26. November 2014, 22:43 Uhr

Bestattungen ohne Sarg und mit QR-Code auf Grabstätten

Gießen (mö). Beides sind Bestandteile des Totenkults. Das eine Ritual ist uralt, das andere noch neu. Die Rede ist einerseits von der sarglosen Bestattung, wie sie in der muslimischen Welt üblich ist. Andererseits geht es um die Gedenkpraxis, Grabstätten mit einem sogenannten QR-Code für Smartphones zu versehen.
26. November 2014, 22:43 Uhr
Das muslimische Gräberfeld am Neuen Friedhof gibt es seit 20 Jahren. (Foto: Schepp)

Beides soll künftig auch auf den Friedhöfen der Stadt Gießen erlaubt sein. Dies hat der Magistrat beschlossen.

Die Möglichkeit, Verstorbene auch ohne Sarg erdzubestatten, hatte der Hessische Landtag im vergangenen Jahr durch eine eine Änderung des Friedhofs- und Bestattungsgesetzes eröffnet. Danach dürfen in Hessen auch Erdbestattungen stattfinden, wenn der Leichnam nur in ein Tuch gehüllt ist, wie es der muslimischen Tradition entspricht. Eine Anhörung hatte seinerzeit ergeben, dass vielfach Interesse an einer Bestattung ohne Sarg besteht. Regeln müssten dies aber die Kommunen in ihren Friedhofsordnungen. Dieser Schritt wird nun in Gießen vollzogen, nachdem das Gesundheitsamt grünes Licht erteilt hat, wie es in der Vorlage des Magistrats heißt. In gewisser Weise ist diese Änderung der Friedhofsordnung konsequent, da es auf dem Neuen Friedhof am Rodtberg seit 1995 ein muslimisches Gräberfeld gibt. Unter anderem auch, weil sarglose Beerdigungen bislang nicht möglich waren, lassen sich viele Muslime, die fast ihr ganzes Leben hier verbracht haben, in ihren Herkunftsländern beerdigen.

Aus dem Smartphone-Zeitalter stammt dagegen der Trend, auf Grabsteinen QR-Codes anzubringen. Wenn man mit einem internetfähigen Mobiltelefon ein solches Zeichen scannt, kann man im Netz Informationen über den Verstorbenen abrufen.

Apropos Friedhöfe: Im Geschäftsgang des Stadtparlaments befindet sich auch ein Antrag der rot-grünen Koalition, einen sogenannten Memoriam-Garten auf dem Neuen Friedhof anzulegen. Der Magistrat soll diese Möglichkeit prüfen, heißt es in dem Antrag von SPD und Grünen. Bei Memoriam-Gärten – auf der Landesgartenschau war ein Schaugarten zu sehen – handelt es sich um eine relativ aufwändig gestaltete Gemeinschaftsgrabanlage, die von Friedhofsgärtnern gepflegt wird.

Geändert hat der Magistrat auch die städtische Abfallsatzung und damit auf die Neuausschreibung des Betriebs des Abfallwirtschaftszentrums durch den Kreis reagiert. Künftig soll es möglich sein, dort pro Jahr acht statt wie bisher vier Kofferraumlieferungen mit Sperrmüll, Gartenabfällen oder Bauschutt kostenlos zu entsorgen. Eingeführt werden soll zudem eine 180 Liter-Tonne für Restmüll (graue Tonne). Für Haushalte, die bislang trotz geringerer Abfallmenge auf die 240 Liter-Tonne zurückgreifen mussten, ergibt sich laut Magistrat eine jährliche Gebühreneinsparung von 200 Euro.

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