11. September 2018, 22:08 Uhr

Begegnung in Bali als Lebenswende

11. September 2018, 22:08 Uhr
Madeleine Carlborg im Hof der Hausverwaltung Menges in der Alicenstraße, wo sie als Buchhalterin arbeitet. (Foto: Schepp)

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In Gießen lässt es sich gut leben: Das hat Madeleine Carlborg nicht erst festgestellt, seit sie Anfang August hierher zog. Die 27-Jährige hatte drei Jahre Zeit, die Stadt kennenzulernen, nämlich bei Besuchen bei ihrem Freund. Nun hat die Buchhalterin Wohnung und Arbeit in Schweden aufgegeben – und es bisher nicht bereut. Sie ist laut der städtischen Statistik die einzige Gießenerin, die in der südschwedischen 94 000-Einwohner-Stadt Norrköping geboren wurde.

Im Urlaub auf Bali lernte die Schwedin den Gießener kennen. Es folgten drei Jahre Fernbeziehung und immer wieder Überlegungen: Wo könnten wir zusammen leben? Grundsätzlich wäre auch ihre Heimat infrage gekommen, erzählt Madeleine Carlborg. Aber ihr Partner, der bei Schunk arbeitet, spricht kein Schwedisch.

 

Deutsch war nicht das Lieblingsfach

 

Ihr Deutschunterricht in der Grundschule lag zwar schon lange zurück, »und es war nicht mein Lieblingsfach«. Aber nun verbesserte sie ihre Kenntnisse ständig. Mit ihrem Partner unterhält sie sich mittlerweile auf Deutsch: »Englisch ist verboten«, erklärt sie lachend. Letztes Jahr machte sie vier Monate einen intensiven Sprachkurs in Gießen.

Ein Gespräch über die gemeinsame Zukunft führte in diesem Jahr zur Frage: Worauf warten wir? – und zu ihrem Umzug. Dank ihrem fast fließenden Deutsch fand die 27-Jährige, die bisher in einem Immobilienunternehmen gearbeitet hatte, eine Stelle bei der Hausverwaltung Menges. Dort fühlt sie sich sehr wohl. Nebenbei lernt sie weiter Deutsch. »Man kann sich immer verbessern.«

An Gießen schätzt sie unter anderem, »dass es keine Großstadt ist«, außerdem »die vielen schönen Restaurants und Kneipen«. Einheimische hat sie bisher vor allem über ihren Freund kennengelernt, doch sie findet es nicht schwer, Kontakt zu knüpfen. »Die Leute sind freundlich und, wie sagt man?, outgoing«, also längst nicht so verschlossen, wie es das Klischee von den Deutschen behauptet. Vermisst sie etwas? »Familie und Freunde« natürlich. Mehr kann sie noch nicht sagen: »Ich bin ja erst ein paar Wochen hier.«

Ob Gießen langfristig die Wahlheimat bleibt, ist offen. Für Madeleine Carlborg ist ein weiterer Umzug kein Muss: »Ich kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben.«

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