06. September 2018, 21:56 Uhr

Aus Bewerber wird Umworbener

06. September 2018, 21:56 Uhr
Stolz auf eine authentische Werbekampagne: Die Uniklinikum-Verantwortlichen (v. l.) Lothar Zörb, Judith Schäfer, Manfred Rompf und Christiane Hinck-Kneip. (Foto: Schepp)

Gießen (kw). Man bewirbt sich um eine Stelle: Beschreibt dieser Satz noch die Realität? Inzwischen sind es eher die Unternehmen, die um Mitarbeiter werben. Das wird augenfällig in der neuen Kampagne, mit der das Uniklinikums Auszubildende und Mitarbeiter gewinnen will. Beispielsweise können Interessenten in ein Internetformular wenige Daten eintragen und werden dann kontaktiert. Auf vielfältige Weise bemüht sich der mit 5000 Mitarbeitern größte heimische Arbeitgeber verstärkt um Personal. Einen »Pflegenotstand« sehe sie noch nicht, erklärt die Kaufmännische Geschäftsführerin Dr. Christiane Hinck-Kneip beim Pressegespräch. Doch man wolle vorsorgen.

An der Debatte auf Bundesebene ärgere sie der genannte Jahresverdienst von 30 000 Euro. »Quatsch«, sagt Hinck-Kneip. Das habe sie auch schon Gesundheitsminister Jens Spahn erklärt. Diese Zahl stimme vielleicht für die Altenpflege; in der Krankenpflege verdiene man mindestens 50 000 Euro. Allerdings: »Einige Stellen bekommen wir trotzdem nicht besetzt.« Akute Lücken gebe es vor allem in der Kinderklinik, wo einerseits ein enger Betreuungsschlüssel auf den Frühchenstationen eingeführt wurde und andererseits besonders häufig Mitarbeiterinnen wegen Schwangerschaft ausfallen.

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen 400 bis 500 Bewerbungen auf 30 Krankenpflege-Plätze eingingen, ergänzt Pflegedirektor Lothar Zörb. Nun intensiviere das Klinikum seine Werbung um Nachwuchs – und zwar mit Bedacht in der Region. Dahinter steht die Hoffnung, dass diese Mitarbeiter dauerhaft in Gießen bleiben werden. Unter anderem informieren Vertreter des Klinikums direkt in Schulen, der Zugang zu Praktika wurde erleichtert. Auf großen Aufstellern erklären Pfleger und eine Hebamme ihre Freude an der Arbeit. »Wir sind stolz, dass wir diese Kampagne aus eigenen Mitteln gestemmt haben. Das sind unsere Mitarbeiter, keine Models«, betont Hinck-Kneip.

Was ihre kurz angerissenen Lebensgeschichten deutlich machen, umschreibt Zörb so: »Bei uns kann man richtig Karriere machen.« Professionelle Fortbildungen direkt im Haus und über 90 Prozent ausgebildetes Pflegepersonal gebe es nicht überall.

Auf Nachfrage räumt Hinck-Kneip ein: Mit der Zahl sinkt auch die Qualität der Bewerber. Eingestellt würden aber nur diejenigen, »die zu uns passen« und die Patienten gut versorgen können, unterstreicht Pflegedienstleitung Judith Schäfer. Über 45 000 Menschen liegen jährlich stationär im Uniklinikum Gießen. Die Zahl steigt stetig.

Wer in der Ausbildung Schwierigkeiten hat oder im ersten Anlauf bei der schriftlichen Prüfung durchfällt, werde von Paten oder Pflegepädagogen unterstützt, erläutert Personalchef Manfred Rompf. Das Klinikum zähle 800 Ausbildungsplätze einschließlich Schulen, etwa für Physiotherapie oder Diätassistenten. Eine Ausweitung sei vorgesehen. Und das nicht nur quantitativ: »Wir wollen der beste Arbeitgeber in der Region werden.«

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