26. September 2018, 06:00 Uhr

»Rootify.me«

Er will Gießener zu sprachlichen Überfliegern machen

Er spricht zehn Sprachen. Das ist kein Zauberwerk, sagt Ehsan Allahyar Parsa. Den will der 23-jährige Gießener Lernenden ermöglichen – mit seinem Unternehmen »Rootify.me« und einer App.
26. September 2018, 06:00 Uhr
Ehsan Allahyar Parsa will eine neue Sprachlern-App auf den Markt bringen. (Foto: Schepp)

Ein Treffen zu vereinbaren, ist nicht einfach, denn Ehsan Allahyar Parsa ist selten in Deutschland, und noch seltener in Gießen. Er und sein Geschäftspartner Tim Bald sind derzeit auf internationalen Wettbewerben für Existenzgründer unterwegs – und das mit Erfolg, sie scheinen mit ihrer neuartigen Sprachlern-App einen Nerv der Zeit getroffen zu haben, denn auch Unternehmen wie die Volksbank und BMW haben bereits Interesse bekundet und unterstützen die Jungunternehmer. »Entweder, das wird ein Flop, oder wir gehen durch die Decke«, sagt der 23-Jährige.

Damit ein Start up »durch die Decke« geht, braucht es außer einer kreativen Idee eines: Es muss sich abheben von anderen. Was also ist das Besondere an »Rootify.me«? Die systematische Annäherung, sagt Parsa. »Der Lernende wird basierend auf seinen Vorkenntnissen in der Muttersprache sowie anderer erlernter Sprachen an den spezifischen Sprachraum herangeführt«.

 

Schnelle Erfolgserlebnisse verkürzen Lernprozess

Dies werde konstant visualisiert, um den Nutzer zu motivieren. Das Programm zeige ihm, dass bestimmte Parallelen bereits bekannt sind, das bringe schnelle Erfolgserlebnisse und verkürze somit den Sprachlernprozess. »Rootify.me« verspricht effizientes und lebendiges Lernen, indem es gemeinsame Sprachwurzeln aufzeigt. Es gehe nicht um Vokabelpauken, sondern darum, Verbindungen zwischen den Kulturen zu erkennen und zu verstehen.

Parsa ist selbst ein gutes Beispiel dafür, dass das funktioniert. Er spricht Deutsch, Englisch, Persisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch, Afghanisch, Chinesisch und Afrikans. Dabei kann der 23-Jährige fünf Sprachen fließend, die anderen beherrscht er soweit, dass er sich gut verständigen kann. Der sprachliche Überflieger gibt auch sonst in seinem Leben ordentlich Gas. Parsas Eltern stammen aus dem Iran – zu Hause wurde persisch gesprochen – er selbst ist in Gießen aufgewachsen.

Entweder wird es ein Flop, oder wir gehen durch die Decke

Ehsan Allahyar Parsa

Er machte zum Abitur an der Herderschule auch das »International Baccalaureate« und begann anschließend mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der JLU. Den Bachelor hat er längst in der Tasche, der Masterabschluss steht kurz bevor. Parallel zum Studium gibt es aber immer 1000 Dinge, die er scheinbar nebenbei macht. Er war als ehrenamtlicher Mentor sowohl beim Caritasverband als auch beim Akademischen Auslandsamt tätig, zudem war er Tutor in seinem Fachbereich. Bei einem Auslandssemester in Kolumbien – bei dem seine große Liebe zu Lateinamerika, dessen Kulturen und Sprachen entstand – kam er auf die Idee, Lernunterlagen online zu stellen und »Live-Webinare« und Videotutorials anzubieten. Dass man nicht in Gießen sitzt, ist ja schon lange kein Grund mehr, als Lernender oder Lehrender außen vor zu sein. Schon damals entstand der Plan, dies auch auf Sprachen zu übertragen.

Doch bevor er sich mit diesem Gedanken weiter beschäftigte, zog es ihn in einen ganz anderen Teil der Erde. Er studierte im Masterstudiengang ein Jahr in Peking. Vor den Schriftzeichen hat er erst einmal kapituliert, aber die Sprache zu lernen fand Allahyar Parsa gar nicht so schwierig - und vor allen Dingen spannend. Keine Frage, der 23-Jährige liebt Herausforderungen aller Art. Als er vor einigen Jahren vor einem Familienurlaub kein Italienisch sprach, die Verwandtschaft aus Iran aber als Guide auf ihn setzte, konzipierte er für sich selbst einen Crashkurs. »Ich wollte die Sprache innerhalb von vier Wochen können«. Die Antwort auf die Frage, ob das geklappt hat, erübrigt sich…

 

Weitere Programmierer gesucht

Fast ein bisschen unheimlich wird einem der 23-Jährige, als er auch noch von seiner Arbeit bei der Lufthansa berichtet. Um sich das Studium zu finanzieren, absolvierte er eine Ausbildung zum Flugbegleiter, die ihm neben permanentem Jetlag großen Respekt vor diesem anspruchsvollen Job bescherte. Länger als drei Monate hält Allyar Parsa sich nirgends auf, er liebt es, neue Länder, neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Er und sein Geschäftspartner Tim Bald suchen momentan weitere Programmierer, damit die App bald zur Verfügung steht. Derzeit reisen die beiden von einem »Pitch« zum anderen. In der Heimat hat »Rootify.my« es gerade zum Halbfinale des Hessischen Gründerpreises geschafft, Finale ist im Dezember.

Doch egal, ob er mit seiner Firma durchstartet oder nicht - dass bald seine elfte Sprache – vielleicht Russisch oder Polnisch – drankommt, steht fest. Seine zukünftigen Kunden ermuntert er einstweilen, sich an die zweite oder dritte Sprache zu wagen. Wie war das noch? Man muss kein Genie sein.

Zusatzinfo

Rootify.me

Mit der neuen App soll das Sprachenlernen einfacher und effizienter gehen. Sprachen haben viel mehr gemeinsame Wurzeln als man zunächst annimmt, sagen die Firmengründer. Das wird in der App, die in Kürze auf den Markt kommen soll, genutzt. Es gibt eine systematische Annäherung, die auf Bekanntem auffbaut und so schnelle Erfolge verspricht. https://rootify.me/

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