfinder des goldenen Engels

Sein Name ist kaum noch geläufig in Gießen. Und das, obwohl Fritz Bartsch-Hofer in der Nachkriegszeit hier gut beschäftigt war als Maler und Grafiker. Im Zeitungsarchiv taucht sein Name häufig auf. Alt-Gießener könnten noch seine Wandmalereien in der Schiffenberg-Gaststätte im Gedächtnis haben.
04. Juli 2018, 21:54 Uhr
Die Wandmalereien in der Schiffenberg-Gaststätte sind nur noch in der Fotodokumentation erhalten. (Foto: dkl)

Eine Namensverwirrung sei vorab geklärt: Geboren wurde Fritz Bartsch-Hofer 1915 in Königsberg/ Ostpreußen als Fritz Bartsch. Den Beinamen Hofer nahm er zu Ehren seiner »Salzburger Mutter« an, da er kriegsbedingt eine Weile in Österreich lebte. Als Soldat verschlug es ihn 1939/40 nach Gießen, wo er seine neue Heimat fand. Er blieb in Hausen wohnen, erst 1960 zog er nach Bad Nauheim, wo er 1990 verstarb. Hier gab er sich den Künstlernamen Swen Kuren, als Zeichen der Neuorientierung vom Gebrauchsmaler zum Künstler.

Im Namen spiegelt sich seine Liebe zu Skandinavien (Swen), wohin er mehrere Reisen machte, und die Verbundenheit zur alten Heimat (Kuren), die er auch in seinen Zeichnungen immer wieder in Erinnerung rief. Davon zeugen die insgesamt fünf Aquarelle in der Sammlung des Oberhessischen Museums, die um das Jahr 1950 herum angekauft wurden.

Wandbild in Watzenborn-Steinberg

Fritz Bartsch war der Sohn eines Lehrers und hätte diesen Berufsweg auch einschlagen sollen. Bereits als Schüler brachte er seine Lehrer zur Verzweiflung, weil er ständig mit dem Zeichenstift beschäftigt war. Er hatte Glück, sein Talent wurde unterstützt, sodass er an der Kunstakademie in Königsberg studieren konnte. Er wurde Meisterschüler bei Martens in Gebrauchsgrafik, bei Wilhelm Heise in Grafik und bei Eduard Bischoff in Malerei. Nach Kriegsende fand er sein berufliches Auskommen in der industriellen Werbung und der künstlerischen Wandgestaltung.

Fritz Bartsch-Hofer war bewandert in verschiedenen Techniken: Sgraffito, Secco- und Frescomalerei, Mosaik, Majolika und Glasfenster. Kirchen und Privathäuser, Industriegebäude und öffentliche Einrichtungen (z.B. Kreishaus Gießen) profitierten von seiner Vielseitigkeit. Aber auch Vereine nutzten sein Können in der Monumentalmalerei: für die ersten Faschingsfeiern im ehemaligen Otto-Eger-Heim und Laien-Theateraufführungen schuf er die Kulissen. Als Auftragsarbeit fertigte er auch Urkunden und Werbegrafik, machte Illustrationen für Zeitungen.

1948 wurde er Mitglied des Oberhessischen Künstlerbunds und beteiligte sich an dessen Gruppenausstellungen in Gießen, Bad Nauheim, Marburg und Partnerstädten wie Versailles. Er bewarb sich bei internationalen Wettbewerben und trug nicht wenige Preise davon, etwa in Udine, Neapel und Genua. Beim Internationalen Concours de la Palme d’Or des Beaux Arts in Monte Carlo gewann er sogar drei Mal: 1969, 1970, 1971. Ausstellungen hatte er den Zeitungsberichten zufolge auch in Stuttgart, Paris, Erlangen und Bad Gastein.

Seine Themen waren Landschaften und Pferde, Szenen von Flucht und Vertreibung. Seine Akte sind von schwungvoller Linienführung geprägt, voller Lebendigkeit und Dynamik. Er machte auch Entwürfe für Skulpturen, die von anderen Gewerken realisiert wurden. Dazu zählte 1956 auch der goldene Engel auf dem Dach der Engel-Apotheke am Marktplatz in Gießen. Bei den historischen Themen orientierte er sich an der Malerei der Gotik, was vor allem in der Personendarstellung und -typisierung deutlich wird.

Noch existierendes Beispiel ist das Wandbild hinter dem Altar der Christuskirche in Watzenborn-Steinberg. Die Wandmalereien in der Schiffenberg-Gaststätte sind nur noch in der Fotodokumentation erhalten.

Als Soldat unterwegs

Den Schiffenberg hatte er in seiner Dienstzeit als Soldat kennengelernt. Die Schiffenberg-Gebäude waren von den Druckwellen der Bombenexplosionen im März 1944 am südlichen Schiffenberg-Hang in Mitleidenschaft gezogen. Der Pächter Lyncker begann baldmöglich mit der Renovierung der Gaststätte. Bartsch-Hofer erhielt den Auftrag für Wandbilder zur Illustrierung der Schiffenberg-Geschichte.

Den historischen Fotografien zufolge stand im Zentrum die Gestalt der Gräfin Clementia von Gleiberg mit der Basilika als Geschenk in den Händen. Clementia hatte die Stiftung und Schenkung zum Aufbau des Augustiner-Chorherren-Stifts getätigt. Die Wappensteine der späteren Deutschordens-Komture malte Bartsch-Hofer ziemlich detailgetreu nach, ebenso die Wappen auf den Komtur-Grabsteinen in der Basilika. Sogar der Pächter erhielt ein eigenes Wappen. Spätestens 1949 war alles fertiggestellt. Diese lehrreiche Dekoration fiel den Renovierungen der 1970er Jahre zum Opfer, zum Bedauern vieler Bürger.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aquarelle
  • Basiliken
  • Bombenexplosionen
  • Flucht und Vertreibung
  • Gießen
  • Grafiker
  • Gräfinnen und Grafen
  • Heimat
  • Heise
  • Illustrationen
  • Kunstakademien
  • Wilhelm Heise
  • Dagmar Klein
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.