03. April 2018, 08:00 Uhr

Horst-Eberhard-Richter-Institut

Arzt soll Verein wegen Tätigkeit in der AfD verlassen

Der Gießener Psychotherapeut Heinrich Schimpf hat Ärger mit seinen Kollegen des Horst-Eberhard-Richter-Instituts. Eine kleine Zeitungsmeldung hat in dem Verein für viel Aufregung gesorgt.
03. April 2018, 08:00 Uhr

Von Burkhard Möller , 2 Kommentare
AfD-Schatzmeister Heinrich Schimpf (2 v.r.) nach der Vorstandswahl. Daneben Stadtsprecher Arno Enners und seine Stellvertreterin Sandra Weegels sowie die Beisitzer Thomas Biemer (r.) und Hilmar Jordan (l.). (Foto: AfD Gießen)

Es war nur eine kleine Zeitungsmeldung Mitte März und auch nur ein Satz in der Pressemitteilung über die letzte Mitgliederversammlung der Gießener AfD: »Zum Schatzmeister des Stadtverbands wurde der Gießener Arzt und Psychoanalytiker Heinrich Schimpf gewählt, der zum ersten Mal ein Vorstandsamt bei der AfD wahrnimmt.« Seit der Veröffentlichung dieser Meldung in der GAZ-Ausgabe vom 14. März herrscht in der heimischen Psychologen-Szene große Aufregung, denn Schimpf ist Mitglied des namhaften Horst-Eberhard-Richter-Instituts für Psychotherapie und Psychoanalyse sowie in der Deutschen Psychologischen Vereinigung (DPV).

Mit Werten der Psychoanalyse unvereinbar

In mehreren Schreiben wurde dem im Südviertel praktizierenden Arzt von seinen Kollegen ein Austritt aus dem nach dem früheren Gießener Ehrenbürger benannten Verein und der DPV nahegelegt. Die »rechtspopulistische« Partei AfD stehe im »diametralen Gegensatz zu den Werten der Psychoanalyse«, heißt es in einem der Schreiben an Schimpf, das der GAZ vorliegt. Die Psychoanalyse stehe für die Freiheit des Individuums und mache keinen Unterschied zwischen Hautfarbe, Religionszugehörigkeit und sexueller Orientierung. Dagegen mache die AfD Stimmung gegen Flüchtlinge und Muslime und wolle Deutschland »gegen alles Fremde abschotten«, heißt es in dem Brief.

Wegen Euro-Rettung eingetreten

Schimpf bestätigte am Ostermontag auf GAZ-Anfrage den Konflikt. Mitte April sei sogar eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt worden, bei der über seinen Fall gesprochen werden soll. Mitglied in der AfD sei er bereits seit rund drei Jahren, die Übernahme des Vorstandspostens habe er sich wegen der öffentlichen Wirkung gut überlegt. »Wer täte das nicht«, sagte Schimpf. Eingetreten in die AfD sei er seinerzeit, weil er mit der Politik der Euro-Rettung nicht einverstanden gewesen sei. »Ich unterschreibe nicht alles, was in der AfD gesagt und geschrieben wird, aber man soll doch nicht so tun, als sei das die Nachfolgeorganisation der NPD. Das Wesen rechtsextremer Parteien ist mir zutiefst fremd«, betonte Schimpf. Nach eigenem Bekunden war er früher in der SPD und hat den Weg der Grünen »sehr genau« verfolgt. »Die AfD ist eine junge und vielstimmige Partei. Bei den Grünen gab es anfangs auch welche, die haben mit dem Linksterrorismus der RAF sympathisiert«, erklärte Schimpf.

Was ist vereinsschädigend?

Das Horst-Eberhard-Richter-Institut ist eine von bundesweit 13 Ausbildungsstätten der DPV und bildet Psychoanalytiker und Psychotherapeuten im Zuge der Facharztweiterbildung aus. Es wurde von dem namhaften Gießener Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter 1962 mitgegründet und ist seit 1979 ein gemeinnütziger Verein. In der Satzung gibt es einen Passus, wonach »schädigendes Verhalten gegenüber den Interessen des Vereins« zum Ausschluss führen kann. Was »schädigendes Verhalten« ist, wird aber nicht näher ausgeführt.

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