23. März 2018, 21:38 Uhr

»Diese Studie bedeutet Hoffnung«

23. März 2018, 21:38 Uhr
Prof. Christine Mauz-Körholz leitet die Studie, in die Pascal und sein Vater Rene Lützkendorf viel Hoffnung setzen. (Foto: pm)

Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock. Wenn es junge Menschen trifft, ist es besonders schlimm. Pascal Lützkendorf ereilte dieses Schicksal. Doch dank einer Studie an der Gießener Uniklinik kann er zumindest wieder hoffen.

Ich frage mich nicht, klappt das?, sondern plane für danach.« Und Pläne für danach hat der 17-jährige Pascal Lützkendorf aus Thüringen jede Menge: Endlich wieder mit den Freunden Moped fahren, eine Angelreise nach Norwegen mit dem Papa und im Sommer, zum 18. Geburtstag, eine Segeltour nach Holland. Doch bis dahin gibt es für den jungen Mann noch einiges auszuhalten. Denn er hat Krebs. Geholfen wird ihm am Gießener Uniklinikum.

Es war im Juni 2017, als Pascals Lymphknoten am Hals plötzlich stark anschwollen. Einen Monat und viele Untersuchungen später war die Diagnose eindeutig: Morbus Hodgkin – Lymphdrüsenkrebs. »Die Diagnose war erstmal ein Schock«, sagt Pascal. Sein Vater Rene ergänzt: »Das hat uns als Eltern absolut getroffen, das war der Hammer.« Pascal hatte gerade seinen Realschulabschluss gemacht, nur die mündliche Prüfung stand noch aus, eine Lehrstelle hatte er schon sicher. Doch nach der Diagnose verschoben sich die Prioritäten. Eine Chemotherapie und anschließende Bestrahlung ließen zunächst hoffen, doch noch während der Behandlung wuchs der Tumor erneut.

Mit dem wiederkehrenden Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom-Rezidiv) war Pascal ein Kandidat für die weltweite Studie zu neuen Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem schlagkräftig für den Kampf gegen die Tumorzellen machen sollen. Prof. Christine Mauz-Körholz aus der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am UKGM in Gießen ist die nationale Leiterin der Hodgkin-Studienzentrale für Deutschland: »Die neuen Medikamente lassen berechtigte Hoffnung auf Heilung zu bei den sonst schwer behandelbaren Rückfällen von Lymphdrüsenkrebs. Sie wirken jenseits der Chemotherapie und haben somit auch deutlich weniger Nebenwirkungen. Pascal ist der erste Patient, den wir in unsere deutschlandweite Studie einschließen konnten.«

Bei Erwachsenen haben Studien laut Pressemeldung des UKGM bereits belegt, dass die Behandlung wirksam ist. Deshalb wurde sie für diese Patienten bereits 2016 von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Wie effektiv die Medikamente bei Kindern und Jugendlichen sind, soll die aktuelle Studie zeigen, die parallel in mehreren Ländern läuft.

In insgesamt vier Zyklen bekommt Pascal nun statt einer Chemotherapie die neue Immuntherapie. Sie besteht aus dem neuen Medikament, das die körpereigene Abwehr wieder schlagkräftig macht, und einem bereits erprobten Antikörper, gekoppelt mit einem kleinen Anteil eines Chemotherapeutikums, der sich direkt gegen die Krebszellen richtet. Die Medikamente werden per Infusion verabreicht. Gut einen halben Tag ist Pascal dafür in Gießen, dann kann er wieder nach Hause. Drei Wochen später gibt es die nächste Infusion. In der Zwischenzeit wird unter anderem durch Blutuntersuchungen regelmäßig kontrolliert, wie die Therapie anschlägt. Drei Zyklen hat der 17-Jährige bereits hinter sich und dabei keinerlei Nebenwirkungen festgestellt: »Mir geht es gut. Ich habe schon nach dem ersten Zyklus gemerkt, wie die Lymphknoten kleiner geworden sind. Ich konnte sie kaum noch fühlen.«

Auch Studienleiterin Mauz-Körholz ist mit dem Therapieverlauf sehr zufrieden: »Pascal hat bislang optimal auf die Therapie angesprochen. Dieses tolle Ergebnis deckt sich mit den ersten Erfahrungen aus den Parallelstudien aus anderen Ländern.« Auch der Vater ist froh: »Nachdem wir ja schon vorher einen Rückschlag erlebt haben, bedeutet die Studie für uns ganz klar Hoffnung.«

Abgeschlossen ist Pascals Behandlung nach der Immuntherapie aber noch nicht. Da die neuen Medikamente noch in der Erprobungsphase sind, bekommt der 17-Jährige im Anschluss noch eine konventionelle Hochdosis-Chemotherapie, die mit einer Stammzelltransplantation verbunden ist. Der junge Patient aus Thüringen nimmt auch das gelassen und denkt lieber an die Zeit danach: »Es sind ganz seltene Momente, in denen ich sauer bin. Eines lernt man bei dieser Krankheit und das ist, Geduld zu haben und nach vorne zu schauen. Darin bin ich jetzt echt gut.« (bf)

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