21. Februar 2008, 22:56 Uhr

Bunker-Kauf bringt dem MuK neue Motivation

1994 mieteten einige Kulturinteressierte einen Bunker im hinteren Bereich der »Rivers Barracks« an, richteten kurzerhand ein »Café« ein und zogen mit Comedy viel Publikum an. Bei Politikern und Behörden hieß es damals beinahe unisono, keinesfalls könne der neue Musik- und Kunstverein dort weitermachen. Jetzt hat der »MuK« den Bunker gekauft.
21. Februar 2008, 22:56 Uhr

Gießen (kw). Die Amerikaner waren wenige Monate zuvor abgezogen, es wurde diskutiert, ob Autohäuser oder das Landratsamt künftig das Gelände an der Licher Straße nutzen sollten- da schufen einige Kulturinteressierte Fakten: Sie mieteten 1994 einen Bunker im hinteren Bereich der »Rivers Barracks« an, richteten kurzerhand ein »Café« ein und zogen mit Comedy viel Publikum an. Bei Politikern und Behörden hieß es damals beinahe unisono, keinesfalls könne der neue Musik- und Kunstverein dort weitermachen. Jetzt hat der »MuK« den Bunker gekauft. Für den Verein sei das ein »Meilenstein«, sagten Dagmar Titsch und Ronny Krämer vom Vorstand sowie Stephan Entress von der Konzertgruppe im AZ-Gespräch.

Vor 14 Jahren war es kaum vorstellbar, aber längst funktioniert das Nebeneinander von »Rivers Automeile« und MuK. Bisher war der Verein Mieter eines benachbarten Autohauses. Mit dem Jahr 2007 lief der langjährige Mietvertrag aus, ein neuer hätte eine Laufzeit von fünf Jahren gehabt- zu wenig für den Verein, erläutern die drei Vertreter. »Es ist uns gelungen, sowohl unsere Bank als auch unsere bisherige Vermieterin davon zu überzeugen, dass es für uns sinnvoller ist, die monatliche Miete direkt in den Bunker zu investieren. « Nun könne man Zehntausende Euro in dringend notwendige neue Heizungsrohre, Toiletten oder die Renovierung des Treppenhauses und der Notausgänge stecken- mit ganz neuer Sicherheit und Motivation, da der teilweise denkmalgeschützte Bunker nun der »MuK Gastronomie GmbH« gehört. Auf lange Sicht wolle der 90 Mitglieder starke Verein, der an der Gesellschaft beteiligt ist, das Gebäude ganz übernehmen.

Über den Preis ist Stillschweigen vereinbart worden; der bisherige Besitzer hat sich dem Vernehmen nach großzügig gezeigt. Dennoch ist es erstaunlich, dass der Kauf überhaupt möglich war schließlich wurde 2006 unter dem Motto »Rettet den MuK« die drohende Pleite abgewendet. Bei den Benefizveranstaltungen habe man einiges eingenommen und außerdem erhebliche Kosten eingespart, berichten Dagmar Titsch und Ronny Krämer. So werden die meisten Aufgaben mit viel Engagement nur noch ehrenamtlich erledigt, das Kulturprogramm ist derzeit eingeschränkt: Comedy und Lesungen gibt es gar nicht, Theater deutlich seltener. Neben Ausstellungen prägen vor allem Konzerte das Profil. Neben unbekannteren Bands aus dem heimischen Raum treten immer wieder auch einmal bekanntere Künstler auf, für die der »Blaue Saal« ideal ist. So spielten kürzlich die »Killerpilze«, vor einem knappen Jahr gab sich John Lee Hooker jr. die Ehre.

Finanzielles Hauptstandbein sind - neben den knapp 30000 Euro zählenden Zuschüssen von Stadt und Land - derzeit die Partys, bei denen auch die Kneipe »1022« Hochbetrieb verzeichnet. Dabei bietet der MuK laut Krämer »alles außer Mainstream«: Unter dem Motto »Studio« gibt es Disco-Ambiente der 70er und 80er Jahre, die monatliche »Alternative Dance Party« zieht ebenso ein großes Publikum an.

Wieder mehr Kultur anbieten, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit anderen örtlichen Initiativen, und neben dem Ehrenamt auch professionelle Arbeit etablieren: Das ist das Ziel des Vereins, der etliche seit vielen Jahren engagierte Mitglieder zählt. »Hier kann man unabhängige Kunst machen«, umschreibt Dagmar Titsch das Besondere am MuK. Ideen bespreche man gemeinsam und setze sie dann einfach um: »Es macht Spaß.« Ronny Krämer ergänzt: »Man ist Künstler und möchte sich ausdrücken - oder man mag Künstler und arbeitet mit ihnen: Das ist hier möglich.« Und Stephan Entress meint: »Was Live-Konzerte angeht, würde ohne den MuK eine Lücke entstehen. Wir bieten einiges - zum Teil sehr künstlerische Sachen.« Und dies alles in einem ganz besonderen Ambiente - schließlich wurden die Gebäude bereits in der Nazi-Zeit militärisch genutzt.

Näheres im Internet unter der Adresse www.muk-giessen.de.

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