15. Januar 2015, 18:14 Uhr

Der Maler am Flügel: Jamsession mit Markus Lüpertz

Zur Eröffnung einer Ausstellung im Liebigcenter greift der prominente Maler in die Tasten und gibt ein Freejazz-Konzert mit der TTT-Band.
15. Januar 2015, 18:14 Uhr

Von Woody Allen weiß man, dass er in seiner Freizeit gern einmal die Klarinette in die Hände nimmt, um mit seinen Freunden in dem ein oder anderen Club Musik zu machen. Auch Markus Lüpertz, prominenter Maler und Bildhauer erster Garde, pflegt gelegentlich in die Tasten zu greifen, um mit den Jungs von Frank Wollnys TTT-Band eine Runde zu jammen. Meist sind diese Auftritte mit der Eröffnung einer Ausstellung des Meisters verbunden, in deren ungewöhnlichen Genuss nun auch erstmals Gießener Kunstinteressierte am Mittwochabend kamen.

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Der Bekanntschaft des Radiologen Dr. Henrik Stroh mit dem Galeristen Gundolf Roy aus Zülpich bei Köln ist dieses einmalige Erlebnis zu verdanken. Als Roy, der seit den 80er Jahren für Lüpertz Siebdrucke herstellt, dem Arzt von den Jamsessions des Ausnahmekünstlers erzählt, ermuntert der Arzt ihn »spaßeshalber«: »Dann lass uns das doch mal bei uns machen!«

Stroh, der seine radiologische Praxis zusammen mit Dr. Oliver Wüsten im Liebigcenter in der Bahnhofsstraße führt, okkupiert für diese Performance der Extraklasse kurzerhand den leerstehenden Raum im Erdgeschoss. Nackte Betonwände, die Galerist Roy geschickt mit Plakaten von früheren Auftritten dekoriert, denn Lüpertz entwirft zu jedem Konzert – und das sind zehn bis zwölf pro Jahr – eine eigene Grafik. »Über die Plakate wird die Musik finanziert«, erklärt Roy.

Auch für Gießen hat der 73-Jährige ein eigenes Poster mit Selbstporträt zum Preis von 180 Euro kreiert, das der gepflegte Mann im Flanellanzug in der Pause geduldig nicht nur signiert, sondern auch mit persönlichen Widmungen und schnellen Zeichnungen versieht.

Überhaupt gibt sich der Gentleman unter den bildenden Künstlern, der sonst mit deutlichen Statements über seine Kollegen nicht spart, erstaunlich offen und umgänglich. Keine Spur von Unnahbarkeit. »Es ist ein großes Vergnügen für mich, hier zu sein«, bekennt er im Pausengespräch. Und: »Wir tingeln mit der Band – warum also nicht nach Gießen kommen, das ist doch mit 30 000 jungen Leuten eine dynamische Stadt.«

Dynamisch klingt auch die Musik, die Lüpertz – ganz ohne auffällige Ringe an den Fingern – zusammen mit Frank Wollny (Bass), Samuel Dühsler (Schlagzeug), Ryan Carniaux (Trompete) und Gerd Dudek (Saxofon) improvisiert. Und gewiss ist Freejazz nicht jedermanns Sache. Oder, wie Wollny es ausdrückt: »Wir proben nicht mehr, spielen uns die Bälle wie beim Fußball zu. « Dennoch breitet sich ein Hauch von Großstadtatmosphäre in der Halle aus, in der sich die 200 geladenen Gäste – darunter etliche Ärzte – angeregt unterhalten.

Die Kunst von Markus Lüpertz, der so auffällige Werke wie die 18 Meter hohe Monumentalplastik des Herkules schuf, die 2010 auf das Dach des Nordsternturms in Gelsenkirchen gesetzt wurde, gibt es in den nächsten fünf Wochen weiterhin in den Räumlichkeiten der radiologischen sowie neurologischen Praxis im ersten Stock des Liebigcenters zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Farbenfrohe Gouachen sind hier zu entdecken, aber auch übermalte Linoldrucke wie die Studie von einer Schildkröte, der gegenüber ein freundlicher Tiger hängt, oder – gleich im Eingangsbereich – ein klassisches Stillleben mit Teller, Krug und Vase im Querformat, ebenfalls ein bunt übermalter Linoldruck.

Die handlichen Bronzeskulpturen von Mozart, Beethoven und Co. haben aus versicherungstechnischen Gründen bereits wieder die Heimreise angetreten. Wenn sie nicht, wie die Bremer Stadtmusikanten für 19 000 Euro, bereits an diesem Abend den Besitzer gewechselt haben.

Marion Schwarzmann

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