19. April 2018, 21:58 Uhr

»Das siebte Kreuz« überzeugend vorgetragen

19. April 2018, 21:58 Uhr

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Frankfurt liest« steht der Roman »Das siebte Kreuz« von Anna Seghers im Mittelpunkt. Das Literarische Zentrum Gießen (LZG) veranstaltete am Mittwoch in Kooperation mit der Arbeitsstelle für Holocaustliteratur ebenfalls eine Lesung, die zum Verständnis des Romans beitragen soll.

»Ich habe den Roman schon oft bei einer Lesung gehört«, sagte eine Zuhörerin »aber hier war ich richtig in der Geschichte drin. Es war so, als wäre ich selbst dabei und ein Teil der Geschichte. Eine Mischung aus Hörspiel und Theaterstück.« Damit sprach sie wohl dem größten Teil des Publikums aus der Seele, was der darauffolgende Applaus und die zustimmenden Worte zeigten. Denn die Schauspielerin Anne-Elise Minetti schaffte es mit ihrer lebendigen Darbietung, jede Figur im Roman überzeugend darzustellen.

Wie kann man dieses wertvolle Stück Literatur in der heutigen Zeit begreifen? Dieser Frage ging Charlotte Kitzinger von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur nach, indem sie erklärte, wie der Roman entstand und interpretiert wurde. Doch auch auf die Biographie der Schriftstellerin wurde eingegangen und politische Überzeugung, ohne die das Buch nicht verstanden werden kann.

Flucht aus dem KZ

Im Mittelpunkt des Romans steht die Flucht des KZ-Häftlings Georg Kreisler und sieben Mithäftlingen aus dem fiktiven Konzentrationslager Westhofen. Die Schilderungen der Menschen, denen er begegnet, ihr Umgang mit dem, was passierte, ihre Alltagssorgen sind das Ungewöhnliche und Beeindruckende des Romans. Sieben Kreuze hat der Kommandant für die entflohenen Häftlinge bereitgestellt. Tatsächlich gelingt es ihm, die Flüchtlinge wieder einzufangen, doch das siebte Kreuz bleibt leer – Kreisler ist die Flucht gelungen.

Charlotte Kitzinger betonte, dass der Roman sich nicht thematisch um Erlebnisse im Konzentrationslager dreht. Es gehe um eine Bestandsaufnahme Nazideutschlands aus der Sicht eines KZ-Flüchtlings. Anna Seghers schrieb das Buch, während sie im Exil in Frankreich lebte, von Geldsorgen geplagt und in unsicherer Lage. Ihre Mutter wurde kurz darauf deportiert und getötet.

Die Autorin wollte die Struktur eines ganzen Volkes aufrollen. Das ist ihr gelungen. Wie ein ganzes Land durch den Nationalsozialismus regelrecht deformiert wurde, zeigt diese Fluchtgeschichte ganz besonders gut.

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