30. September 2018, 09:00 Uhr

Adenauer-Brücke

Die Adenauer-Brücke: Ein echter 68er prägt den Verkehr in Gießen

Bis vor 50 Jahren gab es mit der Sachsenhäuser Brücke nur einen Weg, die Lahn in Richtung Gießener Innenstadt zu überqueren. 1968 wurde dann der erste Spatenstich für die Konrad-Adenauer-Brücke gesetzt.
30. September 2018, 09:00 Uhr

Von Christoph Hoffmann , 2 Kommentare
Seit fast 50 Jahren eine der wichtigsten Verbindungsachsen der Stadt: die Konrad-Adenauer-Brücke. (Foto: Schepp)

Auch vor 50 Jahren wussten die Politiker schon, wie man einen technokratischen Akt medial ein wenig aufpeppen kann. Nämlich mit dem passenden Foto. Und so setzte sich der damalige Oberbürgermeister Bernd Schneider beim Spatenstich für die Konrad-Adenauer-Brücke für die anwesenden Fotografen an das Lenkrad eines Raupenschleppers. Nach dem Foto überließ der Sozialdemokrat das Steuer aber wieder der Profis. Denn die hatten einen straffen Zeitplan vor sich: Die Gießener Allgemeine titelte am 28. August 1968: »Zweite Lahnbrücke soll in 320 Tagen fertig sein.« Es dauerte dann doch ein wenig länger, aber am 23. Oktober 1970 und somit 787 Tage nach dem Baubeginn wurde die neue Brücke für den Verkehr freigegeben.

Für den innerstädtischen Verkehr war die Brücke ein enorm wichtiges Vorhaben – und ein überfälliges. Bereits 40 Jahre zuvor hatte der Bau einer zweiten Lahnbrücke im Wirtschaftsplan der Stadt gestanden. Damals war aber noch die Sudetenlandstraße als Standort favorisiert worden. 1948, als das Thema wieder hochkochte, rückte die Gabelsbergstraße in den Fokus, wo dann 20 Jahre später auch der Spaten in die Erde gerammt wurde.

Eine gute Wahl: Durch den ebenfalls zu jener Zeit gebauten Stadtzubringer aus Richtung Heuchelheim kommend und der somit direkte Anbindung an die Autobahn, dank der Schließung der letzten Lücke zwischen Ehringshausen und Wetzlar-Ost auch an die Sauerlandlinie, konnten die Gießener mit ihren VW Käfer, Ford Capri oder Opel Rekords von der Westanlage aus ohne Umwege auf die Fernstraßen der Bundesrepublik düsen. Die Kosten für die Brücke in Spannbetonbauweise beliefern sich auf 1,5 Millionen DM. Die Komplettmaßnahme inklusive des Stadtzubringers verschlang stolze 9 Millionen DM.

Es kann jedoch auch mehrere Jahre dauern

Stadtrat Peter Neidel

Gut angelegtes Geld. Darüber war man sich schon damals einig. Für einige gingen die Pläne aber nicht weit genug. Kritik wurde laut, dass die Brücke lediglich zwei- und nicht vierspurig ausgebaut wurde. Denn schon 1968 hatte sich das innerstädtische Verkehrsaufkommen innerhalb von nur acht Jahren verdreifacht. Oberbürgermeister Schneider entgegnete den Kritikern, der Bau einer dritten Lahnbrücke in der Sudetenlandstraße habe Vorrang. Erst danach solle die Konrad-Adenauer-Brücke, die ihren offiziellen Namen übrigens erst 1971 erhielt, vierspurig ausgebaut werden. 50 Jahre später ist von einer Brücke an der Sudetenlandstraße immer noch nichts zu sehen – lässt man den Rübsamen-Steg mal außer Acht. Und noch immer quälen sich die Autofahrer auf der Adenauer-Brücke auf zwei Spuren durch den Rush-Hour-Verkehr.

Die Ausweitung von zwei auf vier Spuren war in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Thema in den amtierenden Stadtregierungen. Bereits 1977 beschlossen die Stadtverordneten die Projektgenehmigung für den vierspurigen Ausbau. Passiert ist jedoch nichts. In der Folgezeit beschäftigte das Vorhaben stets aufs Neue die städtischen Gremien. Pläne wurden ausgearbeitet, Gutachten eingeholt. Steine bewegten sich jedoch nicht.

Auch die aktuelle Koalition aus SPD, CDU und Grüne hat die Brücke in den Fokus genommen. Nicht nur wegen des zunehmenden Verkehrs, sondern auch der damit verbundenen Schäden. Im Koalitionsvertrag aus dem Jahre 2016 heißt es wörtlich: »Die Konrad-Adenauer-Brücke soll schnellstmöglich wie geplant vierspurig mit beidseitigen Radwegen neu gebaut werden.« Im vergangenen Jahr sollte es eigentlich losgehen, dann wurde dieses Jahr angepeilt, doch auch daraus wurde nichts.

Die Brücke soll schnellstmöglich wie geplant vierspurig mit beidseitigen Radwegen neu gebaut werden

Koalitionsvertrag

Laut Stadtrat Peter Neidel könnte der Brückenbau 2020 beginnen – bestenfalls. »Die Fertigstellung aller Unterlagen und deren Vorabstimmung mit den wesentlichen Trägern öffentlicher Belange wird zum Jahresende angestrebt, so dass zu Anfang 2019 (Frühjahr) bei der zuständigen Anhörungsbehörde des RP Gießen die Eröffnung eines Planfeststellungsverfahrens beantragt werden soll.« Erfahrungsgemäß nehme das Planfeststellungsverfahren mindestens ein Jahr in Anspruch, sagt Neidel, er fügt aber auch hinzu: »Es kann jedoch auch mehrere Jahre dauern.«

Dabei macht der künftige Bürgermeister keinen Hehl daraus, dass der vierspurige Ausbau notwendig ist. Vor allem für eine bessere Bewältigung von morgendlichen und nachmittäglichen Verkehrsspitzen im Bereich der Heuchelheimer Straße bis hin zur Westanlage sowie des Knotenpunktes Gabelsberger Straße/Lahnstraße. »Durch den beidseitigen Ausbau von Radverkehrsanlagen soll die Situation für Radfahrer deutlich verbessert werden«, fügt Neidel hinzu.

Ebenso würden Entlastungen in der Rodheimer Straße insbesondere durch den Schwerverkehr und deren baulicher Umbau erst erfolgen können, wenn die Konrad-Adenauer-Brücke vierspurig ausgebaut worden ist und der Schwerverkehr wieder über die Heuchelheimer Straße geführt werden kann.

In der aktuellen Wahlperiode, die 2021 endet, wird es also nichts mehr mit dem Neubau. Somit wird sich eine künftige Stadtregierung dem Thema annehmen müssen. Und irgendwann, wenn es mal zur offiziellen Einweihung kommen sollte, wird wieder ein schönes Foto geschossen. 1970, bei der offiziellen Einweihung der Brücke, hatten sich die Verantwortlichen übrigens erneut etwas ausgedacht. Nicht etwa der geladene Wirtschaftsminister Rudi Arndt durchschnitt das rot-weiße Band, sondern seine kleine Tochter Anja – ganz zur Freude der anwesenden Fotografen.

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