17. Mai 2018, 22:07 Uhr

Das seidene Tor von Kiew

Wenn im nächsten Familienkonzert des Stadttheaters Modest Mussorgskis »Bilder einer Ausstellung« erklingen, dann werden diese Gemälde sogar sichtbar sein. Das ist auch das Verdienst von sechs Schülern der Martin-Buber-Schule.
17. Mai 2018, 22:07 Uhr
Voller Stolz präsentieren die Martin-Buber-Schüler mit ihrer Lehrerin (r.) ihre Seidenmalereien. (Foto: gl)

Alessandro hat noch ganz schön viel zu tun. Eine komplette Skyline mit Hochhäusern will er malen und natürlich braucht auch jedes einzelne Haus unzählige Fenster. Mit schwarzer Gutta malt der Martin-Buber-Schüler die Umrisse auf gespannter Seide vor. Später muss er noch alle Flächen mit Seidenmalfarben ausfüllen. Doch wenn alles fertig ist, dann wird auch sein Bild im oberen Foyer des Stadttheaters aufgehängt werden. Ein ähnliches Motiv der Frankfurter Skyline, das seine Mitschülerin Marilyn gemalt hat, wird sogar beim nächsten Familienkonzert an die Rückwand der Bühne projiziert, wenn das Philharmonische Orchester die jungen Stadttheaterbesucher mit Modest Mussorgskis berühmter Programmmusik »Bilder einer Ausstellung« bekannt macht. Massae Nomura von der Jugendtheatersparte des Stadttheaters fotografiert alle Motive ab und kümmert sich auch um die Hängung der Originalbilder im Theaterfoyer.

Die Martin-Buber-Schule ist eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sowie einer Abteilung für körperliche und motorische Entwicklung. Und dazu gehört auch Textilgestaltung. Lehrerin Nora Piotrowski unterrichtet dieses Fach und hat die sechs Schüler ihrer Klasse zur Teilnahme am Projekt des Stadttheaters angemeldet. Schüler der Liebigschule, der Herderschule, der Marburger Siemensschule und der Europaschule Gladenbach machen außerdem mit.

Jede Klasse hat die Aufgabe übernommen, einen Teil von »Bilder einer Ausstellung« zu illustrieren, etwa das Ballett der unausgeschlüpften Küken oder die Hütte auf Hühnerfüßen der Hexe Babajaga. Die Buber-Schüler sind die einzigen Förderschüler im Projekt und haben die Aufgabe bekommen, das Finale der berühmten Komposition, »Das große Tor von Kiew«, zu illustrieren.

Seit Februar haben Alessandro, Marilyn und ihre Mitschüler nach dem Hören der ihnen zuvor noch unbekannten Komposition ohne weitere Vorgaben Motive zur Musik entwickelt und ihre papiernen Entwürfe anschließend auf Seidentücher übertragen. Entstanden sind Stimmungsbilder und Bilder mit konkreten Motiven zum musikalischen Spaziergang, die die Musik quasi sichtbar machen. Beim Klang der Kirchenglocken wird ein Kirchenfenster zu sehen sein, ein pompös wirkender König ist dabei, man erkennt Zwiebeltürme und natürlich auch Tore, die eben jenes »Tor von Kiew« sein könnten. »Ich habe eine sehr motivierte und kreative Klasse«, freut sich Lehrerin Piotrowski. Und ihre Schülerin Madelyn kann es kaum erwarten, wenn sie nach dem Konzert im Stadttheater ihre drei Bilder in ihrer eigenen Wohnung aufhängen kann.

Familienkonzert am 3. Juni

Ein besonderes Erlebnis wird es für die Jugendlichen auch sein, wenn sie am 4. Juni in einem der Schülerkonzerte im Stadttheater dabei sein und ihre eigenen Bilder als großformatige Projektionen auf der Bühne wiedererkennen können. Familien haben dazu am Tag zuvor (Sonntag, 3. Juni, 11 Uhr) Gelegenheit. Wie immer wird Martin Gärtner als Moderator durch das einstündige Programm führen, Martin Spahr dirigiert.

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