29. Mai 2017, 14:42 Uhr

Hells Angels

Der Fall Aygün Mucuk – Chronologie der Ereignisse

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist der Mord am Gießener Hells-Angels-Boss Aygün Mucuk nun her. Was ist seitdem geschehen? Was war die Vorgeschichte? Eine Chronologie der Ereignisse.
29. Mai 2017, 14:42 Uhr
(Foto: Archiv)
Es ist der frühe Morgen des 7. Oktober 2016, als Aygün Mucuk in Wißmar erschossen wird. 16 Schüsse treffen den Boss der Gießener Hells Angels. Dem Mordanschlag gingen mehrere blutige Auseinandersetzungen voraus: Ein Blick auf den Fall, seine Vorgeschichte und die Frage, was seither geschah, in zehn Bildern.
 
Fotostrecke: Der Fall Aygün Mucuk – Chronologie der Ereignisse

2. Juli 2014: Vor dem Katana Club im Frankfurter Bahnhofsviertel kommt es zu einer Schießerei unter Mitgliedern der Hells Angels mit fünf Verletzten. Hintergrund soll ein Streit unter den alteingesessenen Rockern aus Frankfurt um deren Boss Walter B. und den türkisch geprägten Angels aus Gießen sein, die von Aygün Mucuk angeführt werden. Die Gießener Rocker greifen die Frankfurter Kollegen an, als diese den Club verlassen. Einer der Frankfurter schießt dabei auf die Gießener und verletzt vier von ihnen – darunter Mucuk – schwer. Die Staatsanwaltschaft wertet diese Schüsse später als Notwehr.

28. November 2014: Begleitet von einem Großeinsatz der Polizei und strengen Personenkontrollen feiert Aygün Mucuk in einer Discothek im Gießener Bantzerweg die Gründung eines eigenständigen Ablegers (Charters) der Hells Angels an der Lahn. Chef dieser neuen Ortsgruppe, die ihr Hauptquartier in Wißmar bezieht, ist Mucuk selbst. Die Frankfurter Rocker waren ausdrücklich gegen diese Neugründung.

4. März 2016: Aygün Mucuk nimmt einem Krisengespräch in einem Hotel am Frankfurter Flughafen teil, bei dem die wiederholten Streitereien beigelegt werden sollen. Allerdings eskaliert dieses Treffen: Ein 41-Jähriger bricht dem Vizepräsidenten des verboteten Frankfurter Charters Westend mit einem Kopfstoß das Nasenbein. Der 41-Jährige ist Mitglied der Hells Angels Nomads Turkey, die eine zentrale Rolle bei der Gründung des Gießener Ablegers der Hells Angels gespielt haben.

5. Mai 2016: Schießerei nahe der Hauptwache in Frankfurt. Sie gilt als eine Reaktion auf das misslungene Friedenstreffen am Flughafen. Zwei Rocker – 56 und 38 Jahre alt – eröffnen das Feuer auf einen vorbeifahrenden Geländewagen. In dem Pkw werden das 41-jährige Mitglied der Hells Angels Nomads Turkey sowie ein 20-jähriger Mitfahrer schwer verletzt. Der 56-jährige Schütze kann gefasst werden, sein jüngerer Komplize ist immer noch flüchtig.

7. Oktober 2016: Aygün Mucuk wird auf dem Gelände des Clubheims in Wißmar erschossen. Von dem oder den Tätern fehlt jede Spur.

8. Oktober 2016: Teile des Obduktionsergebnisses werden veröffentlicht. Danach starb Mucuk durch mehrere Schüsse in den Brustkorb.

11. Oktober 2016: Weitere Erkenntnisse der Obduktion werden mitgeteilt: Mucuk wurde mit insgesamt 17 Schüssen niedergestreckt, aus einer Entfernung von drei bis fünf Metern.

12. Oktober 2016: Mucuk wird auf dem Neuen Friedhof in Gießen beigesetzt. Mehrere Hundert Polizisten aus ganz Hessen überwachen die Trauerfeier mit rund 1200 Gästen. Es gibt keine Zwischenfälle.

21. Oktober 2016: Bei einer groß angelegten Polizeikontrolle im Gießener »Döner-Dreieck«, das auch regelmäßig von Mitgliedern der Hells Angels frequentiert wird, werden mehrere Personen und Fahrzeuge überprüft. Festnahmen gibt es nicht.

1. März 2017: Der Mucuk-Mord ist Thema bei »Aktenzeichen XY«, und die Ermittler liefern neue Erkenntnisse: Sie gehen davon aus, dass die 17 Schüsse von zwei Tätern aus zwei Waffen abgefeuert wurden. Ausgehend von unterschiedlichen am Tatort gefundenen Patronen und Hülsen soll es sich dabei um eine ungebaute Handfeuerwaffe (Kaliber 7,65 Millimeter) sowie eine Maschinenpistole des Herstellers »Vugrek« handeln. In der Sendung werden sowohl ein Modell der Maschinenpistole als auch eine dazugehörige Transporttasche (in der Szene als »Schweinchen« bezeichnet) präsentiert. Laut Polizei wurde Mucuk zwischen 4 und 5 Uhr morgens erschossen. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, setzen die Behörden eine Belohnung von 10 000 Euro aus.

2. März 2017: Nach dem Auftritt bei »Aktenzeichen XY« gehen 17 Anrufe von Zeugen bei der Polizei ein. Zur Qualität der Aussagen wollen sich die Ermittler nicht äußern. Einen konkreten Verdacht oder gar eine Festnahme gibt es jedoch weiterhin nicht.

30. März 2017: Die Familie von Aygün Mucuk setzt eine Belohnung von 25 000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen.

13. Mai 2017: Ein erneuter Fahndungsaufruf beim HR-Kriminalreport bringt keine neuen Erkenntnisse im Mordfall Mucuk.

19. Mai 2017: Vor dem Frankfurter Landgericht beginnt der Prozess gegen den 56-jährigen Rocker, der am Himmelfahrtstag 2016 nahe der Hauptwache auf einen vorbeifahrenden Geländewagen geschossen hatte. Er ist unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt.

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