30. September 2017, 12:51 Uhr

Oberhessisches Museum

Direktorin Sabine Philipp schmeißt hin

Sabine Philipp verlässt vorzeitig das Oberhessische Museum und übernimmt die Leitung des Stadtmuseums in Wiesbaden. Für die Stadt kommt der Schritt überraschend.
30. September 2017, 12:51 Uhr

Von Karola Schepp , 3 Kommentare
Sabine Philipp verlässt das Oberhessische Museum und wechselt nach Wiesbaden.

Die Nachricht ist eine Überraschung – und doch auch wieder nicht: Sabine Philipp wird ihren Vertrag als Leiterin des Oberhessischen Museums vorzeitig beenden und wechselt zum 1. Januar nächsten Jahres nach Wiesbaden. Dort wird die 50-Jährige die Leitung des Stadtmuseums am Markt übernehmen. Ihr Vertrag in Gießen, wo sie im November 2014 Nachfolgerin von Dr. Friedhelm Häring im Alten Schloss wurde, wäre im November 2018 ausgelaufen.

Noch eine Ausstellung im Oktober

Schon länger war deutlich, dass es zwischen Stadtregierung, Kulturamts- und Museumsleitung knirschte. So war Philipp, entgegen ihres ursprünglich offenbar zu umfangreichen Auftrages, nicht in die Neukonzeption des Oberhessischen Museums eingebunden worden, sondern sollte sich um Tagesgeschäft, Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und Inventarisierung kümmern. Die Kunsthistorikerin, die zuvor das Weißenburger Römermuseum geleitet hatte, kuratierte drei Ausstellungen zu kunst- und kulturhistorischen Themen wie die Schau »Der Löwe von Inheiden«, zum Bierbrauen und zur »Feuerwehr«. Eine Bibelausstellung folgt im Oktober. Zudem holte sie die Otto-Ubbelohde- und Ernst-Eimer-Ausstellungen ins Museum. Gemäß ihres Auftrages sollte das Augenmerk auf kulturhistorischen Themen liegen. Die Kunstausstellungen aus der Ära Häring waren damit abgehakt – ein Umstand, der immer wieder kritisiert wurde. Außerdem gab es Kritik an mangelnder Präsenz der zwischen Hofheim und Gießen pendelnden Museumsleiterin im Kulturleben der Stadt.

Wenig Personal, hohe Erwartungen

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hatte im Dezember 2016 mit einer Magistratsvorlage zur Neukonzeption des Museums versucht, dem Prozess Schubkraft zu geben. Mit der Neuaufstellung des Museums unter dem Stichwort Stadt(Labor)Gießen wurde federführend Kulturamtsleiterin Simone Maiwald beauftragt. Maiwald sitzt auch in jener Steuerungsgruppe, in der Kenner der Gegebenheiten vor Ort seit 2015 mit zwei externen Experten das Museumkonzept beraten. Philipp war dort nicht vertreten – böse Zungen behaupten, sie sei von der Kulturamtsleitung »ausgebootet« worden.

Befristung als Problem

Die scheidende Museumsleiterin sieht ihre neue Aufgabe in Wiesbaden als große Chance. Die Arbeit in Gießen sei wegen der hohen Erwartungshaltung, aber auch wegen der dünnen Personal- und Finanzdecke des Museums anstrengend gewesen. Sie habe ein riesiges Erbe übernommen und erst einmal nachhaltige Basisarbeit in Sachen Inventarisierung und Software leisten müssen. Auch das sei für eine Neukonzeption wichtig. »Ich bin eigentlich ganz zufrieden, was ich in drei Jahren in Gießen unter diesen Bedingungen und mit den wenigen Mitarbeitern geschaffen habe«, betont Philipp. Ihr sei es stets wichtig gewesen, auch mit dem Bestand zu arbeiten. Die Befristung von Verträgen für Museumsleiter findet sie generell problematisch.

»Schwierige Situation«

Wie es nun mit dem Museum, das mitten im Prozess einer konzeptionellen Neuaufstellung mit baulichen Veränderungen steckt, weiter geht, ist offen. Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz hat erst Ende dieser Woche vom Weggang Philipps erfahren und will am Montag, nach Maiwalds Rückkehr aus dem Urlaub, mit der Kulturamtsleiterin das weitere Vorgehen besprechen. Ihr sei daran gelegen, dass die Stelle baldmöglichst neu, aber wieder mit zunächst zeitlicher Befristung ausgeschrieben und besetzt wird, berichtete die OB auf Anfrage. Wenn sich die neue Museumsleitung allerdings bewähre, werde sie sich für eine Entfristung stark machen. Ohnehin hätte man sich die anstehende Verlängerung von Philipps Vertrag »reiflich überlegen müssen«, nachdem ihr in der Vergangenheit immer wieder Kritik zu Ohren gekommen sei. So erwarte sie beispielsweise von einer Museumsleitung, dass sie auch im Kulturleben abseits des reinen Museumsbetriebs präsent sei. Dennoch sei die Entscheidung, Philipp nicht in das Stadt(Labor)Gießen einzubinden und sie mit der Mammutaufgabe von Museumsleitung im laufenden Betrieb und Neukonzeptionierung zu beauftragen, »keine Entscheidung gegen Frau Philipp, sondern für das Museum gewesen. Es war wichtig, dass das Museum geöffnet bleibt.« Dass der Weggang nun ausgerechnet in einer schwierigen Phase geschehe, »treibt mich mit Sorge um«, gibt Grabe-Bolz zu. »Es ist eine schwierige Situation, aber wir werden sie meistern.« (Foto: Archiv/Schepp)

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