20. Oktober 2011, 15:33 Uhr

Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. in den Hessenhallen

Wuchtige Beats: Die Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. rappt vor tausend Menschen in den Hessenhallen. Nicht immer gefallen allen die Texte.
20. Oktober 2011, 15:33 Uhr
Hip-Hop-Formation K.I.Z. in den Hessenhallen. (srs)

»Hallo Kassel«, begrüßen die Rapper der Hip-Hop-Formation K.I.Z. ihre Fans in den Gießener Hessenhallen. »Hurensohn«, schallt es derweil aus 1000 Kehlen immer wieder in Richtung Bühne. Was nach einem Auftritt voller Missverständnisse klingt, erweist sich am Dienstag indes ganz im Gegenteil als ein Konzertabend der derben Art, den die Zuhörer tanzend, hüpfend und jede Zeile mitbrüllend bejubeln. Zu harten, wuchtigen Beats geben die Berliner Musiker schroffe und provokante Texte zum Besten. Ironie ohne Augenzwinkern, auf die Zwölf – bisweilen auch jenseits der Grenze des guten Geschmacks.

Neunzig Minuten lang bringen die Berliner Hip-Hopper Nico Seyfrid, Tarek Ebéné und Maxim Drüner sowie DJ Craft alias Sil-Yan Bori ihr Publikum außer Rand und Band. Die Gruppe K.I.Z. präsentiert Stücke ihres aktuellen Albums »Urlaub fürs Gehirn«, das im Sommer dieses Jahres bis auf Platz vier der deutschen Charts geklettert war und wie die bisherigen Veröffentlichungen der Gruppe von tiefschwarzem Humor, Punk-Attitüde und vulgären Texten geprägt ist. So nehmen die Musiker beispielsweise in der Nummer »Doitschland schafft sich ab« die Thesen Thilo Sarrazins auf die Schippe: Nicht Migranten, sondern Frauen schelten sie darin als fremde Wesen, die »sich einfach nicht integrieren« wollen. »Schießt, schießt sie zurück ins All«, rappen die Hip-Hopper auf der Bühne – und die Zuhörer stimmen ein. Als die Formation wie so oft den Humor auf die Spitze treibt und immer weiter überstrapazieren, verschränken Frauen in den ersten Reihen dann doch demonstrativ die Arme und warten auf den nächsten Song.

Immer wieder während des Konzerts nimmt K.I.Z. auch deutschen Nationalstolz aufs Korn. »Wir sind Papst«, rufen die Hip-Hopper der Menge zu – um im nächsten Satz an die Kindheit Joseph Ratzingers als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg zu erinnern und dann das Lied »Hölle« anzustimmen.

Wild hüpfen und tanzen die Zuhörer, werfen Büstenhalter auf die Bühne. Zur Freude der Besucher schnallt sich Rapper Maxim einen BH um den Oberkörper. Ein »angenehmes Publikum« seien die Gießener, bedankt er sich. »Auf einer Skala von 0 bis 10 eine 5,7.« Währenddessen brüllen die Zuhörer in den stickigen Hessenhallen immer lauter den Titel ihres Lieblingsstücks: »Hurensohn«. Nach neunzig Minuten schließlich erfüllt die Berliner Formation den Wunsch. Die Gäste jubeln, heben die Arme und formen ihre Hände zu Herzen. srs

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