11. September 2018, 22:08 Uhr

Die anderen 68er

11. September 2018, 22:08 Uhr
Die Teilnehmer feiern ihr Jubiläum mit einem Festkommers. (Foto: bac)

1968 – diese Jahreszahl ist fest mit dem Begriff »Studentenrevolte« verbunden: Junge Menschen, die auf die Straße gehen und für ihre meist linken Ideale demonstrierten. Doch es gab auch Studenten, die sich nicht mit »Ho-Chi-Min«-Rufen identifizierten. Sie hatten ihren Wehrdienst für die Bundesrepublik abgeleistet und schwammen nicht mit auf dem linken Mainstream. Sie gründeten am 24. Januar 1969 die studentische Reservistengemeinschaft Gießen (SRG), deren Mitgliederzahl schnell auf mehr als 120 Personen anstieg. Noch heute treffen sie sich einmal jährlich irgendwo in Deutschland. Alle fünf Jahre findet die Zusammenkunft in ihrem ehemaligen Studienort, in Gießen, statt. Am Wochenende feierten sie hier ihr 50-jähriges Bestehen.

Höhepunkt war ein Festkommers am Freitagabend, der von dem Gießener Arzt Gerhard Luckemeyer organisiert wurde. Außerdem besuchten die Teilnehmer die ehemalige Bergkaserne, das ehemalige US-Depot und das Liebigmuseum. Am Samstag gab es außerdem einen Schießwettbewerb.

»Ja, auch wir sind 68er, auch wenn wir auf der anderen Straßenseite standen, die da hieß: Studium an der JLU anno 1968«, sagte Luckemeyer bei der Begrüßung. »Wir waren Staatsbürger in Uniform und von der wehrhaften Demokratie überzeugt.«

Als Konservative politisch aktiv

Über die enge Verbundenheit mit der Justus-Liebig-Universität, der Alma Mater aller, berichtete Dr. Peter Munz. Nicht zufällig sei der Leitspruch »Litteris et armis ad utrumque parati« der gleiche wie der auf der Universitätsfahne von 1622, die im Hauptgebäude der Justus–Liebig-Universität hängt. Viele SRG-Mitglieder waren politisch aktiv, unter anderem in der Gießener Studenten Union (GSU), im RCDS, der Liste »Unabhängiger Studenten (LUST) oder bei den Unabhängigen (USU). Die GSU, ein Sammelbecken konservativer Studenten, schaffte sogar 1968 den Einzug in das Studentenparlament.

»Als wir uns zusammenfanden, standen das kameradschaftliche Miteinander und die Freude am Erhalt unserer soldatischen Fähigkeiten und Tugenden im Mittelpunkt. Wehrpolitische Themen kamen nicht zu kurz und führten zu lebhaften Debatten. Dieser Austausch lebt bis heute durch die unterschiedlichen politischen Auffassungen«, erläuterte Hartmut Krausser, Botschafter a.D.

Staatssekretär a.D. Dr. Falk Oesterheld gab in seinem Vortrag »50 Jahre SRG –Litteris et armis ad utrumque parati« einen kurzen Abriss der Geschichte der SRG in ihrem geschichtlichen Kontext. »Es war 1968 keineswegs selbstverständlich, an einer westdeutschen Hochschule, unter Bezug auf eine in Gießen Jahrhunderte alte Tradition, sich zugleich zu Wissenschaft und Militär zu bekennen«, sagte er. Die Erlebnisse dieser Zeit hätten ihm später sehr geholfen, schwierige und Konfliktsituationen durchzustehen.

Kritisch verglich er den Zustand der Bundeswehr von damals mit heute. Sei die Bundeswehr in der damaligen Zeit die Hauptkraft der NATO gewesen, so sei sie heute als bedeutungslos einzustufen. Mittlerweile sei die Bundeswehr zum Sparschwein der Nation geworden. »Die Bundeswehr, wie wir sie vor 50 Jahren kannten, gibt es schon lange nicht mehr«, stellte er fest.

Aktuell hat die SRG 42 Mitglieder. Wesentlichen Anteil daran, dass die Gruppe nach wie vor zusammenhält, hat deren Vorsitzender, Staatssekretär Dr. Wolfgang Vogel: Seit 44 Jahren ist er das Bindeglied zwischen allen. Als Dank wurde er neben weiteren Mitgliedern geehrt. Peter Munz wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

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