30. Oktober 2017, 11:00 Uhr

Forschung

Appell an Universität: Tierversuche stoppen

Die Justus-Liebig-Universität sei eine »Hochburg der Tierversuche in Hessen«: Das sagen Vertreter von sieben Organisationen bei einem Aktionstag am Samstag.
30. Oktober 2017, 11:00 Uhr
Den ganzen Tag informieren etwa 200 Tierschützer in der Fußgängerzone, am Nachmittag ziehen sie demonstrierend zum Bahnhof und zurück. (Foto: csk)

Auf das Schicksal von Tieren, die in der Forschung als Studienobjekte eingesetzt werden, haben am Samstag rund 200 Menschen bei einer Demonstration aufmerksam gemacht.

Organisiert von der Tierrechtsgruppe Gießen, waren den ganzen Tag über in der Löwengasse sieben Organisationen präsent, unter anderem die Ärzte gegen Tierversuche und die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner. Mit der Aktion fordere ihr Verein »das sofortige Ende aller Tierversuche – in Gießen und an jedem anderen Ort«, sagte Cora Bädke von der Tierrechtsgruppe am Rande der Veranstaltung.

Besser am Menschen forschen

Der Protest richtete sich besonders gegen die Gießener Justus-Liebig-Universität. Gastrednerin Dr. Corina Gericke brandmarkte sie in ihrer Ansprache als »eine Hochburg der Tierversuche in Hessen«. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen seien Tierversuche »überhaupt nicht geeignet, die Wirkung bestimmter Stoffe auf Menschen zu beurteilen«, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin der »Ärzte gegen Tierversuche«, die selbst in Gießen Veterinärmedizin studiert hat. Sinnvoller sei es, Alternativen zu entwickeln und Methoden wie zum Beispiel die Forschung an Menschen zu verbessern.

Angesichts eines solchen Befundes müsse das Festhalten an der bestehenden Praxis andere als nur wissenschaftliche Gründe haben, so Gericke: »Weil sich eine ganze Tierversuchsindustrie eine goldene Nase verdient, wird behauptet, Versuchstiere seien durch nichts ersetzbar.« Mit dieser Argumentation seien 2015 bundesweit 2,8 Millionen Tiere in Laboren »verbraucht« worden, davon etwa zehn Prozent in Hessen. Die Dunkelziffer liege aber viel höher, zumal eine Pflicht zur Dokumentation nur bei Wirbeltieren und Kopffüßern bestehe.

Zweifel am 3-R-Zentrum

Überhaupt seien Tierversuche auch für Menschen gefährlich, betont die Tierrechtsgruppe immer wieder. Denn wegen der »biologischen Unterschiede zwischen den Spezies« könne man die Wirkung »tierversuchserprobter Medikamente« auf den Menschen oft nicht sicher einzuschätzen.

Dass an der JLU kürzlich ein »Zentrum für 3-R-Verfahren« eröffnet wurde, besänftigt die Tierschützer nicht. Mit der Strategie aus Replacement (Vermeiden), Reduction (Verringern) und Refinement (Verfeinern) soll es dazu beitragen, Tierversuche kurzfristig verträglicher und auf lange Sicht möglichst überflüssig zu machen. Die Tierrechtsgruppe bewertet die Pläne anders: Missstände könnten zementiert werden.

Außerdem kritisiert sie fehlende Bereitschaft zur Kommunikation seitens der Uni. Auf eine Petition mit 5000 Unterschriften, die dem JLU-Präsidium im Mai übergeben wurde, habe es keine Reaktion gegeben. Das Angebot, öffentlich zu diskutieren, werde abgeblockt.

Recht auf Unversehrtheit

Über diese und weitere Themen klärten die teilnehmenden Organisationen im Laufe des Samstags auch mit Vorträgen und einem Theaterstück auf. Nachmittags sorgte eine »Silent Line«, also eine stille Protestlinie, für Aufsehen, ehe die Aktivisten durch die Fußgängerzone zum Bahnhof und zurück zur Löwengasse zogen.

Dort informierten sie die Passanten mit einem Flugblatt über ihre Anliegen. Der Kernsatz in dem vierseitigen, dicht beschriebenen Papier: »Jedes der Versuchstiere ist ein einzigartiges und kostbares Individuum, welches ein Recht auf Leben in Unversehrtheit und Freiheit hat!«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Biologie
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Labors
  • Petitionen
  • Tiermedizin
  • Tierschützer
  • Tierversuche
  • Vertreter
  • Wirbeltiere
  • Ärzte
  • Gießen
  • Christian Schneebeck
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.