06. September 2018, 21:54 Uhr

Attraktiver Großstadtlärm

Es ist eine Erkundungstour durch Klänge und Geräusche. Dazu wird getanzt, gesungen und rumort. Wenn das Stück »Surrogate Cities« in die Osthalle einzieht, geht es für die fast 400 Beteiligten auf dem Spielfeld rund.
06. September 2018, 21:54 Uhr
Abtin Afshar Ghotlie zeigt sein Können als »Surrogate«-Breakdancer, die Verantwortlichen im Hintergrund schauen interessiert zu. (Foto: Schepp)

Der Anspruch könnte kaum größer sein: Das szenische Konzert »Surrogate Cities« von Heiner Goebbels soll elektrisieren, faszinieren und dem teilnehmenden Nachwuchs auch noch einen Kunstgedanken vermitteln. »Und die andern Premieren laufen ja alle parallel nebenher«, sagt Stadttheater-Intendantin Cathérine Miville am Donnerstag beim neuerlichen Pressegespräch zum Stück. Die »jugendlich dynamische« Großproduktion mit opulentem Sound-Apparat, Stimmen sowie kleinen und großen Tänzern steigt am Samstag, 22. September (19.30 Uhr), in der Osthalle. 1400 Zuschauer sollen her, obwohl es an diesem Abend keine Rebounds und Dunkings zu sehen gibt. Da muss im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt werden.

Die Aufführung mit ihren fast 400 Mitwirkenden könnte ein künstlerischer Meilenstein für Stadt, Schule und Theater werden. Bis heute wurde Goebbels’ Komposition von 1994, das vielleicht vielschichtigste Werk des JLU-Ehrenprofessors, weltweit ausschließlich in Metropolen wie Taipeh, New York, London, Berlin oder Stockholm aufgeführt – jetzt soll Gießen zeigen, was es kann.

Die Verantwortlichen versprechen 90 Minuten »höchst attraktiven Großstadtlärm«: »Surrogate Cities« (Ersatzstädte) entführt in ein imaginäres urbanes Zentrum, zeigt eine Collage aus Choreografien, Musik, Licht und Sprache. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Martin Spahr, die Klangregie geht auf das Konto von Norbert Ommer und die szenische Gesamtleitung liegt in den Händen von Tanzdirektor Tarek Assam. Seit insgesamt sechs Wochen (die Zeit vor den Sommerferien mit eingerechnet) wird in der Halle geprobt.

»Wir bringen am Ende alle Mitwirkenden auf die Bühne«, verspricht Assam. Er hat das Spielfeld in ein Schachbrettmuster unterteilt. 28 Flächen wollen von 300 Schülern der Klassen 7 und 9 sowie der Jahrgangsstufe 12 der Gesamtschule Gießen-Ost samt Mitgliedern des Jugendclubs des Stadttheaters mit Leben erfüllt werden. »Es wird im Verlauf des Konzerts eine Art Kleinstadt aufgebaut«, erläutert Assam seine Idee.

Er bietet dazu einen Stab an Choreografen auf. Sie studieren mit den Pennälern Details ein. Alles wird zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Mit von der Partie sind unter anderem Paul Julius und Paolo Fossa. Die Break-Dancer Abtin Afshar Ghotlie, Dominik Blenk und Markus Heldt werden als »Störenfriede« ins Stück eingebaut.

Als Gesangssolisten stehen die amerikanische Jazz-Sängerin Jocelyn B. Smith und Klang-Artist David Moss bereit. »Die beiden haben bislang alle Aufführungen von ›Surrogate Cities‹ weltweit gesungen. Heiner Goebbels schreibt sie als Solisten vor«, erläutert Spahr und lobt die konstruktive Zusammenarbeit. Er wird ein 82-köpfiges Orchester dirigieren. Der große Klangapparat setzt sich aus dem Philharmonischen Orchester Gießen und bewährten Gästen zusammen. »Goebbels’ Musik reicht von der Polyphonie bis zum Soul«, sagt Spahr. Gespielt wird unter dem Motto »Keine Angst vor neuen Tönen«. Sprecher des Stücks ist Stadttheaterschauspieler Roman Kurtz.

»Surrogate Cities« spürt als treibende Erkundungstour den Tönen, Klängen und Geräuschen der Urbanität musikalisch nach. Durch die Methode des Samplings von Großstadtgewusel wird ein beinahe neoimpressionistisches, aber auch schroffes und bisweilen kurioses Mauerritzenklangbild erzeugt. Die rezitierten und gesungenen Texte stammen von Heiner Müller, Hugo Hamilton und Paul Auster. Karten gibt es weiterhin im Vorverkauf zum Preis von 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.

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