08. August 2013, 18:38 Uhr

Blick in Werkstatt von 3steps: August Bebel trifft Street Art

Das Graffiti-Künstlerkollektiv - Kai und Uwe Krieger sowie Joachim »Jo« Pitt - gestaltet aktuell Porträts des Politikers zur Ausstellung in Wetzlar und plant Workshop mit Jugendlichen.
08. August 2013, 18:38 Uhr
Feinarbeit am historischen Bebel-Porträt für die Wetzlarer Ausstellung. (Fotos: dkl)

Die Verbindung zwischen Gießen und Wetzlar zu pflegen, das ist seit Jahren eine Selbstverständlichkeit für das Graffiti-Künstlerkollektiv 3Steps. Das Trio hilft mit seinen gesprühten Mauerbildern, die immer mit seiner Signatur gekennzeichnet sind, auch der gemeinsamen Identitätsbildung in der Region Mittelhessen auf die Sprünge. Demnächst wird es in Wetzlar aus Anlass der Jubiläumsausstellung zum 100. Todestag des in Wetzlar aufgewachsenen August Bebel (1840-1913) einen Graffiti-Workshop mit Jugendlichen anleiten. Außerdem arbeiten die drei derzeit in ihrem Atelier an zwei Bebel-Porträts, die Teil der Ausstellung im Stadtmuseum Wetzlar sein werden.

Die drei Gießener (Jahrgang 1980), das sind die Zwillinge Kai und Uwe Krieger sowie Joachim »Jo« Pitt, kennen sich seit der Schulzeit. Sie entdeckten damals schon ihre Leidenschaft für die Malerei und das großformatige Gestalten. Was im Herbst 1998 als kreative Freizeitgestaltung begann, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil ihres Lebens. Auch wenn sie mittlerweile ihr Studium beendet haben, sogar mit Promotion, sind sie weiterhin gut verankert in der Urban-Art-Szene.

Sie reisen europaweit zu Graffiti-Festivals und organisierten 2006 das erste Urban-Art-Festival im heimischen Raum unter dem Titel »Optical Confusion« in Wetzlar. 2012 verbanden sie dann Gießen und Wetzlar über das »River Tales«-Projekt, das vom Kulturfonds Gießen-Wetzlar gefördert wurde. In Gießen sind die Mural-Art-Ergebnisse verschiedener Graffiti-Künstler noch an den Pfeilern der Konrad-Adenauer-Brücke zu bewundern, in Wetzlar unter der Brücke des Karl-Kellner-Rings über die Lahn zu beiden Seiten der Lahn.

Die zahlreichen Ideen, Interessen und Vorlieben der 3Steps verschmelzen in ihren gemeinsam erstellten Arbeiten zu einem Gesamtwerk. Zunächst standen sie unter dem Einfluss des klassischen New Yorker Stylewriting und der großformatige Graffiti-Kunst vom Ende der 1990er Jahre. Dann entwickelte sich ihr Stil immer mehr zu einer Collage aus abstrakten Musterelementen und gegenständlicher Malerei, in die auch Techniken der Mural-, Graffiti- und Street-Art einfließen. Ihre Motive sind elegante Frauen und grafische Muster, kombiniert mit rauer Architektur und Städtelandschaften, Helden aus der Comic- und Filmgeschichte, auch Lokalgeschichtliches und manchmal Gesellschaftskritisches kommen vor (»Fukushima«). Sie lassen gern harte Kanten auf weiche Konturen treffen. Pop-Art und Fotorealismus verschmelzen mit farbintensiven Elementen urbaner Ausdrucksformen.

Seit einiger Zeit arbeiten sie auch noch an einem Langzeitprojekt: Sie porträtieren berühmte Zeitgenossen der Vergangenheit auf Leinwand. Die Ergebnisse erinnern an den Siebdruck der 70er Jahre, sie sind jedoch in mehreren Lagen mit Schablonen sorgfältig aufgesprüht. Ein höchst aufwendiges Verfahren. Einige Beispiele stehen schon in ihrem Atelier in der Bleichstraße. Das sei für künftige Ausstellungen, erklärt Kay Krieger. Welcher Art? »Das wird sich noch weisen«, da ist er optimistisch. Also schlugen sie der Wetzlarer Museumsleiterin Dr. Anja Eichler vor, August Bebel für die Ausstellung zu porträtieren, was dankend angenommen wurde.

Die drei bereiten sich inhaltlich vor, machten sich mit der Bebel-Biografie und dem Lebenswerk dieser führenden Gestalt der Sozialdemokratie vertraut, und sie besorgten sich Bücher mit seinen Schriften. Diese dokumentarischen Papiere bilden nun die collagierte Grundlage des historischen Porträts, das den älteren Bebel zeigt. Beim Arbeiten entstand die Überlegung, wie Bebel als junger Mann wohl heute aussehen würde. Also kreierten sie noch ein aktualisiertes Porträt. Bei diesem sind Landkarten der Collage-Bildgrund, auf dem die Orte zu sehen sind, an denen Bebel lebte und wirkte.

Auf die Idee zu einem Graffiti-Workshop kam die Wetzlarer Ausstellungskuratorin Angela Bösl durch die Tatsache, dass Bebel als Junge seinen Namen mit Stein und Nagel in die Stufen des Wetzlarer Doms schlug, was ihm damals Ärger einbrachte. Jugendliche heute sollen mit dem Workshop unter Anleitung der 3Steps Gelegenheit bekommen, dem bedeutenden Wetzlarer ein poppiges und zeitgemäßes Denkmal zu setzen. Die Profis zeigen Tipps und Tricks mit der Sprühdose. Termin ist der 14. August, 11 bis 17 Uhr, Ort ist der Wetzlarer Bahnhof. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre, die Teilnehmerzahl ist auf zehn begrenzt, der Kostenbeitrag ist neun Euro, Anmeldung über das Museum, Tel. : 0 64 41-99 41 31, museum@wetzlar.de. Die Ausstellung »Einer von uns – August Bebel in Wetzlar« wird am 13. August um 17 Uhr eröffnet, ein gesonderter Bericht folgt. Dagmar Klein

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