Einigkeit demonstriert

28. Januar 2018, 19:26 Uhr
Das Medizinische Lehrzentrum des Fachbereichs Medizin ist in der früheren Alten Chirurgie zu Hause. (Foto: Schepp)

Die heftigen Konflikte zwischen dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg mit der Rhön-Klinikum AG als Haupteigentümer auf der einen Seite und dem Land Hessen, der Universität Gießen und seinem Fachbereich Medizin auf der anderen Seite sind offenbar weitgehend beigelegt – zumindest im Moment ziehen die Beteiligten demonstrativ an einem Strang. Das ist die Botschaft, die alle Redner beim Neujahrsempfang des Hauses am Freitagabend vor geladenen Gästen vermittelten.

2017 seien die Patientenzahlen gestiegen, die Hochschulmedizin sei stark aufgestellt, und die Finanzlage des UKGM habe sich deutlich verbessert. Auch die weiteren Aussichten seien erfreulich, erklärten jeweils für ihren Bereich Dekan Prof. Wolfgang Weidner, JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee, Rhön-Vorstandsvorsitzender Stefan Holzinger, der UKGM-Geschäftsführungsvorsitzende Dr. Gunther K.Weiß und der Ärztliche Geschäftsführer des Uniklinikums, Prof. Werner Seeger. Auffallend war, dass die Landesregierung wie im Vorjahr keinen Redner entsandt hatte.

Vor genau zwölf Monaten stand der ungelöste Streit um die »Trennungsrechnung« im Mittelpunkt des Empfangs – also die Frage, für welche Leistungen das Land aufkommen muss und für welche das Klinikum selbst. Entschärft wurde der Streit im vergangenen Mai mit einem Kompromiss: Darin verpflichtete sich das Land, dem Uniklinikum bis 2021 jährlich weit über 70 Millionen Euro zu überweisen und damit mindestens 15 Millionen Euro mehr als bisher. Im Gegenzug erklärte sich das Großkrankenhaus bzw. die hinter ihm stehende Rhön AG zu umfangreichen Investitionen bereit. Den Rednern im Hörsaal des Medizinischen Lehrzentrums war am Freitag immer noch die Erleichterung darüber anzumerken, dass die Einigung zustande gekommen ist und auch umgesetzt wird.

Bauliche Erweiterung im Blick

Beim Blick nach vorn geht es nun unter anderem darum, dass das Universitätsklinikum Gießen seine längst geplante und notwendige bauliche Expansion – etwa bei der Erweiterung des Haupthauses in Richtung Gaffkystraße – rasch umsetzen kann. Dazu gab es beim Empfang keine Neuigkeiten. Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, die als Vertreterin der Stadt anwesend war, dürfte die Wünsche im Saal jedoch verstanden haben.

Jenseits der Zahlen und Fakten sagte Seeger, der als Ärztlicher Geschäftsführer im UKGM und profilierter Lungenforscher der Universität wie kein zweiter für die unterschiedlichen Interessen steht, von einer »Seele des Klinikums«, die deutlich spürbar sei. Viele Mitarbeiter – sie kommen aus 70 Nationen – hätten das Haus »zu ihrer Sache gemacht«, das Engagement sei außerordentlich. Man spüre es in allen Abteilungen, auch, wenn große Aufgaben zu lösen seien, wie zu Jahresbeginn bei der Einführung des neuen Krankenhaus-Informationssystems. Insgesamt sei dieses bundesweit bislang beispielslose Projekt trotz aller kleineren Probleme vorbildlich umgesetzt worden.

Den Schlusspunkt setzte die Gießener Professorin Katja Becker, Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, mit ihren Ausführungen zur »medizinischen Forschung aus Sicht der DFG«. Ihr Fazit: Um diese sei es hierzulande gut bestellt. Es gebe genügend Möglichkeiten, sich frei zu entfalten. Das sei nicht selbstverständlich. In vielen Teilen der Welt mache sich »Wissenschaftsfeindlichkeit und Anti-Intellektualismus« breit. Sich dagegen zu stellen, sei notwendig, auch wenn es viel Kraft koste. »Die Preise, die winken, sind Freiheit, Wahrheit und Menschlichkeit.«

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